25.04.2022

Der Wasserhund

Was macht ihn aus?

Der Wasserhund ist eine schon mehrere Jahrtausende alte Hundeart, die rund um den Globus bereits von antiken Fischern, Jägern und Seefahrern eingesetzt wurde, um Fische und Wasservögel zu fangen, über Bord gegangene Güter und Gegenstände zu bergen, sowie gekonnt schwimmend auch wichtige Nachrichten zwischen Schiffen zu übermitteln. Wasserhunde waren noch bis in die Neuzeit häufig und regelmäßig an Bord vieler Schiffe anzutreffen und besonders auf denjenigen der spanischen Armada weit verbreitet.

Außer als Schiffshunde wurden Wasserhunde im Europa des Mittelalters auch gerne und oftmals von Jägern eingesetzt, um zuvor mit Pfeil und Bogen erlegte Enten sowie Geschosse, die ihr Ziel verfehlt hatten, aus Flüssen, Seen und Teichen zu holen. Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren Wasserhunde vor allem an Bord von Fischkuttern in den Gewässern vor den Küsten Spaniens und Portugals häufig zu sehen.

Mit der Erfindung moderner Feuerwaffen wurden viele Wasserhunderassen jedoch nicht mehr zum Apportieren von Pfeilen benötigt. Einige wurden nach und nach zu Zierhunden, wie etwa der Pudel, andere wurden zu modernen Jagdhunden, wie zum Beispiel der Friesische Wasserhund (Wetterhoun). Die Mehrheit der modernen Retrieverrassen sind Züchtungen von Wasserhunden mit anderen Hunderassen.

Wasserhund– was ist damit gemeint?

Wasserhunde gehören gemäß der entsprechenden Klassifikation der im Mai 1911 unter der Schirmherrschaft von Züchtervereinigungen aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Österreich und den Niederlanden gegründeten Dachorganisation Fédération Cynologique Internationale (FCI)“ zur Gruppe 8 sowie Sektion 3 der anerkannten Hunderassen, zu der auch Apportier- und Stöberhunde gezählt werden.

Je nach den von Land zu Land sich teils tendenziell unterscheidenden Zählweisen existieren zurzeit ungefähr knapp zwei Dutzend bis fast 30 verschiedene Wasserhunderassen. Unabhängig vom recht unterschiedlichem Erscheinungsbild wie auch Charakter und Temperament sind Wasserhunde in der Regel mittelgroße sowie relativ aktive und lebhafte Hunde, die sich vor allem durch dichtes und wasserdichtes Fell sowie Spaß beim Schwimmen auszeichnen.

Traditionellerweise wird das Fell speziell bei vielen langhaarigen Wasserhunderassen sehr kurz geschoren, sodass Mitte und Hinterhand kahl sind, um den Luftwiderstand im Wasser zu verringern, während das Fell am Rumpf erhalten und länger bleibt, um Schocks zu vermeiden, wenn der Hund ins eiskalte Wasser springt. Diese klassische Schur bei Wasserhunden ist auch heute noch häufig auf Hundeausstellungen zu sehen, wobei einige Rassen wie etwa Pudel eine typische Variante dieser Schur darstellen.

Geschichte und Herkunft der Wasserhunde

Die exakten historischen Ursprünge der meisten aktuellen Wasserhunderassen sind nur in Ansätzen, aber nicht mit letzter Sicherheit bekannt, je nach Rasse gibt es diverse, mehr oder weniger plausibel klingende Theorien zur Geschichte und Herkunft. Auch bei einer der bekanntesten und international beliebtesten Rassen, dem Spanischen Wasserhund (Perro de Agua Español), existieren zwei Theorien zu dessen Ursprung. Häufig wird vermutet, dass die Rasse auf osmanischen bzw. türkischen Schiffen, die vom späten 17. bis zum frühen 19. Jahrhunderts für Viehhandel an die Küsten der Iberischen Halbinsel fuhren, erstmals nach Spanien gelangte.

Möglicherweise wird die Rasse auch deshalb oftmals umgangssprachlich „Turco“ (Türke) genannt. Andere Theorien besagen hingegen, dass sie schon während der islamischen Invasion Spaniens seit dem frühen 8. Jahrhundert nach „Al-Andalus“ kamen und sich von dort aus weiter nach Westeuropa verbreiteten. Als Gründe für diese schnelle und weite Verbreitung werden zumeist die gute Anpassungsfähigkeit an alle Arten von geografischen Umgebungen, sowie natürlich die auffällige Geschicklichkeit im Wasser genannt.

