Kangal Steckbrief

Der Anatolische Hirtenhund im Portrait

Der Kangal ist ein großer Hirtenhund aus der Türkei, der in seinem Heimatland als Arbeitshelfer und Statussymbol dient. Er steht außerdem als Symbol für Stärke, Mut und Stolz. Im Steckbrief erfahrt ihr alles über die Geschichte, das Wesen und die Haltung der Hunderasse.

Geschichte des Kangals

Der Kangal ist eine alte Hunderasse, die jedoch erst seit Juni 2018 offiziell anerkannt ist. Vermutlich stammen die Hunde ursprünglich von den Hirtenhunden umherziehender Nomaden ab. Besonders in Zentral- und Ostanatolien setzten Hirten die Vorfahren der heutigen Hunde schon im 12. Jahrhundert zum eigenständigen Schutz von Schafherden ein. Aufgrund ihrer enormen Größe und Kraft konnten die Hunde ihre Herde gegen Wölfe und Bären verteidigen. In der Stadt „Kangal“ gab es außerordentlich viele dieser Hunde, was der Rasse ihren heutigen Namen einbrachte. Damals hießen die Hunde allerdings Karabaş, was „schwarzer Kopf“ bedeutet.

In den 1960er Jahren gelangten die ersten Hunde nach Großbritannien, wo Liebhaber den „Anatolian Karabash Dog Club“ gründeten. Die Hunde erlangten gemeinsam mit anderen Hunderassen aus der Türkei schließlich als Anatolische Hirtenhunde erste Bekanntheit in Deutschland. Seit den 1970er Jahren ist er in der Türkei ein beliebter Diensthund bei Militär und Polizei. Im Juni 2018 erkannte die FCI den Kangal als eigenständige Rasse an. Er gehört seither in die FCI-Gruppe 2 „Pinscher und Schnauzer – Molossoide – Schweizer Sennenhunde“ in die Sektion 2.2 „Berghunde“.

Wesen und Charakter

Der Kangal ist ein loyaler Hund, der mit seiner ausgeglichenen und ruhigen Art auffällt. Da die Hunde beim Herdenschutz teilweise wochenlang auf sich gestellt waren, sind auch ihre Nachfahren sehr eigenständig und genügsam. Fremden Menschen gegenüber sind die Hunde eher distanziert bis misstrauisch. Sie zögern nicht ihre Herde oder ihre Familie gegen potenzielle Feinde zu verteidigen. Meist greifen die Wachhunde jedoch auf Drohgebärden zurück, um Eindringlinge zu verscheuchen.

Aussehen des Kangals

Der Kangal ist ein eleganter und großer Hund mit beeindruckendem Aussehen. Rüden können bis zu 81 Zentimeter groß und 65 Kilogramm schwer werden. Da die Hirten nie gezielt züchteten, entwickelte sich Größe und Gewicht rein natürlich. Die Kopfform des Hundes erinnert an einen Molosser, allerdings mit aufmerksamem und hellwachem Blick. Die mittelgroßen Ohren hängen flach anliegend, seitlich am Schädel. In Ruhestellung ist die Rute nach oben hin leicht eingerollt. Das Haarkleid der Hunde ist kurz bis halblang und dicht. Der offizielle Standard erlaubt alle Farben, wobei viele Hunde hellbraun bis hellgrau sind mit dunkelbrauner bis schwarzer Maske.

Erziehung des Welpen

Der Kangal ist kein leicht zu erziehender Hund. Er lässt sich nicht mithilfe von Härte und Gewalt unterdrücken. Der Hund will als gleichwertiger Partner angesehen werden. Die Erziehung funktioniert daher nur mit gegenseitigem Vertrauen. Ebenso sind Feingefühl und Konsequenz gefragt. Auch ein gut erzogener Vertreter der Rasse behält seine Eigenständigkeit ein Leben lang. Besonders wichtig für den großen Hund ist anfänglich eine gute Sozialisierung. Andererseits reagieren besonders Rüden häufig aggressiv auf andere Hunde. Der Besuch einer Hundeschule und der Kontakt zu Artgenossen ist mit dem Welpen folglich Pflicht.

