02.03.2023

Kastration beim Hund

Ablauf, Vorteile und Nachteile

Hat euer Hund ungehorsames Verhalten, markiert er ständig Gegenstände in der Umgebung, wird er ganz wild in der Nähe von einer Hündin und reitet er auf anderen Hunden auf? Das sind alles Merkmale, dass ihr über eine Kastration nachdenken solltet. Bei einer Kastration werden die Geschlechtsorgane (Eierstöcke oder Hoden) bei Rüden und Hündinnen entfernt. Tierärzte führen die Kastration beim Hund mittlerweile als Routineeingriff immer häufiger durch. Doch wie sinnvoll ist die Kastration eines Rüden oder einer Hündin wirklich? In unserem Artikel erfahrt ihr alles rund um das Thema Kastration beim Hund.

Kastration bei Hündinnen und Rüden – wo liegt der Unterschied?

Der wohl offensichtlichste Unterschied bei der Kastration von Rüden und Hündinnen besteht darin, dass Tierärzte bei Rüden die Hoden entfernen und bei Hündinnen die Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter und der Muttermund entfernen. Bei Hündinnen ist eine Kastration also ein tiefgreifender Eingriff.

Wie läuft eine Kastration ab?

Die Kastration läuft unter Vollnarkose ab und ist ein operativer Eingriff. Bevor eine Kastration durchgeführt wird, wird der Hund gründlich untersucht (z. B. auf Parasitenbefall) und wird nur dann operiert, wenn er komplett gesund ist.

Bei einer Kastration des Rüden rasiert der Tierarzt zuerst den Intimbereich, deckt ihn steril ab und desinfiziert ihn. Danach entfernt er die Hoden mit einem Skalpell aus dem Hodensack.  Der Samenstrang, an dem der Hoden hängt, wird während dem Entfernen abgebunden. Anschließend wird der Samenstrang wieder freigegeben und der Hodensack vernäht.

Die Kastration der Hündin erfordert einen weitaus tieferen Eingriff, da der Tierarzt den Bauch der Hündin öffnen muss. Die Bauchregion wird mit einem Skalpell vom Bauchnabel bis über die Unterbauchlänge aufgeschnitten. Eierstöcke werden durchgeschnitten und mit einem resorbierbaren Faden vernäht. Meistens entfernt der Tierarzt noch den Uterus und verschließt und vernäht dann die Bauchdecke.

Nach der Kastration dauert es ca. ein bis zwei Stunden, bis der Hund aus der Narkose wieder erwacht. Ihr solltet euren Hund nach dem Eingriff erstmal nicht alleine lassen und eurem Hund nach ärztlicher Anweisung ein Schmerzmittel verabreichen.

Sterilisation beim Hund

Viele Hundebesitzer nennen Kastration und Sterilisation synonym. Doch das ist nicht richtig! Bei der Kastration entfernt der Tierarzt die Sexualorgane (Hoden, Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter), die Hormone produzieren. Bei der Sterilisation werden lediglich die keimableitenden Wege (Samenleiter, Eileiter) durchtrennt. Sowohl Kastration als auch Sterilisation führen die Empfängnisverhütung herbei. Für beide Eingriffe ist eine Vollnarkose notwendig.

Hunde kastrieren per Chip

Eine Kastration beim Hund muss nicht immer ein operativer Eingriff sein. Alternativ kann die Kastration auch mit einem sogenannten Suprelorin-Chip durchgeführt werden. Der Chip beruhigt den Rüden hormonell und macht ihn vorübergehend unfruchtbar. Der Chip wirkt nach ungefähr sechs Wochen und hält bis zu 12 Monate an. Danach ist der Hund wieder vollständig fortpflanzungsfähig.

Was sollte ich nach der Kastration meines Hundes beachten?

Nach der OP ist die Genesung des Hundes von oberster Priorität. In den ersten Tagen geht es vor allem um die Schmerzlinderung und den komplikationsfreien Wundheilungsprozess. Zu diesem Zweck solltest du Schmerzmittel geben (Ausnahme: Diese wurden im Anschluss an die Kastration bereits für die kommenden 48 Stunden injiziert) und die Wunde regelmäßig auf Auffälligkeiten kontrollieren. Damit die Naht gut verheilt, darf sie nicht mit schädlichen Bakterien in Berührung kommen. Halte deinen Hund mit einer Halskrause oder Hundekleidung von der Wunde fern, sodass er nicht dran lecken kann.

