24.07.2021

Ängstlicher Hund

Das kannst du tun!

Wenn ein Hund Angst vor neuen Situationen oder erschreckenden Geräuschen hat, könnt Ihr dies zunächst als einen Schutzmechanismus ansehen, der das Überleben in der Natur sichert. Falls jedoch mehr als kurzfristiges Erschrecken auftritt und euer Hund Angst in normalen Alltagssituationen hat, kann sich euer Zusammenleben schwierig gestalten. Der folgende Ratgeber zeigt wertvolle Tipps und Anregungen auf, wie euer Vierbeiner entspannt durchs Leben geht.

Hund hat Angst – das sind die Symptome

Ist euer Hund ängstlich und schreckhaft, fallen diese Verhaltensweisen oftmals erst im Kontakt mit anderen Hunden auf. Während andere Vierbeiner freundlich und unbeschwert aufeinander zulaufen, bleibt ein ängstlicher Hund ganz nahe am Bein seines Menschen oder reagiert stark verunsichert und nervös. Ruhige Vertreter brauchen eine längere Zeit, um auf der Hundewiese mit zurennen und Vertrauen aufzubauen. Ein Hund hat Angst vor Menschen, da sehr wahrscheinlich negative Dinge in seiner Vergangenheit passiert sind. Auch sehr verbreitet ist die Angst vor dem Alleinsein und Dunkelheit.

Ein ängstlicher Hund äußert sich durch eindeutige Körpersprache und gibt in seinen Stress ungewohnte Laute von sich. Diese Symptome treten bei allen Rassen und in allen Altersklassen auf:

  • Angespannte Muskulatur, möglicherweise begleitet von Zittern
  • Jaulen, Winseln, Knurren, Heulen oder hysterisches Kläffen
  • Unruhiges Umherlaufen bis zur Hyperaktivität oder Erstarren (Vor Schreck wie gelähmt sein!)
  • Sabbern, ums Maul lecken oder ein trockenes Maul
  • Schlitzförmig zusammengekniffene Augen und zurückgelegte Ohren
  • Nach hinten gezogene Lefzen bei fest verschlossenem Maul
  • Verschwitzte Pfoten, Herzklopfen, Hecheln und weit aufgerissene Augen, wo ihr das Weiße sehen könnt

Unter größtem Stress setzt euer Hund unkontrolliert Urin oder Kot ab, auch Erbrechen kann vorkommen – bitte nicht schimpfen! Sinnvoller ist es, wenn ihr euch in Geduld fasst, um dem Hund die Angst zu nehmen. Dazu ist Ursachenforschung nötig.

Eure Hunde haben Angst? Das sind die Ursachen

Ein ängstlicher Hund kommt unbeschwert wie alle anderen Welpen auf die Welt. Doch bestimmte Ereignisse formen den Charakter und andere Verhaltensweisen, die ihr nun erfahrt. Zum einen ist Angst eine vom vegetativen Nervensystem gesteuerte Alarmfunktion, zum anderen verknüpfen Hunde ein Ergebnis mit bestimmten Lernprozessen und Erlebnissen.

  • Falls ein Welpe zu früh von der Mutter getrennt wurde, fehlen wichtige Stufen der Sozialisierung. Das Resultat ist ein ängstlicher Hund
  • Eine gestresste Mutterhündin kann ihre eigenen Welpen über die normale Erziehung hinaus ruppig behandeln. Durch schlechte Haltung und profitgierige Hundevermehrer ist auffälliges Verhalten leider vorprogrammiert.
  • Erlernte Ängste sind die Folge traumatischer Erlebnisse einschließlich Misshandlung durch Menschen.
  • Ehrgeizige Hundehalter produzieren ängstliche Hunde durch Überforderung. Ebenso kann Nichtbeachtung, Isolation in einem Zwinger, stundenlanges Alleinsein und Unterforderung Angst bei den Vierbeinern auslösen.
  • Schmerzen in den Gelenken, Erkrankungen des Bewegungsapparates und Schilddrüsenstörungen sind weitere Ursachen, die zu Angst führen. Genetisch ‘optimierte’ Hunde als Zucht-Ziel können von Verhaltensstörungen betroffen sein. Besonders häufig beobachten Fachleute dies beim Chihuahua und Deutschem Schäferhund.