Wasserhunde Rassen – so sehen Sie aus

Neben ihrem kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich der guten Beherrschung von Wasserarbeit aller Art haben viele Wasserhunde auch ein meist eher dunkles sowie stark gelocktes Fell gemeinsam. Dies gilt für bekannte, sich äußerlich ähnelnde Rassen wie:

  • American Water Spaniel (Standard Nr. 301)
  • Barbet (Standard Nr. 105)
  • Portugiesischen (Cão de Água Português; Standard Nr. 37)
  • Spanischer Wasserhund (Perro de Agua Español; Standard Nr. 336)
  • Irish Water Spaniel (Standard Nr. 124)

Doch auch helles sowie weißes oder mit braun und schwarz geflecktes Fell, gehören zu den Erkennungsmerkmalen von Wasserhunden. Beispiele:

In der Regel verfügen Wasserhunde über spitze Schnauzen, die auch vielerorts gezielt gezüchtet wurden, damit die Tiere Fische und Wasservögel besser und sicherer zu fassen bekommen.

Wie groß ist ein Wasserhund?

Je nach Rasse erreichen ausgewachsene Wasserhunde Körpergrößen zwischen etwa 50 bis 75 cm, manche seltene Exemplare werden allerdings auch deutlich größer und können „Herrchen“ und „Frauchen“ sogar bis zur Hüfte reichen. Die meisten Rassen bleiben aber tendenziell gedrungen, ansatzweise kräftig und mittelgroß, was ihrer guten Beweglichkeit und dem lebhaften Temperament entgegenkommt.

Naturgemäß bringen die Angehörigen der größeren Rassen wie Labrador Retriever und Neufundländer mit 30 bis 40 bzw. 60 bis 80 Kilogramm auch mehr Gewicht auf die Waage als diejenigen kleinerer Rassen wie zum Beispiel Spaniel mit lediglich 15 bis 20 sowie Portugiesische Wasserhunde mit um die 20 bis 30 Kilogramm.

Spanischer Wasserhund Charakter? – was macht sie aus?

Wasserhunde kommen in der Regel mit anderen Hunden und Tieren gut zurecht, obwohl sie gegenüber Fremden auch misstrauisch sein können. Sie sind jedoch nicht aggressiv, sondern aufmerksam, gehorsam, klug und lernwillig. Es handelt sich um athletische Hunde mit relativ aktivem, ausdauerndem, ausgeglichenem, enthusiastischem, mutigem sowie zähem Wesen, die gerne täglich Aufgaben bewältigen möchten und drei bis vier Mal pro Tag draußen ausgiebig rennen und toben sollten. Wasserhunde besitzen einen gut entwickelten Wach- und Jagdinstinkt und können bestens als Beschützer von Haus und Hof ausgebildet sowie eingesetzt werden.

Die frühe Sozialisierung vom Welpenalter an ermöglicht das Zusammenzuleben auch mit kleineren Kindern. Sein verspielter und fröhlicher Charakter ist ein weiterer großer Vorteil, wenn man ihn lediglich als Begleithund adoptiert, er muss jedoch körperlich aktiv sein, weil er sonst leicht phlegmatisch und träge werden kann. Wasserhunde haben eine relativ hohe Lebenserwartung und werden 10 bis 14 Jahre alt. Wie nahezu alle ursprünglichen Arbeitshunde sind sie an ein bestimmtes Familienmitglied gebunden, das sie als Chef betrachten und dessen Befehle sie befolgen.

Wasserhund Rassen – wer alles dazu gehört

Wie weiter oben bereits erwähnt, zählen die folgenden Rassen laut der FCI-Einstufung der Gruppe 8 und Sektion 3 zu den weltweit bekanntesten Wasserhunden. Heutzutage häufig sind auch Kreuzungen und Mischformen dieser Rassen zu finden:

  • Perro de Agua Español (Typ Cantábrico, Typ Marismeño, Typ Sierra)
  • Cão de Água Português (Portugiesischer Wasserhund)
  • Barbet (vermutlich Vorläufer des Pudels)
  • Chesapeake Bay Retriever (in den USA für die Jagd im Wasser gezüchtet)
  • Clumber Spaniel (britische Hunderasse für die Enten-, Fasanen- und Schnepfenjagd)
  • Curly Coated Retriever (Kreuzung aus Neufundländer mit Irish Water Spaniel)
  • Wetterhoun/Friesischer Wasserhund (In den Niederlanden oft zur Deichpflege eingesetzt)

Was gibt es für Wasserhunde?

