26.07.2021

Epileptischer Anfall beim Hund

So könnt ihr helfen

Der erste epileptische Anfall beim Hund ist eine Schockerfahrung. Doch zum Glück gibt es verschiedene Möglichkeiten, um dem nächsten Anfall vorzubeugen und gut auf ihn vorbereitet zu sein. Wir erklären euch, woran ihr erkennt, dass euer Hund an Epilepsie leidet und wie ihr am besten auf Krämpfe reagiert.

Epilepsie bei Hunden – welche Formen gibt es?

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung. Bei einem epileptischen Anfall wird das Gehirn des Hundes überstimuliert und sendet deshalb krankhafte Impulse aus. Der klassische Anfall äußert sich in einem Krampf.

Grundsätzlich unterteilt man die Epilepsie in zwei Kategorien:

  1. Die primäre Epilepsie ist eine angeborene Erkrankung während
  2. die sekundäre Epilepsie an andere Ursachen (u. a. Stoffwechselstörungen) gebunden ist.

Epileptische Anfälle treten in verschiedenen Erscheinungsbildern auf. Während einige Hunde desorientiert sind, Wahrnehmungsstörungen haben oder einzelne Bewegungsabläufe wiederholen, haben andere einen Krampf, der sich auf einzelne Körperteile beschränkt oder den ganzen Körper in Anspruch nehmen kann. Manche Hunde können ihren Blick nicht fokussieren und verrichten währenddessen ihr Geschäft. Im Anschluss an solch einen Anfall folgt eine Phase der Regeneration.

Epileptische Erkrankungen lassen sich in verschiedene Formen unterteilen:

Idiopathische Epilepsie

Die idiopathische (auch primäre) Epilepsie tritt am häufigsten auf. Das Besondere ist, dass die Erkrankung auf keine erkenntliche Ursache zurückzuführen ist. Den betroffenen Hunden geht es, abgesehen von den Krämpfen, rundum gut. Weil es keinen konkreten Auslöser gibt, ist von einer genetischen Veranlagung auszugehen. Die Anfälle werden dann durch in- und externe Faktoren (Beispiel: Infekt oder flackerndes Licht) geweckt.

Fokale Epilepsie bei Hunden

Eine fokale (auch partielle) Epilepsie, betrifft nicht das ganze Gehirn (wie bei der sogenannten generalisierten Epilepsie), sondern nur einen kleinen Teilbereich. Je nachdem, welche Körperfunktionen das Areal steuert, treten unterschiedliche Symptome auf (Zuckungen, Krämpfe, Stereotypien). Da diese sehr unterschiedlich ausfallen können, wird die Epilepsie nicht immer als solche erkannt.

Wieso euer Hund epileptische Anfälle haben könnte

Epilepsie wird unter all den anderen neurologischen Krankheiten am häufigsten diagnostiziert. Da die Symptome, in Abhängigkeit zur Erkrankungsform, aber stark variieren, wird die Epilepsie nicht immer gleich erkannt. Diese Anzeichen sind jedoch ein erster Hinweis darauf, dass euer Hund an Epilepsie leidet oder einen akuten Anfall hat:

Verhalten: Der Hund spürt die körperliche Veränderung und reagiert mit Unruhe oder Angst.

Krämpfe: Bei einem generalisierten Anfall, der den ganzen Körper des Hundes betrifft, liegt dieser auf der Seite, streckt sich durch und rudert mit den Beinen durch die Luft. Er reagiert nicht mehr auf seinen Namen und kann seinen Halter nicht mehr sehen. Die Pupillen sind geweitet und er sondert große Mengen Speichel ab. Außerdem uriniert und kotet er sich ein.
Bei einem fokalen Anfall zucken nur einzelne Körperpartien. Der Hund kann einen verwirrten Eindruck machen, bestimmte Bewegungen in Dauerschleife wiederholen, ängstlich wirken, bellen, schnappen und schreien. Er verliert im Gegensatz zum generalisierten Anfall aber nicht das Bewusstsein und bleibt durchgehend ansprechbar.

Viele Hunde haben ihren ersten Krampf zwischen dem ersten und dem fünften Lebensjahr. Die meisten Anfälle sind nach zwei bis fünf Minuten wieder vorbei.

Epilepsie beim Hund – so entsteht sie

Die Epilepsie bei Hunden kann auf verschiedene Weise entstehen. Die primäre/idiopathische Epilepsie wird vererbt. Aus diesem Grunde werden erkrankte Hunde auch nicht zur Zucht eingesetzt. Betroffene Hunde leiden unter überempfindlichen Nervenzellen, was dazu führt, dass sie leicht erregbar sind. Einige Rassen (Beispiel: Golden Retriever, Labrador Retriever, Boxer, Deutscher Schäferhund) sind für die idiopathische Epilepsie prädisponiert.

