05.07.2021

Hunde werden oft geklaut

So schützt ihr euch vor Hundediebstahl

Der eigene Hund geklaut – das ist wohl das schlimmste Szenario, das man sich als Hundehalter vorstellen kann. Und doch kommt der Diebstahl von Hunden tagtäglich vor.

Wir erklären euch, wie ihr eine Gefahrensituation erkennt, welche präventiven Schutzmöglichkeiten es gibt und wie ihr am besten auf einen Diebstahl reagiert.

Vorsicht vor Hundediebstahl

Weil nicht jeder Diebstahl zur Anzeige gelangt, weiß niemand, wie viele gestohlene Hunde es tatsächlich gibt. Es ist aber davon auszugehen, dass täglich mindestens ein Hund abhandenkommt.

Die Täter haben mit den Hunden verschiedene Dinge vor:

  • Meistens geht es um den Verkauf oder die exzessive Zucht (in sogenannten Vermehrerstationen).
  • Einige Tiere landen aber auch in Versuchslaboren oder in der Pelzindustrie.
  • Wieder andere suchen nach einem kostenlosen Hund für sich selbst oder entführen ihn, um vom Eigentümer einen Finderlohn zu erzwingen.
  • Ein weiterer Teil der Hunde wird in Hundekämpfen eingesetzt oder kommt durch anderweitige Praktiken um.

Weil die Zucht und der Weiterverkauf an erster Stelle stehen, werden hauptsächlich vermeintlich reinrassige oder trendige Tiere (Beispiel: Merle-Hunde) gestohlen.

Leider halten die geringen Strafen die Täter nicht von ihrem Vorhaben ab. Viele von ihnen arbeiten in einem organisierten System, das ihre Taten gemeinschaftlich vertuscht.

In der Pandemie werden viele Hunde geklaut – wie kommt das?

In Zeiten der Pandemie haben viele Menschen ihren Job verloren. Freizeitaktivitäten und soziale Zusammenkünfte finden zwar noch statt, aber in regulierter und abgespeckter Form. Ein Hund scheint für die Betroffenen der ideale Ausgleich zu den zahlreichen Beschränkungen zu sein, weshalb seit dem ersten Lockdown von einem regelrechten Haustierboom die Rede ist (die Zahl der Hundebesitzer stieg seit dem Ausbruch der Pandemie um 25 %).

Die Hundediebe sehen in der immensen Nachfrage nach Hunden ein lohnendes Geschäft, denn Züchter haben lange Wartelisten und die örtlichen Tierheime sind phasenweise sogar leer. Um die Nachfrage zu decken, steigen die Diebstahlfälle seit 2020 in signifikanter Weise an. Die Hunde werden gezielt gestohlen und an ihre unwissenden Käufer weiterverkauft.

Besonders viele Hundediebe in Großstädten

In Großstädten ist das Verlustrisiko besonders groß, weil die Anonymität dem Täter Schutz gewährt. Bei Hunden, die sich nicht gegen den Diebstahl wehren, haben die kriminellen Banden besonders leichtes Spiel, weil sie bereits nach wenigen Sekunden an einen sicheren Ort verschwunden sind und auf dem Weg dahin niemand etwas Auffälliges bemerkt. In ländlichen Gegenden, in denen sich die Nachbarn kennen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass jemand etwas mitbekommt. Fremde Autos, unbekannte Personen und das Abhandenkommen fallen in spärlich besiedelten Zonen eher auf, was aber nicht heißt, dass die Risiken eines Diebstahls dort zu unterschätzen sind.

Tipps um ihren Hund vor Diebstahl zu schützen

Obwohl es immer wieder Unterschriftenaktionen gegen den illegalen Welpenhandel und die Forderung nach einer gesetzlichen Verifizierungspflicht für Züchter gibt, hat die deutsche Regierung bislang noch nicht in angemessener Weise darauf reagiert. Glücklicherweise könnt ihr die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls auch ohne staatliche Unterstützung erheblich reduzieren:

Kennzeichnung: Das Tier sollte gekennzeichnet sein. Am besten eignet sich ein Chip unter der Haut, da skrupellose Täter nicht davor zurückschrecken, alle äußeren Merkmale (beispielsweise Ohrtätowierungen) zu entfernen. Aber Achtung: Auch die Kennzeichnung mit einem Transponder bietet keinen 100%igen Schutz!

Registrierung: Ihr solltet den Hund mit der dazugehörenden Chipnummer bei TASSO oder FINDEFIX registrieren. Beide Haustierregister haben sich auf die Suche verlorener Haustiere spezialisiert. Achtet darauf, eure Daten stets zu aktualisieren, damit man euch beim Fund des Hundes auch kontaktieren kann.

