Wildkatze Steckbrief

Die wilde Verwandte unserer Hauskatzen im Portrait

Die Europäische Wildkatze ist keine verwilderte Hauskatze, sondern eine eigenständige Tierart, die nicht von Menschen gehalten wird. Die scheue Katze ist in den Wäldern Europas zuhause und auch für das geübte Auge nur sehr schwer zu finden. Im Steckbrief erfahrt ihr alles, was ihr über die Wildkatze wissen solltet.

Aussehen der Europäischen Wildkatze

Die Wildkatze unterscheidet sich vom Aussehen nicht besonders von einer graugetigerten Hauskatze. Das dichte Fell ist bräunlich-grau mit einer verwaschenen Tigerzeichnung, die mit dem Alter immer schwächer wird. In der Rückenmitte verläuft eine charakteristische, dunkle Linie – der Aalstrich. Frisch geborene Kätzchen haben noch eine weitaus stärkere Zeichnung. Das markanteste Merkmal der Europäischen Wildkatze ist der dicke, buschige Schwanz mit zwei bis drei dunklen Ringen und einem auffällig stumpfen, dunklen Ende. An der Kehle hat sie einen weißen Fleck und die Nase ist stets fleischfarben.

Weitere Unterarten der Wildkatze

Die Wildkatze ist eine vielfältige Katzenart mit zahlreichen Variationen und Unterarten, die sich in Aussehen und Verhalten stark unterscheiden. Neben der Europäischen gibt es die Asiatische Wildkatze oder Steppenkatze mit stark geflecktem Fell. Außerdem erkennt man die Graukatze vom Ostrand des tibetischen Hochlands als eigene Unterart an. Die Afrikanische Wildkatze oder Falbkatze hat einen spitz zulaufenden Schwanz, rötliche Ohr-Hinterseiten und ein unscheinbares Streifenmuster. Sie gilt als der direkte Vorfahre unserer domestizierten Hauskatzen.

Lebensraum

Die Wildkatze ist vorzugsweise in Laub- und Mischwäldern mit dichtem Unterholz zuhause. Beobachten kann man den scheuen Waldbewohner mit viel Glück auf Lichtungen und Waldwiesen. Auch entlang von bewachsenen Küsten, am Rand von Sumpfgebieten oder in Auwäldern können die Katzen heimisch sein. Früher waren die Katzen in ganz Europa zuhause, doch heute sind sie nur noch in Spanien, Portugal, Schottland, Italien, auf dem Balkan, in Ostfrankreich bis Belgien und in Teilen West- und Mitteldeutschlands zu finden.

Wildkatze

Die Afrikanische Wildkatze gilt als direkter Vorfahre der Hauskatze

Lebensweise und Verhalten

Europäische Wildkatzen sind Einzelgänger, die im Vergleich zu ihrer Körpergröße ein sehr großes Revier beanspruchen. Das Jagdgebiet eines Katers ist mit 1.500 bis 3.000 Hektar in etwa so groß wie das eines Rothirsches. Das Gebiet umfasst meist mehrere Reviere weiblicher Katzen, die mit 300 bis 800 Hektar deutlich kleiner sind. Die scheuen Katzen sind vielerorts tagaktiv, in dicht besiedelten Gegenden verlassen sie die Deckung des Waldes jedoch nur nachts, um im Dunkeln zu jagen. Auf ihrem Speiseplan stehen in erster Linie Mäuse und andere kleine Nager. Sie jagen bei Gelegenheit aber auch große Insekten, Vögel und Eidechsen. In den Morgenstunden suchen die wilden Katzen ihre Schlafplätze auf und ziehen sich häufig in hohle Baumstämme, Reisighaufen oder anderes Totholz zurück.

Unterschiede zwischen Wild- und Hauskatze

Auf den ersten Blick kann man eine Wildkatze kaum von einer Hauskatze unterscheiden. Die wilden Verwandten sind kaum größer, wirken aber durch ihr dichtes Fell etwas kräftiger. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der dickere Schwanz, der weniger Ringe aufweist und auffällig stumpf endet. Die Waldbewohner sind mit drei bis acht Kilogramm in der Regel etwas schwerer als gewöhnliche Hauskatzen. Theoretisch könnten sich beide Arten sogar paaren, dies findet jedoch so gut wie nicht statt.

