16.04.2021

Den Hund kastrieren lassen

Entscheide ich mich richtig?

Den eigenen Hund kastrieren – das gehört für viele Hundehalter ganz selbstverständlich dazu. Doch ist die Kastration tatsächlich notwendig und wie sehen die Alternativen aus? Folgender Bericht stellt alle nötigen Informationen bereit, die ihr zur Entscheidungsfindung braucht.

Welche Gründe gibt es für eine Kastration beim Hund?

Die Gründe für die Kastration können von Hund zu Hund variieren. Allein der Wunsch des Halters reicht für den Eingriff jedoch nicht aus. Das Tierschutzgesetz schreibt die Einzelfallprüfung und die Notwendigkeit der Maßnahme vor. Außerdem dürfen keine gesundheitlichen Bedenken bestehen.

In den meisten Fällen sind diese Motive für den Schritt verantwortlich:

  • Damit sich die gegengeschlechtlichen Hunde eines Rudels nicht reproduzieren.
  • Bei lästigen Verhaltensweisen, wie einem stark sexualisierten Habitus oder starker Aggression.
  • In zahlreichen Situationen besteht eine medizinische Indikation. Beispiele dafür sind Tumore an den Sexualorganen oder Tumore sowie krankhafte Veränderungen, die im Zusammenhang mit der Ausschüttung der Sexualhormone entstehen. Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet jedoch die prophylaktische Kastration.
  • Tierschutzhunde werden oft standardmäßig kastriert. Das kann den Haltungsmöglichkeiten zugutekommen (gemischte Haltung statt Einzelunterbringung) oder ethische Überzeugung sein (in Gebieten mit ausgeprägter Straßenhundpopulation).

Mit welchem Alter sollte ich meinen Hund kastrieren lassen?

Kastrationen finden im Regelfall nach Abschluss der pubertären Entwicklungsphase statt. Dieser Zeitraum liegt durchschnittlich zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr. Ein kleiner Hund kommt schneller in die Pubertät als ein großes Rassetier.

Der Kastrationstermin wird nach körperlichen Kriterien gewählt. Die knöcherne Wachstumsphase und die Entstehung wichtiger neuronaler Strukturen soll bereits vollendet sein. Nur so lassen sich einschneidende Nebenwirkungen, wie körperliche Leiden und Verhaltensstörungen umgehen. Im Einzelfall kann die Kastration zu einem früheren Termin aus medizinischer Sicht notwendig sein. Zu den Gründen zählen Verhaltensauffälligkeiten oder tumoröse Erkrankungen.

Worin liegt der Unterschied zwischen einer Kastration und einer Sterilisation beim Hund?

Sowohl Kastration als auch Sterilisation führen die Empfängnisverhütung herbei. Beide Eingriffe werden operativ unter Vollnarkose durchgeführt.

Die Unterschiede finden sich vor allem im medizinischen Vorgehen und den organischen Auswirkungen:

  • Medizinischer Unterschied: Bei der Kastration werden die Sexualorgane (Hoden, Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter) vollständig entnommen, bei der Sterilisation werden sie nur durchtrennt.
  • Organischer Unterschied: Während die Totaloperation (Kastration) aufgrund hormoneller Veränderungen zahlreiche Folgen haben kann, bleibt der Hormonspiegel bei sterilisierten Hunden gleich. Das bedeutet, dass der Rüde sein sexuelles Interesse behält und die Hündin weiterhin läufig wird.

Wie viel kann das Hunde-Kastrieren kosten?

Die Kastrationskosten hängen immer von mehreren Faktoren ab.

Der erste große Preisunterschied bezieht sich auf das Geschlecht. Weil der Eingriff bei einer Hündin weitaus anspruchsvoller ist, als bei einem männlichen Hund, zahlt der Halter für die Kastration eines weiblichen Hundes mehr. Für die Kastration eines Männchens zahlst du etwa 200 Euro und für die eines Weibchens das Doppelte, vorausgesetzt, dass du mit den Durchschnittspreisen kalkulierst. Die GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) gibt die groben Richtwerte vor, allerdings gibt es einen breiten Kostenrahmen, der unter anderem aus Aspekten wie der Schwierigkeit, der verwendeten Materialien oder der technischen Herangehensweise besteht.

Soll ich denn nun meinen Hund kastrieren lassen – Ja oder nein?

