09.08.2022

Die Katzenminze

Warum ein ganz bestimmtes Kraut Katzen begeistert

Zahlreiche Katzenbesitzer kennen das erstaunliche Phänomen in der Regel aus eigener Erfahrung: Während Katzen als passionierte Fleischfresser normalerweise Grünzeug aller Art ignorieren und keines Blickes würdigen, versetzt sie doch eine spezielle Pflanze häufig geradezu in Ekstase. Die Rede ist natürlich von der Echten Katzenminze (Nepeta cataria), die bei Weitem nicht nur viele Haus-, sondern auch die meisten Großkatzenarten wie etwa Jaguar, Löwe und Leopard magisch anzieht und schier willenlos zu machen scheint. Was sind nun die genauen Gründe für diese gesteigerte Euphorie vieler Felidae und Feloidea (Katzen und Katzenartigen) für ein zumindest rein äußerlich eher unscheinbares Kraut? In den folgenden Absätzen erfahrt ihr alles Bekannte und Wissenswerte über Katzenminze.

Wie sieht Katzenminze aus?

Botanisch betrachtet und genau genommen gibt es nicht nur eine, sondern bis zu ca. 250 Arten von Katzenminze (Nepeta) vorrangig in Asien, Afrika und Europa, die eine eigene Gattung innerhalb der Pflanzenfamilie der sog. Lippenblütler (Lamiaceae) bilden. Optisch sind die meisten Arten für Laien kaum auseinanderzuhalten: Es handelt sich um krautige Pflanzen mit kräftigen Stängeln sowie leicht herzförmigen und grünen bis grauen Blättern sowie röhrenförmigen Blüten in den gängigen Farben lila, rosa, blau oder weiß. Die hier primär interessierende Echte Katzenminze verfügt dabei über charakteristische viereckige Stängel, braun-grüne, grob gezahnte und dreieckige bis elliptische Blätter sowie rosa oder weiße Blüten mit zarten violetten Flecken.

Was macht Katzenminze mit Katzen?

Wie eingangs schon erwähnt, hat (Echte) Katzenminze häufig einen deutlich sichtbaren Effekt auf das Verhalten vieler, wenn auch nicht aller Katzen. Wenn Katzen die Blätter oder Stängel riechen, reiben sie sich an der Pflanze, wälzen sich auf dem Boden, scharren mit den Pfoten, lecken sie ab und kauen auf ihr herum. Wenn sie sehr oder zu viel von der Pflanze verzehren, sabbern sie, werden schläfrig, ängstlich, hüpfen herum und schnurren. Einige knurren, miauen und kratzen, knabbern oder beißen auch in die Hand, welche die Pflanze hält. Diese typischen Reaktionen sind sowohl bei den meisten Hauskatzenarten als auch bei Leoparden, Löwen und Luchsen sowie Pumas und Servalen zu beobachten. Tiger zeigen hingegen nur wenige bis keine der beschriebenen Verhaltensweisen.

Warum werden Katzen von Katzenminze „high“?

Wie weiter oben skizziert, löst der chemische Wirkstoff Nepetalacton in der Katzenminze oft spezifische Reaktionen im Gehirn der meisten Tiere aus, die sich auf einer Bandbreite von energiegeladener Euphorie bis entspannter Faulheit bewegen. Wissenschaftler hatten auch die Hypothese aufgestellt, dass die Chemikalie eine Reaktion im Vomeronasalorgan auslöst – einem zusätzlichen Geruchsorgan, das bei vielen Säugetieren (aber nicht beim Menschen) tief in der Nase sitzt und an der Erkennung von Pheromonen beteiligt ist -, was jedoch durch Experimente ausgeschlossen wurde. Wahrscheinlich imitiert Nepetalacton die Form von Pheromonen, wenn es sich an die Nasenrezeptoren bindet.

Ist Katzenminze schädlich für Katzen?

In Bezug auf potenzielle Gesundheitsgefährdung für eure Katzen müsst ihr euch bei keiner der bislang bekannten und hier genannten Arten von Katzenminzen irgendwelche Sorgen machen. Katzenminzen sind für alle an der Pflanze überhaupt interessierte Katzenrassen hundertprozentig sicher und machen die Tiere auch garantiert nicht süchtig. Katzen haben bekanntlich ein feines Gespür für Gifte jeglicher Art und meiden auch verdorbene oder für sie unverdauliche Substanzen und das sogar, wenn sie sehr hungrig sind. Die einzige Gefahr, die besteht, wenn eure Katze zu viel Katzenminze frisst, ist, dass sie eine Magenverstimmung bekommen und sich in seltenen Fällen übergeben könnte.

Wie lange darf eine Katze mit Katzenminze spielen?

Im Grunde genommen müsst ihr gar nicht darauf achten, wie lange eure Katzen mit der Pflanze spielen, denn in der Regel haben die Tiere nach ca. 15 Minuten wortwörtlich die „Nase voll“ und wenden sich ab. Zeigt die Katze hingegen sehr starkes Interesse, könnt ihr die Dauer ruhig begrenzen. Gerade bei jüngeren Katzen, für die der verführerische Duft noch völlig neu und ungewohnt ist, kann sich diese Vorgehensweise empfehlen. Auch bei schon älteren Katzen, die an den Umgang mit Katzenminze gewohnt sind, ist das Spielen etwa einmal pro Woche ratsam.

Welche Verwendung hat Katzenminze?