Bewegungen kann es zwar geben, aber nur gemäßigt und eingeschränkt. Kein wildes Toben und vor allem kein Springen. Die gewählten Bewegungen dürfen die Naht nicht dehnen oder die Wunde in sonstiger Weise strapazieren. Etwa zehn Tage nach der Kastration erfolgt ein Nachsorgetermin, bei dem der Tierarzt die äußeren Fäden entfernt. Er wird den Gesundheitszustand des Hundes beurteilen und dir auch mitteilen, inwieweit er wieder aktiv sein darf.

Warum werden Hunde kastriert?

Jeder Hundehalter, der seinen Liebling nicht zur Zucht hernehmen möchte, stellt sich früher oder später die Frage, ob er seinen Hund kastrieren soll. Doch was sind eigentlich die Gründe für eine Kastration? Es gibt viele verschiedene Gründe, warum Besitzer ihren Hund kastrieren lassen. Neben medizinischen Gründen kastrieren sie auch Hündinnen, um möglichen Krankheiten vorzubeugen.

Viele Hundebesitzer lassen ihren Hund kastrieren, um ein harmonisches Zusammenleben mit anderen Hunden zu gewährleisten oder um eine unkontrollierte Vermehrung in einem Mehrhundehaushalt zu verhindern. Zudem erhoffenden sich einige Hundehalter auch eine Verhaltensänderung ihres Lieblings durch eine Kastration. Nach dem Tierschutzgesetz § 6 Abs. 1 dürfen Hunde nur dann kastriert werden, wenn es von einem Tierarzt als Behandlungsziel angeordnet wird. Ihr könnt euren Hund also nicht rein aus Bequemlichkeit kastrieren. Zu diesen medizinischen Indikatoren zählen z. B. Erkrankungen der Geschlechtsorgane, extremes rüdenhaftes Verhalten oder wiederholte Scheinträchtigkeit.

Zudem geht eine Kastration immer mit einer Vollnarkose einher. Ihr solltet euch also im vorab gut überlegen, ob eine Kastration wirklich notwendig ist oder eher nicht.

Vor- und Nachteile der Kastration beim Hund?

Oft wird die Kastration des Hundes als schnelle Lösung für Verhaltensprobleme des Hundes oder als Vorbeugung gegen Krebs gesehen. Doch die Kastration hat eine Vielzahl an Vor- und Nachteilen für euren Liebling und sollte in jedem Fall gut überlegt sein.

Vorteile der Kastration

Die Kastration beim Hund hat zum Vorteil, dass dadurch keine Fortpflanzung mehr möglich ist. Das bedeutet, dass sich euer Rüde nicht unkontrolliert vermehren kann oder eure Hündin unvorhergesehen tragend werden kann. Zudem kann die Hündin nicht mehr läufig werden und das Phänomen der „Scheinträchtigkeit“ kann nicht mehr auftreten. Gerade die „Scheinträchtigkeit“ kann viele Probleme mit sich bringen, die durch eine Kastration verhindert werden können. Auch Rüden bleibt durch eine Kastration hormoneller Stress erspart. Zudem kann durch eine Kastration beim Hund das Risiko für Krebs der Geschlechtsorgane (z. B. Hodenkrebs, Gesäugetumore) verringert werden. Um die Wahrscheinlichkeit für einen Gesäugetumor bei einer Hündin zu reduzieren, muss man sie möglichst vor ihrer ersten Läufigkeit kastrieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass ihr unerwünschte Verhaltensweisen, wie das Urinmarkieren, durch eine Kastration verhindern könnt.

Verändert sich ein Hund nach der Kastration?

Durch eine Kastration entfernt der Tierarzt die Sexualorgane des Hundes.  Manche Verhaltensweisen werden durch Sexualhormone beeinflusst, die nach der Kastration vom Hund nicht mehr vorhanden sind. Deshalb kann es sein, dass sich euer Hund nach der Kastration verändert, es muss aber nicht zwingend sein. Die meisten Verhaltensweisen sind nämlich erlernt oder kommen durch fehlende Erziehung zum Vorschein.

Eine Kastration kann dann hilfreich sein, wenn eure Hündin während ihrer Läufigkeit vermehrt zum Streunen neigt, der Rüde im Haus zu markieren beginnt, euer Hund vermehrt jault, generell unruhig ist oder das Fressen verschmäht wird. Auch bei Hypersexualität des Rüden kann eine frühzeitige Kastration zu einer Verbesserung des Verhaltens führen.