Wasserhunde sind schon von ihrer natürlichen Ausstattung wie zum Schwimmen gemacht, ihr Körpergewicht verteilt sich geradezu idealtypisch für den Aufenthalt im Nass. Manche Rassen besitzen sogar Schwimmhäute, die Schwänze wirken wie ein Ruder, mit dem sie sich fortbewegen können, und ihr wasserabweisendes Fell sorgt dafür, dass sie schnell wieder warm und trocken werden.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden Wasserhunden auch längere Läufe angezüchtet, mit denen sie sich gut im bzw. über Wasser halten können und die es ihnen einfacher macht, anspruchsvolle Aufgaben für ihre Besitzer wie Fischen und Jagen zur vollsten Zufriedenheit zu erledigen. Neben den weiter oben bereits genannten Rassen werden häufig auch Neufundländer, Pudel, Irish Red Setter, Boykin Spaniel und Schipperke als Wasserhunde bezeichnet, auch wenn sie streng genommen nicht zur FIC-Gruppe 8 und Sektion 3 gehören.

Was sind häufige gesundheitliche Gefahren für Wasserhunde?

Trotz ihrer generell erstaunlichen Robustheit sind manche Wasserhunderassen anfälliger für Krankheiten wie Hüftdysplasie, Speicherkrankheit, progressive Netzhautatrophie oder okuläre Dysplasie. Darüber hinaus können sie aufgrund ihres starken Fellwachstums auch in den Gehörgängen an verschiedenen Infektionen leiden. Auf eine sachgemäße Mundhygiene sollten Sie als Besitzer eines Wasserhunds ebenfalls achten.

Das häufige Auftreten von Parodontose und Zahnstein kann durch regelmäßiges Zähneputzen schon im Welpenalter verhindert werden, woran die Tiere jedoch möglichst ruhig und behutsam gewöhnt werden sollten. Auf diese Weise werden auch mit Zahnproblemen verbundene Schädigungen von Nieren, Herz und Leber deutlich minimiert. Als vergleichsweise aktive Hunde mit starkem Bewegungsdrang benötigen Wasserhunde regelmäßig hochwertiges und vitaminreiches Trockenfutter, welches gelegentlich durch frische Zutaten sowie Nassfutter ergänzt werden sollte.

Was für einen Wasserhund hatte Barack Obama?

Einem breiten öffentlichen Publikum wurden Wasserhunde sowie insbesondere die Rasse des Portugiesischen Wasserhunds (Cão de Água Português; Standard Nr. 37) durch einen Haushund namens „Bo“ (2008-2021) bekannt, der zusammen mit der Familie des ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama einige Jahre im Weißen Haus in Washington lebte. Der in den Massenmedien häufig als „First Dog“ titulierte Bo wurde von den beiden Schwestern Malia und Sasha Obama nach der Katze ihrer Cousins sowie Vater der „First Lady“ Michelle Obama und in Anlehnung an den R&B-Musiker Bo Diddley benannt.

Der Name Bo entsprach auch Barack Obamas Initialen. Dieser hatte seinen beiden Töchtern versprochen, nach einer erfolgreichen Wahl zum Präsidenten ein Haustier anzuschaffen. Die endgültige Entscheidung wurde unter anderem deshalb getroffen, weil die Allergien der ältesten Tochter Malia einen Hund einer hypoallergene Rasse erforderlich machten. In den USA wurde der Hund Bo seinerzeit als Stofftier erfolgreich vermarktet, auch mehrere Kinderbücher über dessen Leben erschienen dort.

In Erwartung des damals wachsenden Interesses an der Rasse gab der „Portuguese Water Dog Club of America“ eine Erklärung heraus, in der dieser potenzielle Käufer aufforderte, sich zu vergewissern, dass diese Rasse auch zum persönlichen Lebensstil passen müsse und darauf hinwies, dass Portugiesische Wasserhunde ungern allein seien und viel Bewegung benötigen

Habt ihr auch einen Wasserhund oder möchtet euch in Zukunft einen zulegen? Erzählt uns, was die Hunde so besonders macht in den Kommentaren!

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