Aktivitäten mit dem Kangal

Aufgrund seiner Größe ist der Hirtenhund nicht für herkömmlichen Hundesport geeignet. Schnelle und dauerhafte Bewegung sind schädlich für seine Gelenke. Hektische Spiele versetzen ihn in Aufregung und überfordern ihn schnell. Die beste Beschäftigung für einen Kangal ist seine herkömmliche Nutzung als Schutzhund für Schafherden. Wenn ihr ihn nicht dementsprechend auslastet, müsst ihr täglich lange Spaziergänge unternehmen. Auch ein großer, hoch umzäunter Garten zum Bewachen bereitet ihm eine Freude. Ruhige Spiele wie Nasenarbeit und Denkspiele bereiten ihm eine große Freude. In seiner Heimat dient der Kangal häufig als Wachhund und wird im Garten an einer Kette gehalten. Von einer solchen Haltung ist natürlich abzusehen, denn der Hund möchte, wie jeder andere auch, Teil der Familie sein.

Gesundheit und Pflege

Da die Zucht des Kangals niemals rein für sein Aussehen erfolgte, ist er gesundheitlich robust. Die Lebenserwartung von 12 bis 14 Jahren ist für einen Hund dieser Größe sehr hoch. Sein dichtes Fell schützt ihn vor Sonne und Frost. Er kann daher bei jedem Wetter ohne Probleme draußen sein. Da die Hunde über Jahrzehnte von Essensresten lebten, sind sie beim Futter genügsam. Dennoch solltet ihr natürlich auf eine gesunde Ernährung achten. Übergewicht ist für die großen Hunde besonders schädlich. Zudem sollten die Hirtenhunde nicht viel springen oder Treppen steigen, da die Hunde zu Gelenkproblemen, wie Arthrose, neigen.

Passt der Kangal zu mir?

Die Anschaffung eines Anatolischen Hirtenhundes sollte allein aufgrund seiner Größe gut überlegt sein. Die Haltung in einer Wohnung in der Stadt kommt für den Kangal nicht in Frage. Wer in Hessen oder Hamburg lebt, hat zudem mit dem Status als Listenhund zu kämpfen. Als Familienhund eignet er sich bedingt. Im Gegensatz zu den meisten Hunderassen, lebt der robuste Hund problemlos im Freien.

Übrigens: Tipps für die Haltung eines Hundes bekommt ihr im Magazin.

Wenn ihr euch für einen Hirtenhund entscheidet, solltet ihr euch zuerst im Tierheim umsehen. Viele Vertreter der Rasse oder Mischlinge landen nach einem unüberlegten Anschaffung nämlich dort. Wenn ihr lieber einen Welpen kaufen möchtet, solltet ihr euch einen seriösen Züchter in der Nähe suchen. Achtet darauf, dass er dem VDH angeschlossen ist und Erfahrungen mit der Zucht hat. Hier steht das Wohl der Tiere meist nicht im Vordergrund. Lasst euch nicht auf vermeintlich günstige Angebote aus dem Internet ein. Auch von Mitleidskäufen solltet ihr unbedingt absehen, um den illegalen Welpenhandel nicht zu unterstützen.

Interessantes und Wissenswertes

Leider fällt der Kangal in Deutschland besonders durch negative Schlagzeilen auf. Ein tödlicher Zwischenfall mit einem Vertreter der Rasse im Jahr 2017 machte die Situation für die Hunde besonders schlimm. Die Hirtenhunde haben es in den Genen eigenständig zu handeln und Schafherden auf großen Flächen zu verteidigen. In einem dicht besiedelten Land wie Deutschland sind Probleme daher fast vorprogrammiert. Die wachsamen Hunde werden aufgrund von falscher Haltung schnell als aggressiv und gefährlich verurteilt. Oft bringen unerfahrene Hundehalter sich einen Welpen aus dem Urlaub mit und sind schnell überfordert. Viele Vertreter der Rasse landen daher früher oder später im Tierheim und sind nur schwer zu vermitteln. Denk immer daran, dass der Hund durch falsche Erziehung und mangelnde Sachkunde des Halters zu einem gefährlichen Hund gemacht wird. Von Natur aus böse ist ein Vierbeiner im Allgemeinen nicht.

Ein Beispiel aus Baden-Württemberg zeigt jedoch, dass es auch anders geht. Im Tierschutzhof – im „Bannholz“ in Großeicholzheim dienen zwei junge Vertreter der Rasse als Herdenschutzhunde, die die Schafe vor Wölfen zu schützen. Die beiden machen einen großartigen Job und begegnen auch menschlichen Besuchern freundlich und schwanzwedelnd.

Ihr habt einen Kangal oder wollt euch einen zulegen? Erzählt uns in den Kommentaren, was ihn eurer Meinung nach so besonders macht!

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