Aufsicht: Der Hund sollte außerhalb der Wohnung nicht alleine sein. Diese Regel hat oberste Priorität und bezieht sich sowohl auf den privaten Garten, das eigene Auto als auch auf das Anleinen vor einem Geschäft. Wägt ab, ob ihr auch innerhalb der Wohnung Sicherheitsvorkehrungen ergreifen wollt. Die Möglichkeiten reichen von einer Querverriegelung an der Tür bis hin zu einem ausgefeilten Sicherheitssystem.

Erziehung: Der Hund sollte schon früh lernen, dass es für die Kontaktaufnahme mit Fremden einer Erlaubnis eurerseits bedarf. Wenn er von fremden Personen keine Snacks annimmt und sich instinktiv von ihnen distanziert, wird er auch nicht freiwillig mit ihnen gehen. Allerdings ist es für den Hund eine große Herausforderung, sowohl reserviert als auch sozial zu sein. Ihr könnt statt der klassischen Signalworte (u. a. „Sitz“ und „Komm“) aber beispielsweise Phantasiebezeichnungen nutzen, die bei anderen nicht funktionieren. Streichelverbote sind eine weitere Möglichkeit, den Kontakt mit Außenstehenden zu kontrollieren. Kuscheleinheiten mit Fremden sollten nur in eurer Anwesenheit erfolgen und nur, wenn ihr das ausdrücklich erlaubt. Außerdem ist der sichere Rückruf oder das Notfallsignal ein praktisches Tool. Wenn der Hund noch in Sicht- oder Hörweite ist, habt ihr damit die Möglichkeit, ihn zu euch zurückzuholen.

Schutzausrüstung: Falls ihr mit eurem Hund Aktivitäten im Freien unternehmt und es zu unbeobachteten Momenten kommen kann (Beispiel: Nach einer langen Wanderung seht ihr einen Kiosk und beschließt, dort frisches Wasser oder einen Snack zu holen), solltet ihr entweder in Begleitung sein oder euren Hund mit einer Schutzleine (diese haben an beiden Enden ein Schloss) versehen. Doch auch in diesem Falle ist es besser, vor Antritt des Ausflugs bereits mit allen wichtigen Dingen ausgestattet zu sein.
Übrigens: GPS-Tracker sind kein tauglicher Diebstahlschutz. Da sie gut sichtbar sind, werden sie von den Tätern innerhalb kürzester Zeit entfernt.

Ihr Hund wurde gestohlen – was nun?

Kaum ein Tag vergeht, an dem kein Hund gestohlen wird. Für die Entführung reicht ein winziger Augenblick. Der Diebstahl des eigenen Hundes ist also ein realistisches Szenario, dass euch eines Tages unmittelbar betreffen kann.

Diese Dinge könnt ihr bei Verlust des Hundes tun:

Anlaufstellen: Kontaktiert TASSO, FINDEFIX, den Tierschutz, Tierheime, den örtlichen Förster und Jagdverein und die Polizei. Es ist auch wichtig, andere Hundehalter in eurem Wohngebiet über die dortigen Vorkommnisse zu informieren. Das hat den zweiseitigen Effekt, dass diese nach dem vermissten Hund suchen können und bezüglich ihres eigenen Hundes aufmerksamer sind.

Steckbrief: Ihr sollten den Verlust eures Hundes sowohl online (TASSO und FINDEFIX, Hundeforen, Facebookgruppen etc.) als auch offline (Plakat am Schwarzen Bett, in Geschäften, beim Tierheim, an Bushaltestellen, Zeitungsannonce usw.) publizieren. Diese Angaben sollten auf dem Steckbrief enthalten sein:

  • Bild des Hundes
  • Beschreibung etwaiger Besonderheiten
  • Größenangabe
  • Rufname
  • Tatort und -tag
  • Telefonnummer

Suche: Geht selbst auf die Suche und versucht die Suchaktion durch die Zuhilfenahme strategischer Helfer (Personen mit Reichweite: Taxi- und Busfahrer, Suchaufrufe im Internet) sinnvoll auszudehnen.

Internet: Behaltet die gängigen Onlineverkaufsportale im Blick. Vielleicht steht der gestohlene Hund dort einige Tage später zum Verkauf. Gebt euch als Interessent aus (nutzt sicherheitshalber ein Pseudonym, damit der Verkäufer keine Rückschlüsse zur Vermisstenanzeige ziehen kann) und versucht ein Treffen zu arrangieren. Wichtig ist, keinen Druck aufzubauen und nicht zu erwähnen, dass ihr der Eigentümer seid. Der Verkäufer muss euch vollkommen vertrauen. Wenn es zur Übergabe kommt, sollten aber einige Polizeibeamte zugegen sein.

Musstet ihr schon Erfahrungen mit Hundediebstahl machen? Habt ihr euren Hund wiederbekommen? Wir sind gespannt auf eure Geschichten und Erfahrungen in den Kommentaren!

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