21.10.2019

Magendrehung beim Hund

Welche Auslöser gibt es und wie könnt ihr euren Hund behandeln?

Euer Hund verweigert sein Futter, versucht sich zu erbrechen und  leidet Schmerzen: im schlimmsten Fall leidet er an einer Magendrehung. Eine Magendrehung verläuft ohne sofortige Behandlung tödlich.Wir klären euch über mögliche Auslöser und die Behandlungs-Möglichkeiten auf.

Was ist eine Magendrehung beim Hund?

Um die Magendrehung beim Hund zu verstehen, ist es wichtig, die Anatomie des Hundes zu kennen. Der Magen des Hundes hängt, anders als beim Menschen, wie ein Beutel relativ locker zwischen Speiseröhre und Zwölffingerdarm im Oberbauch. Er ist nur mit einigen Bändern im Bauchraum befestigt, damit er in unterschiedlichem Füllungszustand beweglich bleibt.

Bei einer Magendrehung (Torsio ventriculi) überdehnt sich der Magen des Hundes und dreht sich um seine eigene Achse. Dabei werden die Blutgefäße und Nerven abgeschnürt. Dies führt dazu, dass die im Magen entstehenden Gase nicht entweichen können und der Bauch sich aufbläht. Da sich immer mehr Gase ansammeln kann das im schlimmsten Fall zum Zerreißen der Magenwand führen! Wenn sich der Mageninhalt in die Bauchhöhle entleert, besteht die Gefahr einer Bauchfell-Entzündung. Das Blut aus dem Hinterleib gelangt außerdem nicht mehr zurück zum Herzen. Dadurch kommt es zu einer Sauerstoff-Unterversorgung des Magens und weiterer Organe. Im schlimmsten Fall stirbt das Gewebe ab und der Hund erleidet einen Kreislaufschock.

Wie macht sich eine Magendrehung beim Hund bemerkbar?

Da eine Magendrehung akut lebensbedrohlich ist, solltet ihr sie sofort erkennen. Nur so könnt ihr im Notfall schnell handeln und eurem Hund das Leben retten. Die Drehung verläuft relativ unauffällig und der Hund jault eventuell kurz auf. Anschließend läuft er mit eingezogenem Bauch und gekrümmten Rücken unruhig hin und her. Viele Hunde legen sich wiederholt hin und stehen sofort wieder auf. Mit fortschreiten der Gasbildung im Magen wird der Hund unruhiger und versucht zu erbrechen. Da die Speiseröhre jedoch zugeschnürt ist, würgt er nur Schaum hervor. Er verweigert außerdem das Futter und erbricht jedes zu sich genommene Wasser wieder.

Im weiteren Verlauf bläht sich sein Bauch zunehmend im Bereich hinter den Rippen auf und wird hart wie eine Trommel. Zudem wird der Hund immer schwächer und hechelt übermäßig stark. Weitere Symptome sind eine blasse Maulschleimhaut sowie Apathie und schlussendlich ein Kreislaufkollaps.

Mögliche Ursachen für Magendrehung beim Hund

Die genaue Ursache für eine Magendrehung beim Hund ist häufig unklar. Einige Faktoren erhöhen jedoch nachgewiesen das Risiko einer Magendrehung. Häufig sind große Rassen wie die Deutsche Dogge, der Boxer, der Dobermann oder der Deutsche Schäferhund betroffen. Sie sind anfälliger für die Erkrankung, da sie einen weiten Bauchumfang und eine tiefe Brust aufweisen. Der Magen hat daher eine größere Bewegungsfreiheit in der Bauchhöhle. Auch bei kleineren Rassen ist die Krankheit jedoch nicht auszuschließen.

Ein höheres Risiko besteht zudem nach einer zu großen Mahlzeit. Wenn der Hund zu viel oder zu schnell Futter oder Wasser zu sich genommen hat, neigt der Magen eher dazu, sich zu drehen. Zudem kann verdorbenes oder schwer verdauliches Futter sich negativ auswirken. Qualitativ minderwertiges Futter ist somit besonders schlimm. Ebenso kann zu viel Bewegung direkt nach dem Essen der Auslöser sein. Treppensteigen, Springen und Toben sind am gefährlichsten. Bei älteren Hunden über fünf Jahren treten Magendrehungen zudem häufiger auf als bei jungen Hunden. Andererseits sind auch Fälle von Magendrehungen bekannt, die durch eine Magen- oder Darmentzündung mit Erbrechen und Durchfall ausgelöst wurden.

