23.07.2019

Wasservergiftung beim Hund

Symptome & Erste Hilfe bei Hyperhydration

Was gibt es im Sommer Schöneres als mit dem Hund Baden zu gehen und ihm eine Abkühlung zu gönnen? Doch wusstet ihr, dass zu viel Wasser zu einer Wasservergiftung beim Hund führen kann? Wir klären euch über Symptome auf und zeigen, wie ihr im Notfall handeln solltet!

Was ist eine Wasservergiftung?

Die Bezeichnung „Wasservergiftung“ ruft bei den meisten zunächst Verwunderung hervor. Ist viel trinken denn nicht gesund? Generell ist viel frisches Wasser, vor allem bei heißen Temperaturen, eher nützlich als schädlich. Hunde sollten täglich etwa 100 MilliliterWasser pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Das sind für einen 3 Kilo schweren Zwergspitz nur 300 Milliliter, für einen 30 Kilo schweren Labrador hingegen 3 Liter. Schluckt euer Hund jedoch zu viel Wasser, droht eine Wasservergiftung. Tierärzte kennen dieses Phänomen unter dem Namen hypotone Hyperhydratation.

Der Körper des Hundes verfügt im Normalzustand über ein ausbalanciertes Gleichgewicht aus Wasser und Elektrolyten (Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium). Der Elektrolythaushalt des Hundes gerät bei einer zu hohen Wasserzufuhr aus dem Gleichgewicht. Der Natriumgehalt der Körperzellen sinkt und die Zellen beginnen Wasser einzulagern, wodurch sie anschwellen. Aufgrund des niedrigen Natriumanteils in den Zellen verringern die Nieren die Urinproduktion, damit der Körper keine Elektrolyte mehr ausscheidet. So hat der Hund keine Chance mehr, das Wasser selber auszuscheiden. Gleichzeitig steigt das Durstgefühl des Tieres. Speziell im Schädel sorgen die angeschwollenen Zellen für einen Überdruck und neurologische Störungen sind die Folge. Auch die Lungenbläschen beginnen sich mit Wasser zu füllen. Ohne sofortige Maßnahmen endet eine Wasservergiftung tödlich.

Übrigens: Ein tragisches Beispiel, das die Gefahr der Überwässerung deutlich macht, ist der Fall des Schnauzers Hanz, der nach einem Tag am Badesee plötzlich tot umfiel.

Symptome der Hyperhydration

Wenn euer Hund nach 20 bis 30 Minuten Spielen im Wasser plötzlich verändert ist, solltet ihr vorsichtig sein. Es ist möglich, dass er zu viel Wasser geschluckt hat. Als erste Symptome treten Abgeschlagenheit, Erbrechen, ein aufgeblähter Bauch und generelle Unruhe auf. Wenn ihr euren Hund näher betrachtet merkt ihr, dass er helle Schleimhäute und weite Pupillen hat. Außerdem neigen Hunde bei Überwässerung zu starkem Speicheln. Manchmal treten die Symptome zeitverzögert zuhause auf. Sobald die Hyperhydration weiter fortschreitet kommen weitere Symptome hinzu. Der Hund leidet unter Koordinationsstörungen sowie Atembeschwerden, er lässt den Unterkiefer hängen und seine Muskeln zucken. Außerdem ist er apathisch und nicht mehr ansprechbar. Im schlimmsten Fall kriegt er Krämpfe und wird bewusstlos bis er ins Koma fällt.

Erste Hilfe bei einer Wasservergiftung beim Hund

Wenn euer Hund etwas zu viel Wasser zu sich genommen hat, kann er das überschüssige Wasser durch Urinieren selber loswerden. Sobald sich der Zustand des Tieres jedoch schnell verschlechtert, solltet ihr den Vierbeiner umgehend zum Tierarzt transportieren. Betroffene Tiere sterben ohne Behandlung in der Regel innerhalb von zwei bis acht Stunden. Als Erste Hilfe solltet ihr den Hund sofort davon abhalten weiteres Wasser zu sich zu nehmen. Außerdem könnt ihr ihn, falls er noch in der Lage dazu ist, mit Salzgebäck füttern. Natürlich sind Salzstangen im Normalfall keine geeignete Nahrung für Hunde! Im Notfall könnt ihr jedoch eine Ausnahme machen.