Hundebesitzer fragen sich oft, ob eine Kastration das aggressive Verhalten ihres Vierbeiners verringern wird.  Doch hierbei ist Vorsicht geboten. Eine Kastration kann Aggressionsverhalten meistens nicht lösen. Denn dieses hat meistens mehrere Gründe. Verhält sich euer Rüde hingegen nur gegenüber anderen potenten Rüden oder mit Hündinnen aggressiv und hat kein Problem mit geschlechtsreifen und kastrierten Rüden, kann eine Kastration das Verhalten verändern.

Nachteile der Kastration

Es gibt aber auch einige unerwünschte Folgen einer Kastration. Fast 50 % der kastrierten Hunde leiden an Fettleibigkeit und den Folgekrankheiten, wie Gelenkprobleme, Hüftdysplasie, Leber- und Herzkrankheiten. Zudem kann es sein, dass sich das Wesen eures Hundes durch die fehlenden Hormone verändert. Infantiles (kindliches) Verhalten, erhöhtes Desinteresse und erhöhte Aggressivität (v.a. bei Hündinnen) sind typische Veränderungen. Hündinnen bekommen nach der Kastration manchmal ein dichteres Fell. Außerdem kann die Fellfarbe bezüglich der roten Nuancen anschließend variieren. Bei den Rüden fällt die veränderte Talgproduktion auf. Überdies können beide Geschlechter Haarausfall bekommen. Weiterhin kann es auch das Demenzrisiko erhöhen. Sexualhormone mindern die Bildung und begünstigen den Abbau demenzverursachender Eiweißablagerungen im Gehirn. Deshalb leiden kastrierte Hunde häufiger an Altersdemenz.

Wann sollten Hunde kastriert werden?

Mit Hinblick auf die Vor- und Nachteile einer Kastration beim Hund, sollte die Entscheidung zu einer Kastration gut überlegt sein. Hundehalter diskutieren das Thema Kastration auch kontrovers. Für viele ist das Ausbleiben von stark sexuellen Verhaltensweisen des Hundes ein Segen, wohingegen andere Hundehalter vor dem extremen Eingriff in den Organismus des Hundes warnen. Man kann generell nicht klar sagen, ob eine Kastration empfehlenswert ist oder nicht. Dies muss von Fall zu Fall individuell entschieden werden.  Dabei müsst ihr die Gründe für die Kastration sowie der Gesundheitszustand des Hundes berücksichtigen. Doch wer zum Wohl seines Hundes handelt und sich vorher ausreichend informiert hat, trifft bestimmt die richtige Entscheidung.

Mit welchem Alter sollte ich meinen Hund kastrieren lassen?

Kastrationen finden im Regelfall nach Abschluss der pubertären Entwicklungsphase statt. Dieser Zeitraum liegt durchschnittlich zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr. Ein kleiner Hund kommt schneller in die Pubertät als ein großes Rassetier.
Der Kastrationstermin wird nach körperlichen Kriterien gewählt. Die knöcherne Wachstumsphase und die Entstehung wichtiger neuronaler Strukturen soll bereits vollendet sein. Nur so lassen sich einschneidende Nebenwirkungen, wie körperliche Leiden und Verhaltensstörungen umgehen. Im Einzelfall kann die Kastration zu einem früheren Termin aus medizinischer Sicht notwendig sein. Zu den Gründen zählen Verhaltensauffälligkeiten oder tumoröse Erkrankungen.

Hund kastrieren: die Kosten

Die Kosten für eine Kastration hängt von den verschiedenen Maßnahmen ab, die ergriffen werden müssen und diese richten sich wiederum nach der Gebührenordnung der Tierärzte. Der erste große Preisunterschied ergibt sich je nach Geschlecht eures Hundes. Da der Eingriff bei der Hündin anspruchsvoller ist, kostet die Kastration auch mehr. Zudem ist die Größe des Hundes, wie viele Medikamente verwendet werden mussten, die Narkose, Nachbehandlung und ob es Komplikationen gab ausschlaggebend. Bei Rüden könnt ihr mit Kosten von 200 bis 350 € rechnen. Die Kastration einer Hündin ist nochmal aufwendiger und somit auch kostspieliger. Der Eingriff kann nach der neuen Gebührenordnung der Tierärzte vom November 2022 sogar bis zu 600 € kosten.

 

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