07.04.2022

Kupieren

Ein grausames Schönheitsideal

Die Ohren oder den Schwanz von Hunden zu kupieren, ist ein jahrtausendealter Brauch. Allerdings ist in den letzten Jahrzenten ein globaler Gegentrend zu sehen. In den meisten Ländern wurden mittlerweile Kupier-Verbote verhängt und es ist anzunehmen, dass die aktuelle Tierrechtsbewegung zu einem weiteren Rückgang führen wird.

Kupieren – was ist das eigentlich?

Das Wort “kupieren” kommt aus dem Französischen “couper” und bedeutet übersetzt “abschneiden/durchtrennen”. Bezogen auf den Hund ist damit die operative Entfernung von Ohren und Schwanz gemeint. Die Amputation kann teilweise (Verkürzung/Verkleinerung) oder ganz (vollständige Entfernung des Körperteils) geschehen. Während bei manchen Hunderassen mehrere Körperteile zur selben Zeit entnommen werden, werden bei anderen entweder die Ohren oder der Schwanz entfernt. Da der Eingriff medizinische Fachkenntnisse und den Zugang zu Narkosemitteln voraussetzt, sollte er Tierärzten vorbehalten sein. Das weitläufige Kupierverbot trägt jedoch dazu bei, dass in diesem Punkt viel Schindluder betrieben wird. Gerade das Kürzen der Rute übernehmen die Hundezüchter häufig selbst.

Das passiert bei der Ohrkupierung:

  • Der Welpe wächst normalerweise bis zu einem Alter von sieben bis zwölf Wochen heran.
  • Der Eingriff findet für gewöhnlich unter Vollnarkose statt.
  • Sobald die Narkosemittel wirken, werden die Ohren festgeklemmt.
  • Anschließend wird eine Kupierschablone (auch: Kluppe) auf das Ohr gelegt, damit der Tierarzt den zu entfernenden Bereich mit einem Skalpell entlangfahren kann.
  • Die durchtrennten Blutgefäße werden abgedrückt und die Außenseite des Ohrs wird entlang der Schnittkante zugenäht.
  • In den kommenden Wochen wird das Ohr in der gewünschten Position festgeklebt. Ziel ist es, dass die einstigen Schlappohren nach der Teilamputation aufrecht stehen. Falls erforderlich, werden zu diesem Zweck zusätzlich die entsprechenden Muskeln gestrafft und/oder Silikonstäbe eingesetzt.

So verläuft der Kupiervorgang beim Schwanz:

  • Der Eingriff wird meist in den ersten Lebenswochen vorgenommen.
  • An der Stelle, an denen die Schwanzwirbel entfernt werden sollen, wird ein kreisförmiger Schnitt gesetzt.
  • Entlang der Schnittwunde wird die Haut etwas zurückgezogen, um mit einem weiteren Schnitt die darunter befindlichen Wirbel zu durchtrennen.
  • Die Wunde kann prinzipiell offen verheilen. In einigen Fällen wird das Schwanzende jedoch auch wieder sauber zugenäht.
  • Eine Alternative zu der chirurgischen Methode ist das Abbinden mit einem strammen Gummiband. Dadurch, dass die Blutzirkulation unterbunden wird, stirbt und fällt das abgebundene Schwanzende nach einigen Tagen ab, ohne, dass eine Operation erforderlich wäre.

Ganz gleich, welche Techniken zum Einsatz kommen, eine schmerzfreie Methode gibt es nicht. Häufig halten die postoperativen Schmerzen mehrere Tage oder Wochen an. Das kann unter anderem einen nachteiligen Effekt auf die Psyche des Hundes nehmen.

Kupieren Hund – wo kommt es her?

Die Anfänge des Kupierens werden auf den Zeitraum zwischen 500 v. Chr bis 500 n. Chr. zurückdatiert. Die Übermittlungen stammen aus dem Römischen Reich, in dem das Kürzen der Schwänze bei Welpen eine ganz gewöhnliche Vorgehensweise war. Nach dem damaligen Verständnis diente das Kupieren dem Gesundheitsschutz. Die Römer glaubten, amputierte Hunde erlitten keine Tollwutinfektion. Das Kupieren baute zu damaligen Zeiten also auf einer tragischen Wissenslücke auf.

Das Kupieren der Rute ist demnach eine jahrtausendealte Tradition, die im Laufe der Zeit jedoch einen starken Wandel erfahren hat. Neben pragmatischen Gründen, wie der Verletzungsgefahr, wurden kupierte Hunde zwischenzeitlich sogar zu einem Schönheitsideal. Viele Zuchtverbände setzten das Entfernen der Rute/der Ohren sogar als zwingendes Merkmal in ihren Rassebeschreibungen voraus. Seit der Jahrtausendwende – und auch schon davor – sind jedoch stärker werdende Gegenströmungen zu sehen. 2010 schaffte der FCI das Kupieren in seinen Rassestandards ab. Seitdem dürfen die Hunderassen nicht mehr durch chirurgische Eingriffe verändert worden sein. Da die Tierschutzgesetze inhaltlich in die gleiche Richtung gehen, sind kupierte Hunde in Deutschland heute aber mittlerweile rar.