Übrigens: Diese 10 Lebensmittel sind giftig für Hunde!

Da die Symptome einer Wasservergiftung anderen Krankheitsbildern ähneln, solltet ihr dem Tierarzt den Tagesablauf des Hundes schildern. Berichtet ihm speziell, wie lange der Hund im Wasser war und was er getan hat. Der Veterinär kann mithilfe einer Blutuntersuchungen den Elektrolyt-Gehalt kontrollieren. Anschließend bekommt der Hund Medikamente zum Ausgleich der Elektrolyte und Mittel zur Wasserreduktion. Auch nach dieser Behandlung kann es zu Spätfolgen im Gehirn kommen. In zwei von drei Fällen endet eine Wasservergiftung tödlich für den Hund. In schweren Fällen solltet ihr euren Hund daher einige Tage zur Beobachtung in der Praxis lassen, um Spätfolgen zu vermeiden.

Wie häufig ist eine Wasservergiftung?

Eine Wasservergiftung ist alles andere als ein Massenphänomen. Damit es zu Symptomen kommt muss der Hund etwa ein Drittel seines Körpergewichts an Wasser aufnehmen. Im Vergleich zu anderen Krankheitsbildern ist die Wasservergiftung damit eine der seltensten Todesursachen. Das heißt jedoch nicht, dass die Gefahr gar nicht besteht. Als verantwortungsvoller Hundehalter solltet ihr darüber Bescheid wissen und im Notfall richtig handeln können. Besonders oft sind kleine Hunde und Welpen betroffen. Sie haben ein geringeres Gewicht und nehmen somit schneller zu viel Wasser auf. Auch sportliche Hunde mit einem niedrigem Körperfett-Anteil können eine zu hohe Wasser-Aufnahme nicht kompensieren. Bei Hunden mit Nierenproblemen oder einer Nierenerkrankung solltet ihr zusätzlich vorsichtig sein.

So könnt ihr eine Wasservergiftung verhindern

Eigentlich ist es leicht eine Wasservergiftung zu vermeiden. Hindert euren Hund daran, zu viel Wasser zu sich zu nehmen. Oft kommt es zu einer Hyperhydration, wenn der Vierbeiner Spielzeug aus dem Wasser apportiert. Wenn er freudig mit offenem Maul immer wieder ins Wasser springt, schluckt er unweigerlich mehr Wasser als gewünscht. Natürlich müsst ihr nicht komplett mit Wasserspielen aufhören. Lasst ihn nur nicht zu lange im Wasser spielen und regelmäßige Pausen einlegen. Außerdem solltet ihr euren Hund während des Spielens genau im Auge behalten.

Speziell beim Spiel mit einem Rasensprenger laufen viele Hunde Gefahr zu viel Wasser zu schlucken. Mit der richtigen Spielzeugform beim Apportieren könnt ihr zudem verhindern, dass euer Hund zu viel schluckt. Mit einem flachen Dummy muss der Vierbeiner sein Maul nicht weit öffnen und nimmt weniger Wasser auf. Ebenso solltet ihr das Tauchen nach Spielzeugen vermeiden. Zur Sicherheit solltet ihr zudem beim Baden mit Hund Salzstangen und Salzkekse mitnehmen. Wer also gut aufpasst, dass sein Hund nicht zu viel Wasser schluckt, kann tolle Tage am Badesee mit Hund verbringen!

War euch das Risiko einer Wasservergiftung bekannt oder habt ihr gar schon Erfahrungen damit machen müssen? Erzählt uns mehr in den Kommentaren! 

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