Natürlich hat auch jeder Hund seinen eigenen Charakter, der sich bereits im Wurf mit seinen Geschwistern zeigt. Aus einem eher zurückhaltendem Vertreter könnt ihr keinen K9-Alpha-Hund machen. Lässt sein ruhiges Wesen euren und seinen Alltag unberührt, bleiben gewöhnlich auch Angst-Aggressionen aus.

Wieso eure Hunde Angst vor anderen Hunden haben

Ein Hund hat Angst vor anderen Hunden aufgrund der oben genannten Beispiele. Es gibt immer wieder neue Auslöser für Verknüpfungen mit negativen Ereignissen. Vielleicht wurde euer Hund früher gebissen und im Welpenrudel auf die unteren Ränge verwiesen. So radikal muss es jedoch nicht ablaufen: Hunde übernehmen auch die Unsicherheit ihres Halters gegenüber Hunden, die beim Spazierengehen entgegenkommen. Eine sehr kurz gehaltene Leine erzeugt Aggression – sogenanntes Angstbeißen – da der Hund nicht fliehen kann. Selbst einen kleinen Hund auf den Arm zu nehmen und ausgiebig zu trösten, kann den Eindruck in der Hundepsyche verstärken, dass ihre Angst berechtigt ist.

Weshalb der Hund Angst vor Menschen hat

Vor allem ein junger Hund hat Angst vor Menschen, wenn er als neues Mitglied in eure Familie kommt. Die neue Umgebung, unbekannte Personen und fremde Gerüche können ihn zum Rückzug veranlassen. Jetzt liegt es an euch, eine vertrauensvolle Bindung aufzubauen. Auch für euch völlig uninteressante Passanten können Angstreaktionen auslösen, wenn es vom bekannten Erscheinungsbild abweicht: Personen mit Rollator, ein großer Rucksack, ein Sonnenhut oder ein automatisch öffnender Regenschirm sind eurem Vierbeiner unheimlich. Im Erwachsenenalter lässt die Schreckhaftigkeit meist nach.

Warum Hunde Angst vor euch haben können

Unser Hund hat Angst vor mir – ich bin doch seine Bezugsperson und habe ihm nichts Böses getan! So oder ähnlich passiert es in vielen Familien. Der Auslöser kann bereits ein einziges Erlebnis sein, dass sein Hundeverstand mit euch verknüpft. Ist versehentlich ein Silvesterböller neben eurem Hund hochgegangen? Oder zeigt er die Angst nur gegenüber Männern? Bewegt ihr euch ziemlich hektisch? Es ist auch möglich, dass euer Tier bei bestimmten Berührungen Schmerzen empfindet, wovon ihr nichts ahnt. Das Tier weiß nicht, dass ihr mit seinen Beschwerden nichts zu tun habt. Auch wenn sein Schmerz vorbei ist, verknüpft er eure Person mit seinem Unbehagen.

Wieso sind Hunde aus dem Ausland so ängstlich und schreckhaft?

Es ist sehr lobenswert, Vierbeiner aus dem Tierschutz zu adoptieren. Oftmals sind diese Tiere vom Leben in ständiger Angst auf der Straße und dem Aufenthalt in Tötungsstationen tief traumatisiert. Dieser Hund hat Angst vor anderen Hunden und allem Neuen. Er benötigt mindestens sechs Monate Zeit, bei euch anzukommen und Vertrauen aufzubauen. Verzichtet bei der Kommunikation bewusst auf Kommandos, Verbote, Training und die Anmeldung bei der Hundeschule, selbst das Laufen an der Leine ist eurem neuen Familienmitglied noch fremd. Kurz gesagt: Überfordert den Auslandshund nicht mit deutschen Standards in der Hundehaltung – sonst verstärkt sich seine Unsicherheit noch mehr. Irgendwann lernen ängstliche Hunde aus dem Ausland ihrem Menschen zu vertrauen. Wenn er sich sicher fühlt, ist sein Gehirn bereit zu lernen, was ihm und euch dann auch viel Spaß bereitet. Übrigens ist kein Hund zu alt, um ein neues Leben zu beginnen!