Wann muss ich mit meinem Hund zum Tierarzt?

Eine Magendrehung beim Hund ist in jedem Fall lebensbedrohlich. Sobald ihr die Symptome feststellt, solltet ihr einen Tierarzt aufsuchen. Erste Hilfe könnt ihr nicht selber leisten. Je schneller, desto besser. Falls sich die Diagnose bestätigt, sinken die Überlebenschancen des Tieres mit jeder Minute, die ihr zögert. Bereits nach dreißig Minuten bis zu einer Stunde, können seine Organe so stark beschädigt sein, dass Lebensgefahr besteht. Auch abends oder nachts solltet ihr daher umgehend die nächste Klinik aufsuchen. Kontaktiert die Klinik schon auf dem Weg und schildert die Situation. So können die Tierärzte eine eventuelle Operation vorbereiten. Die Überlebensrate nach einer Magendrehung liegt bei rechtzeitiger Vorstellung beim Tierarzt sehr hoch. Beim Transport solltet ihr den Hund möglichst nicht am Bauch berühren, um ihm zusätzliche Schmerzen zu ersparen.

Wie wird eine Magendrehung behandelt?

Eine Magendrehung könnt ihr nicht alleine behandeln. Mithilfe einer Röntgenaufnahme stellt der Tierarzt die Diagnose. Anschließend muss er den Magen des Hundes entgasen. Dies geschieht entweder mithilfe eines kleinen Schlauches oder einer Punktion des Magens. Danach geht es dem Hund häufig schon besser und oft dreht sich der Magen zurück. Ist dies nicht der Fall, muss der Tierarzt eine Notoperation durchführen. Ein derartiger Eingriff kann über 1.000 Euro kosten und ist häufig die einzig mögliche Maßnahme. Eine OP-Versicherung ist daher bei anfälligen Hunde zu empfehlen.

Der Magen wird dabei in die richtige Position zurück gebracht. Da die Chance auf eine erneute Magendrehung bei über 80% liegt, könnt ihr den Magen operativ an der vorderen Bauchwand fixieren lassen. So könnt ihr dem entgegen wirken. Auch nach der OP leiden manche Hunde an den Folgen der Magendrehung. Nicht selten kommt es zu Herzrhythmusstörungen. Daher ist es sinnvoll den Hund einige Tage zur Beobachtung in der Klink zu lassen. Bei positivem Verlauf können die Hunde schon am Folgetag fressen.

So könnt ihr einer Magendrehung vorbeugen

Mit gezielten Maßnahmen könnt ihr das Risiko einer Magendrehung verringern. Dazu ist es sinnvoll, dem Hund mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu geben, statt einer großen. Hat euer Hund bereits eine Magendrehung durchlebt, könnt ihr auf sechs kleine Mahlzeiten pro Tag umstellen. Zudem empfiehlt es sich Trockenfutter vor dem Füttern einzuweichen, damit es nicht im Magen quillt. Für Hunde, die zu schnell schlingen, gibt es spezielle Anti-Schling-Näpfe.

Nach der Futtergabe solltet ihr zudem auf anstrengende Spiele oder Gerenne verzichten. Auch Joggen mit Hund ist nach der Fütterung tabu. Damit euer Hund nicht nachts eine Magendrehung bekommt, wenn ihr schlaft, solltet ihr ihn abends möglichst früh oder eine kleine Portion füttern. Die einzig wirkliche Prophylaxe ist jedoch das Annähen des Magens an der Bauchwand. Diesen Eingriff solltet ihr eurem Hund jedoch ersparen und nur in Betracht ziehen, falls er schon eine Magendrehung hatte.

Hatte euer Hund schon eine Magendrehung? Wie konntet ihr ihm helfen? Erzählt es uns in den Kommentaren! 

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