Kupierte Hunde – wieso wird es heute noch gemacht?

Ein Teil der Gründe für das Kupieren ist heute – trotz Verbot – noch immer aktuell. Viele Hundehalter halten an dem konservativen Erscheinungsbild der Rassehunde fest. Teilweise hängt das damit zusammen, dass ihnen kupierte Hunde optisch einfach gut gefallen. Teilweise versprechen sie sich aber auch Status und Respekt davon, denn schließlich sehen kupierte Hunde oft gewollterweise furchteinflößend aus.

Während das kupieren aus ästhetischen Gründe heutzutage vielerorts verboten ist, ist der Eingriff in den folgenden zwei Fallgestaltungen immer noch legal:

Diese Hunde werden heute noch kupiert:

  1. Einige Jagdhunderassen
  2. Kupieren bei medizinischer Indikation

Hinweis: Das Kupieren ist jedoch nur erlaubt, wenn dem keine gesundheitlichen Risiken im Wege stehen.

Ohren kupieren – wieso es illegal ist

Das Kupieren ist gemäß § 6 I Tierschutzgesetz in Deutschland illegal. Darin steht nämlich unter anderem beschrieben, dass das Entfernen von Körperteilen bei Wirbeltieren verboten ist. Für den Verstoß sind empfindliche Geldstrafen vorgesehen.

Grundlage dieser Rechtsnorm ist das tierische Wohlergehen. Hunde zu kupieren ist verboten, weil die Amputation sehr schmerzhaft ist. Außerdem kann es zu gesundheitlichen Folgeschäden (Infektionen etc.) und kommunikativen Missverständnissen zwischen den Artgenossen kommen. Schließlich kommunizieren Hunde sowohl mit ihren Ohren als auch mit dem Schwanz. Darüber hinaus beeinflusst die Rute Gleichgewicht und Wendigkeit. Sie ist also ein funktioneller Körperteil.

Auf Ausstellungen gibt es mittlerweile ebenfalls ein Kupier-Verbot. Allerdings ist der Kauf kupierter Hunde nach wie vor erlaubt. Eine Importsperre nach Deutschland gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Es ist also durchaus möglich, einen bereits kupierten Hund aus dem Ausland zu beziehen.

Allerdings ist es laut Gerichtsurteil verboten, den Hund zwecks Amputation ins Ausland zu bringen. Um einen kupierten Hund rechtskonform kaufen zu können, muss dieser also sowohl im Ausland geboren als dort auch chirurgisch behandelt worden sein.

Theoretisch gibt es also die Möglichkeit, das Kupierverbot im Ausland zu umgehen. Mittlerweile sind die Eingriffe aber in keinem der 27 europäischen Mitgliedsstaaten mehr erlaubt. Auch dort wäre das Entfernen von Ohren und Rute also illegal. Es ist somit anzunehmen, dass der Kupiertourismus in den kommenden Jahren vollständig versiegt.

Dobermann kupiert – welche Rassen werden kupiert?

Hunde, die zu der folgenden Gruppe zählen, werden besonders oft kupiert:

  1. Hunde, die ein Schönheitsideal verkörpern sollen. Das Kupieren wird teilweise bereits so lange praktiziert, dass einige Personen die entsprechenden Hunde nur in kupierter Version als reinrassig erkennen. Beispiel Boxer: Das Entfernen der Rute betont die Muskulatur in den Hinterbeinen.
  2. Schutzhunde werden kupiert, damit sie bei einer körperlichen Auseinandersetzung weniger Angriffsfläche bieten.
  3. Kurzhaarige Hunde haben kein Fell, dass sie vor Bissen oder stumpfen Verletzungen schützt. Die Entfernung des Schwanzes ist eine Methode, um die Verletzungsgefahr zu reduzieren.
  4. Jagdhunde haben “berufsbedingt” ebenfalls ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Außerdem vermindert die lange Rute die Beweglichkeit, was ihnen die Ausübung ihrer Aufgaben erschwert.
  5. In den ländlichen Regionen vieler osteuropäischer Staaten kupiert man aufgrund konventioneller Ansichten unabhängig von Rasse und Funktion. Man verspricht sich von dem Eingriff unter anderem, dass Hunde mit abgetrennten Ohren besser hören.

Diese Rassen werden besonders oft kupiert:

Was haltet ihr vom Kupieren von Hunden? Teilt eure Meinung mit uns in den Kommentaren!

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