Die sekundäre Epilepsie geht auf physische Schäden folgender Art zurück:

  • Organerkrankungen
  • Infektionen
  • Vergiftungen
  • Unterzuckerung
  • Gehirnerkrankungen
  • Verletzungen
  • Behinderungen
  • Tumore
  • Traumata
  • Alterung
  • Dysbalancierter Wasser- und Salzgehalt

Tipps gegen Epilepsie bei Hunden

Falls euer Hund akut von Epilepsie betroffen ist, könnt ihr Folgendes für ihn tun:

  1. Versucht eure Emotionen zu unterdrücken, damit ihr handlungsfähig bleibt und rational entscheiden könnt.
  2. Schreibt auf, wie lange der Anfall dauert und versucht euch die Besonderheiten einzuprägen oder ein Video mit dem Handy aufzunehmen.
  3. Achtet darauf, dass sich der Hund nicht verletzen kann. Ihr solltet gefährliche Gegenstände aus seiner Reichweite entfernen und riskante Zugänge (beispielsweise eine Treppe, die er hinabstürzen könnte) blockieren.
  4. Auch wenn es schwerfällt, dem Hund in seiner hilflosen Lage zuzusehen, solltet ihr nicht versuchen, ihm orale Medikamente zu verabreichen oder seinen Körper (insbesondere das Maul) zu fixieren. Wenn er unkontrolliert um sich tritt oder beißt, kann es auf beiden Seiten zu schweren Verletzungen kommen. Der Selbstschutz hat äußerste Priorität.
  5. Falls der Hund seinen ersten Anfall hatte, der Anfall besonders lang (ab einer Dauer von mehr als fünf Minuten spricht man vom Status epilepticus – der Hund schwebt in Lebensgefahr!) oder schwerwiegend oder es zu einer ganzen Reihe von Anfällen (sogenannte Cluster-Anfälle) kommt, solltet ihr umgehend den Tierarzt kontaktieren. Sofern ihr jedoch bereits Erfahrung mit dieser Art von Vorfall habt, muss der Besuch beim Tierarzt nicht zwingend sein.
  6. Für den Fall, dass euch der Tierarzt für einen Notfall wie diesen bereits Medikamente verordnet hat, solltet ihr euch an den Vorgaben des Arztes (Dosierung, Darreichungsform, Zeitpunkt der Medikamentenvergabe, Behandlungsdauer) orientieren. Es ist wichtig, dass alle Familienmitglieder über den Notfallplan im Bilde sind, um in der Lage zu sein, unterstützend zu agieren.
  7. Gebt eurem Hund Zeit, sich von dem epileptischen Anfall zu erholen. Es kann sein, dass bis zur vollständigen Regeneration einige Stunden Zeit vergehen.

Die Epilepsie des Hundes ist eine chronische Erkrankung, die sich im Laufe des Lebens zwar reduzieren, aber auch unerwartet wieder auftreten kann. Deshalb ist es wichtig, den Anweisungen des Arztes strikt zu folgen und den Gesundheitszustand des Hundes in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.

So ernährt ihr euren Hund mit Epilepsie

Wie bei den Menschen wird auch bei an Epilepsie leidenden Hunden eine kohlenhydratreduzierte Ernährung empfohlen. Stattdessen werden Fette und hochwertiges Fleisch oder Fisch konsumiert. Diese Lebensweise ist zwar keine Heilmethode, hat auf die Epilepsie aber einen mildernden Effekt. Einige Futtermittelhersteller bieten für betroffene Hunde Spezialfutter an. Dieses ist getreidefrei und enthält keine Kartoffeln und keinen Reis. Dafür ist der Fleischanteil erhöht.

Medikamente gegen Epilepsie bei Hunden

Wenn euer Hund nur ein einziges Mal krampft oder die epileptischen Anfälle in sehr großen Abständen hat, müsst ihr ihn nicht zwangsläufig medizinisch therapieren. Ihr solltet ihn aber unbedingt untersuchen lassen und die Meinung eines Veterinärs einholen, schließlich besteht auch die Möglichkeit, dass sich die Anfälle intensivieren.

Falls euer Hund regelmäßig unter Anfällen leidet, die Krämpfe stark sind und lange dauern, verschreibt der Tierarzt wahrscheinlich Antiepileptika. Es kann einige Wochen dauern, bis sich die vollständige Wirkung zeigt. Antiepileptika enthalten einen oder mehrere Wirkstoffe und zielen darauf ab, die Häufigkeit, die Dauer und die Schwere der Anfälle reduzieren. Vollständig heilen können sie den Hund leider nicht. Sie sind aber dazu geeignet, partielle Erfolge zu erwirken und die Lebensqualität des Hundes zu erhöhen, indem die neuronale Reizempfindlichkeit gedrosselt wird.

Wichtig ist, dass ihr den Therapieplan ganz genau befolgt und euren Hund engmaschig untersuchen lasst. Ihr solltet euch stets an die Absprachen mit dem Tierarzt halten und auch nach einer anfallsfreien Zeit die Dosis der Medikamente nicht eigenmächtig reduzieren. Bei einer sekundären Epilepsie wird außerdem die Hauptursache therapiert. Da es zahlreiche Entstehungsgründe gibt, können auch die Behandlungsmethoden stark variieren.

Habt ihr Erfahrungen mit epileptischen Anfällen bei Hunden? Wie habt ihr dem Vierbeiner geholfen? Wir freuen uns über eure Ratschläge und Tipps in den Kommentaren!

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