Wildkatze

Als Jungtiere sind Wildkatzen kaum von Hauskatzen zu unterscheiden

Aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Arten, vor allem im jungen Alter, kommt es häufig zu Verwechselungen. Bevor ihr also vermeintlich ausgesetzte Katzenbabys aus dem Wald mit nach Hause nehmt, solltet ihr bei einer Tierarzt prüfen lassen, ob es nicht doch Wildkatzen sind. In diesem Fall sollten die Kätzchen umgehend an den Fundort zurück gebracht werden. Wildkatzen sind nämlich auch die einzigen Katzen, die als unzähmbar gelten und auch wenn sie in Gefangenschaft aufwachsen niemals ihre Scheu verlieren. Für die Haltung benötigt man eine spezielle Genehmigung und muss einige Kriterien erfüllen. Dazu zählen zum Beispiel ein mindestens 10 m² großer Käfig und ein Außengehege.

Wildkatzen in Deutschland

In Deutschland gibt es heute nur noch ca. 6.000 bis 10.000 freilebende Wildkatzen. Obwohl sie seit 1934 schon unter Artenschutz stehen, wurden sie in den letzten Jahrzehnten auf einen Bruchteil ihres ehemaligen Verbreitungsgebiets zurückgedrängt. Heute sind die scheuen Waldbewohner hauptsächlich in den Nationalparks der Mittelgebirgsregionen zu finden. Sehen kann man die Katzen also im Harz, in Hessen und Thüringen aber auch in der Eifel, im Hunsrück, im Pfälzer Wald und im Taunus. Etwa die Hälfte der deutschen Population lebt in den rheinland-pfälzischen Wäldern. Mithilfe des Projekts „Wildkatzensprung“ werden die Wälder in Deutschland durch sogenannte „grüne Korridore“ miteinander verknüpft. Dazu pflanzt das Bundesamt für Naturschutz gezielt Bäume und Büsche, wo ehemalige Verbindungswege durch intensive Landwirtschaft, Straßen oder Siedlungen verloren gegangen sind.

Bedrohungen für die Wildkatze

Zu den natürlichen Feinden der Wildkatze zählen unter anderem der Luchs und der Wolf. Da beide Tierarten in Deutschland kaum noch anzutreffen sind, ist der Mensch hier die mit Abstand größte Bedrohung. Die meisten Europäischen Wildkatzen fallen dem Straßenverkehr zum Opfer. Da sie ein großes Revier benötigen, überqueren die Tiere häufig Autobahnen oder Bundesstraßen und geraten unter die Räder. Die erneute Ausbreitung der wilden Katzen in Deutschland geschieht dadurch weitaus langsamer. Eine weitere Gefahr birgt die intensive Forstwirtschaft. Natürliche Wälder werden immer weniger und die Katzen finden kaum noch einen passenden Unterschlupf. Sie ziehen sich deshalb immer häufiger in Holzstapel zurück, die beim Verladen der Baumstämme zur Todesfalle werden.

Interessantes und Wissenswertes

  • Die Europäische Wildkatze wurde von der Deutschen Wildtier Stiftung zum „Tier des Jahres 2018“ ernannt.
  • Auch Wildkatzen finden Baldrian unwiderstehlich, weshalb Tierforscher sogenannte „Lockstämme“ mit Baldrian beträufeln, um die Katzen aus ihren Verstecken zu holen.
  • Obwohl auf dem Speiseplan der Wildkatze nur Mäuse stehen, wurde sie Jahrhunderte lang als nutzloser Schädling und mordende Bestie bejagt und gezielt ausgerottet.
  • Wenn der Wildkatzenbestand sich zu sehr mit Hauskatzen vermischt und immer mehr Hybride entstehen, könnten sie allmählich genetisch verschwinden.

Ihr habt schon einmal eine Wildkatze in der Natur gesehen oder interessiert euch für den Artenschutz in Deutschland?  Erzählt es mir in den Kommentaren!

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