Der Hund hat Angst – so könnt ihr euren Hunden helfen

Wenn ihr euren Hund gut beobachtet und bemerkt, dass er aus Überforderung Angst bekommt, unterstützt ihn auf dem Weg, unangenehme Situationen zu bewältigen. Da jedes Tier ein Individuum ist, spricht ein ängstlicher Hund möglicherweise weniger gut auf eine Maßnahme an, die bei dem Hund eurer Bekannten super erfolgreich war. Probiert einfach verschiedene Ansätze aus und wartet ab, wie euer Liebling reagiert.

  • Kurzfristig hilft Ablenkung: Gebt eurem ängstlichen Hund einige Kommandos, die er gut beherrscht. Auch wenn ihr ihn zehn Mal Sitz und Platz machen lasst, positive Rückmeldung und Leckerlis wirken Wunder. Aktivitäten mit einem Ball oder Intelligenz-Spielzeug fordern die volle Aufmerksamkeit.
  • Neugier ist stärker als Angst: Manchen Hunden sind bestimmte Objekte unheimlich, sei es auch nur eine Fliegenklatsche. Setzt euch am besten auf den Boden und ahmt die Verhaltensweisen eines Hundes nach. Tupft mit der Hand darauf, schaut es von allen Seiten an oder schnüffelt daran. Lobt euren Hund überschwänglich, wenn er sich in die Nähe traut und schließlich lernt, dass er keine Angst zu haben braucht.
  • Beruhigende Massage: So wie Menschen eine SPA-Behandlung genießen, tun es auch ängstliche Hunde. Bei längeren Störungen, wie ein Gewitter, entspannt eine feste Massage an den bevorzugten Stellen. Wichtig ist, Druck auszuüben. Gute Erfolge erzielt auch ein ‘Thundershirt’, eine Art Hundepullover, der eng um den Körper fixiert wird.

Euer Hund hat plötzlich Angst vor Allem? Kauen hat eine beruhigende Wirkung auf jeden Hund. Ein gedrehtes Tau, ein Spielzeug zum Befüllen mit Leberwurst oder ein Naturknochen lenkt einen ängstlichen Hund sicherlich ab. Sucht dann die Ursache bei euch selbst: Hat sich im direkten Umfeld etwas verändert? Seid ihr umgezogen oder gibt es einen neuen Lebenspartner? Macht ihr den Hund mit einem Schwall an Kommandos konfus, das er nicht weis, was ihr von ihm erwartet?

Langfristig euren Hunden die Angst nehmen

Findet einen goldenen Mittelweg, indem ihr unnötige Stress-Situationen meidet und daran arbeitet, bekannte Ängste spielerisch abzubauen. Dies ist ein langer Lernprozess, der mit Geduld erfolgreich endet. Geht als leuchtendes Beispiel voran und signalisiert eurem Hund durch die eigene Körpersprache sichere Führung: Achtet auf eine gerade Körperhaltung, festen Stand und ruhige Atmung. Ein ängstlicher Hund freut sich über einen gemütlichen Rückzugsort, wie eine Box oder ein komfortables Bett. Vertrauen und Einfühlungsvermögen ist das A und O, eine glückliche, selbstbewusste Persönlichkeit aus einem ängstlichen Hund hervorzubringen. Gemeinsame Aktivitäten stärken eure Bindung. Gewachsenes Vertrauen und Rückhalt schenken einem vormals ängstlichem Hund auch gegenüber seinen Artgenossen auf der Hundewiese gesundes Selbstvertrauen und unbeschwerte Lebensfreude.

Habt ihr auch einen ängstlichen Hund? Wie geht ihr mit seiner Angst um? Wir freuen uns auf eure Tipps in den Kommentaren!

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Alle Kommentare (1)

Hanna Scotti
26.07.2021 18:31 Uhr

Mir gefällt Ihre Seite...
In den nächsten Tagen bekomme ich einen Angsthund aus dem Tierheim. Ich weiß ziemlich genau, was mich erwartet und betrachte diese Aufgabe mit Freude an der Herausforderung. Vielen Dank für Ihren newsletter
Hanna Scotti

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