Eine Pauschalantwort auf die Frage, ob die Kastration sinnvoll ist, gibt es nicht. Vielmehr ist immer die Gesamtsituation des jeweiligen Hundes zu sehen. Bei hormonbedingtem Störverhalten und Erkrankungen oder für den garantierten Empfängnisschutz kann die Kastration ein geeignetes Mittel sein. Sofern es jedoch keine Verhaltensauffälligkeiten oder gesundheitlichen Gründe gibt, hilft genauso gut die Sterilisation. In allen Fällen, in denen durch die Kastration eine Verhaltensänderung eintreten soll, können statt der Kastration auch lösungsorientierte Trainingseinheiten zielführend sein.

Gibt es Alternativen zu einer Kastration oder Sterilisation?

Es muss nicht immer gleich die Radikalmethode sein. Neben der Sterilisation als klassische Alternative kommen noch weitere Möglichkeiten, um die Fortpflanzungsfähigkeit zu unterbinden, in Betracht:

  • Kastrationschip (Suprelorinimplantat): Dieser wird dem Rüden unter die Haut gesetzt und setzt den Wirkstoff Deslorelin frei, welche die Testosteronausschüttung reduziert. Die Wirkdauer setzt erst nach einer Weile (ca. 8 Wochen) ein und lässt nach einigen Monaten (6 bis 12) von selbst wieder nach. Das Kastrationsimplantat ist eine reversible Art, die Kastration chemisch zu simulieren und eignet sich als Vorstufe einer echten Kastration beziehungsweise als Testphase für mögliche Auswirkungen. Wie bei dem operativen Eingriff auch, sollte der Kastrationschip erst zum Einsatz kommen, wenn der Hund ausgewachsen ist.
  • Hormonspritze: Hündinnen bekommen zur Unterbrechung des Sexualzyklusses eine regelmäßige Hormoninjektion. Allerdings ist diese an enge zeitliche Vorgaben geknüpft (Mindestzeitrahmen: drei Monate nach der letzten und einen vor der darauf folgenden Läufigkeit). Zwar erübrigt sich auf diese Art die Läufigkeit, eine ungewollte Schein-/Trächtigkeit und die operative Kastrationsmethode, doch leider wirken die Nebenwirkungen schwer: Die Erkrankung an Diabetes, Gesäugetumoren und Gebärmuttervereiterung scheinen in einem direkten Zusammenhang mit der hormonellen Verhütungsmethode zu stehen.

Ich entscheide mih dafür, meinen Hund zu kastrieren: Welche Wesensveränderungen können danach auftreten?

Aufgrund der kastrationsbedingten Hormonumstellung kann es bei den betroffenen Hunden zu einer Wesensänderung kommen. Diese verlaufen aber nicht immer so, wie von ihren Haltern angestrebt. Damit die OP hinsichtlich einem Verhaltensproblem Erfolg verspricht, ist es wichtig, die Ursache genau zu definieren. Sofern diese nicht mit den Sexualhormonen im Zusammenhang steht, führt die Kastration auch keine Besserung herbei. Ein Beispiel dafür ist die Hypersexualität. Diese muss nicht sexuellen Ursprungs sein, sondern kann einen Rangkonflikt, Stress oder Unterforderung signalisieren. Nur wenn das sexuelle Interesse tatsächlich der ausschlaggebende Faktor ist, tritt durch die Kastration Linderung ein.

Vergleichbar verhält es sich beim Aggressionsproblem. Aggressionen können unter anderem auf Traumata, Erziehungsfehlern oder Schlafmangel beruhen. Falls es aber eindeutig um sexuell motiviertes Konkurrenzverhalten geht, kann die Kastration hilfreich sein. Eine zuverlässige Lösung ist der Eingriff aber nicht, weil parallel dazu manches Mal ein neues Aggressionsproblem entsteht. Rüden neigen aufgrund der veränderten Hormonsteuerung zur vermehrten Schutzaggression. Aber auch der Kampf ums Futter oder die Angst vor dem Alleinsein kann sich intensivieren. Einige Hundehalter bemängeln zudem die gesteigerte Jagdleidenschaft.

Die Kastration wirkt sich auf den Stoffwechsel und das Hungergefühl des Hundes aus. Während der Appetit steigt, geht der Bedarf an Futtermitteln zurück, der Hund kann träge wirken und antriebslos erscheinen. Aus diesem Grunde nehmen viele Hunde an Körpermasse zu, sofern der Halter nicht mit einer Futteranpassung reagiert. Hündinnen stellen durch den operativen Eingriff Störverhalten, wie Ausbruchsversuche, die temporäre Stubenunreinheit oder übermäßige Lautäußerungen ein. Allerdings nehmen durch den Östrogenabfall typisch männliche Gebaren, wie die Territorialverteidigung oder ruppige Verhaltensweisen zu.

Welche Nebenwirkungen kann mein Hund durch eine Kastration bekommen?

Neben den üblichen Risikofaktoren, die es bei körperlichen Eingriffen gibt (Wundheilungsstörungen etc.) treten bei der Kastration gelegentlich weitere Nebenwirkungen auf:

  • Inkontinenz: Besonders Hündinnen setzen nach der erfolgten Kastration Urin ab, ohne diesen Vorgang kontrollieren zu können. Zur Risikogruppe zählen Hündinnen mit einem hohen Körpergewicht. Außerdem besteht bei bestimmten Hunderassen (Dobermänner, Rottweiler, Boxer, Riesenschnauzer) eine erhöhte Anfälligkeit für ein Inkontinenzproblem.
  • Tumorbildung: Die Kastration kann das Risiko der Entstehung bestimmter Tumorarten erhöhen. Bei den Männchen treten häufig krankhafte Veränderungen an der Prostata auf, die Weibchen haben mit Tumoren am After und am Schließmuskel zu tun. Außerdem kann es zur Geschwulstbildung an Organen (Herz oder Milz) und den Knochen kommen.
  • Motorik: Die Sexualhormone erfüllen im Körper nicht nur die Fortpflanzungs-, sondern auch eine wichtige Zweitfunktion. Sie wirken nämlich an der Belastbarkeit des Bindegewebes und der Beweglichkeit mit. Deshalb stellen sich bei kastrierten Hunden vergleichsweise oft Gelenkschäden, die Muskelreduktion und eine Bindegewebsschwäche ein. Aufgrund dessen steigt das Verletzungsrisiko, vor allem bei Tieren, bei denen schon von Geburt an eine körperliche Fehlbildung besteht.
  • Fell: Hündinnen bekommen nach der Kastration manchmal ein dichteres Fell. Außerdem kann die Fellfarbe bezüglich der roten Nuancen anschließend variieren. Bei den Rüden fällt die veränderte Talgproduktion auf. Überdies können beide Geschlechter Haarausfall bekommen.
  • Gewichtsveränderung: Durch die Kastration mindert sich der Energiebedarf. Demgegenüber steigt der Appetit. Deshalb kommt es zu einer Gewichtszunahme, sofern die tägliche Futterroutine die gleiche bleibt. Bei übergewichtigen Hunden stellen sich auf lange Sicht verschiedene Folgeerscheinungen, wie zum Beispiel Diabetes, Verdauungsstörungen oder ein verführtes Ableben ein.
  • Demenz: Sexualhormone mindern die Bildung und begünstigen den Abbau demenzverursachender Eiweißablagerungen im Gehirn. Deshalb leiden kastrierte Hunde häufiger an Altersdemenz.

Was sollte ich nach der Kastration meines Hundes beachten?

Nach der OP ist die Genesung des Hundes von oberster Priorität. In den ersten Tagen geht es vor allem um die Schmerzlinderung und den komplikationsfreien Wundheilungsprozess. Zu diesem Zweck solltest du Schmerzmittel geben (Ausnahme: Diese wurden im Anschluss an die Kastration bereits für die kommenden 48 Stunden injiziert) und die Wunde regelmäßig auf Auffälligkeiten kontrollieren. Damit die Naht gut verheilt, darf sie nicht mit schädlichen Bakterien in Berührung kommen. Halte deinen Hund mit einer Halskrause oder Hundekleidung von der Wunde fern, sodass er nicht dran lecken kann.

Bewegungen kann es zwar geben, aber nur gemäßigt und eingeschränkt. Kein wildes Toben und vor allem kein Springen. Die gewählten Bewegungen dürfen die Naht nicht dehnen oder die Wunde in sonstiger Weise strapazieren. Etwa zehn Tage nach der Kastration erfolgt ein Nachsorgetermin, bei dem der Tierarzt die äußeren Fäden entfernt. Er wird den Gesundheitszustand des Hundes beurteilen und dir auch mitteilen, inwieweit er wieder aktiv sein darf.

Habt ihr euren Hund kastrieren lassen oder nicht? Berichtet uns in den Kommentaren von euren Erfahrungen!

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