Außer als heute in vielfacher Form online und im Einzelhandel erhältlicher „Freizeitdroge“ zum großen Vergnügen der meisten Haus- wie Wildkatzen wurden Katzenminzen auch schon seit geraumer Zeit als robuste Zierpflanzen für den Garten angebaut. Diverse Arten ziehen nachweislich nicht nur Katzen, sondern auch Schmetterlinge an. Außerdem hat sich gezeigt, dass am besten in vollem Sonnenschein wachsende Katzenminzen auch manche Insekten wie zum Beispiel Blattläuse, Fliegen, Milben, Wanzen und Stechmücken sowie Schaben und Termiten gut abwehren. Im Mittelalter und bis in die Neuzeit wurde die Blätter als Fleischgewürz sowie Heilmittel gegen Fieber, Erkältung und Krämpfe genutzt.

Wie wirkt Katzenminze auf Menschen?

Für Menschen hat Katzenminze einen minzigen, würzigen und zitronigen Duft und Geruch, der im Garten schnell zu Verwechslungen mit den verschiedenen Minzarten führen kann. Anders als für die meisten Katzenarten schon beschrieben hat bzw. haben Katzenminzen auf Menschen jedoch keine bekannte und in der einschlägigen Fachliteratur dokumentierte euphorisierende Wirkung. Anwendung oder Einnahme wurden in der traditionellen Medizin als Aufguss, Saft, Tinktur oder Umschlag gegen Beschwerden wie Fieber, Hitzewallungen, Magenkrämpfe, Nesselsucht, Verdauungsprobleme, Nervosität sowie Zahnschmerzen empfohlen. Mit der sukzessiven Entwicklung der modernen Medizin ist ihre Verwendung jedoch nahezu vollständig in Vergessenheit geraten.

Was passiert, wenn man Katzenminze isst?

Zu früheren Zeiten und bevor die moderne Medizin effektivere Mittel und Methoden für die Behandlung aller möglichen Beschwerden bereithielt, kam Katzenminze auch bei manch menschlichen Leiden zum Einsatz. Mitunter nutzen Zeitgenossen noch heute die Pflanze und brühen aus deren Bestandteilen Tee, der gegen Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit helfen soll. Tatsächliche schlüssige wissenschaftliche Beweise für diese Wirkungen gibt es aber nicht, da Katzenminze bei manchen Menschen den Schlaf fördern kann, während sie bei anderen eine stimulierende Wirkung hat. Außerdem kann zu viel Katzenminze, genau wie bei Katzen, beim Menschen zum Erbrechen führen.

Was kann ich mit Katzenminze machen?

Wenn ihr Katzen habt, habt ihr ihnen vielleicht schon mal etwas Katzenminze gegeben und euch gefreut, wie begeistert sie auf die Gabe reagieren. Die Bestandteile der Pflanze sind frisch oder getrocknet im Handel erhältlich. Erfahrungsgemäß lieben Katzen aber vor allem frische Katzenminze ganz besonders. Ihr könnt Katzenminze für eure Lieblinge mit Samtpfoten problemlos drinnen oder draußen anbauen. Die Pflanze ist widerstandsfähig und erfordert keinen „grünen Daumen“, damit sie gut gedeiht. Im Freien ist Katzenminze nicht wählerisch, was ihre Lichtbedürfnisse angeht, aber im Topf angebaute Katzenminze braucht mindestens 5 Stunden Sonnenlicht pro Tag. Auch bei der Erde ist die Katzenminze nicht wählerisch, bevorzugt aber nährstoffreichen, lehmigen Boden, der gut durchlässig ist. Haltet die Setzlinge feucht, aber nicht nass. Schneidet die Blüten ab, um eine zweite Blüte anzuregen.

Wichtige Arten und Sorten von Katzenminze

Erstmals urkundlich Erwähnung fanden diverse Arten und Sorten von Katzenminze schon in Berichten griechischer und römischer Ärzte vor fast 2.000 Jahren. Als Heilpflanze ist die Verwendung seit dem 9. Jahrhundert belegt. Gegen Mitte bzw. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die „Sibirische Katzenminze“ (Nepeta sibirica) wegen ihrer schönen violetten Blüten als Zierpflanze in England eingeführt. Weitere wichtige Arten sind neben der bei Katzen so beliebten „Echten Katzenminze“ (Nepeta cataria) sind die bis heute als Pflanzenschmuck für den Garten populäre
• „Syrische Katzenminze“ (Nepeta curviflora)
• „Himalaya-Katzenminze“ (Nepeta govaniana)
• „Kaukasische Katzenminze“ (Nepeta grandiflora)
• „Kurzstielige Katzenminze“ (Nepeta subsessilis)
• „Zwerg-Katzenminze“ (Nepeta racemosa)

Welche Arten von Katzenminze eignen sich für Katzen?

Generell und grundsätzlich eignen sich sämtliche Arten von Katzenminze gleichermaßen als Zierpflanzen und auch tendenziell abgestuft für den Verzehr durch begierige Katzen. Größter Favorit und Klassiker auf dem Wunschzettel der „Stubentiger“ ist und bleibt jedoch wegen Ihres besonders hohen Gehalts des chemischen Naturstoffs Nepetalacton die hier mehrfach erwähnte Echte Katzenminze (Nepeta cataria). Erfahrenen Gärtnern wie auch Katzenkennern zufolge lassen hingegen die sog. Hybrid-Katzenminze (Nepeta × faassenii) sowie die Japanische, Traubige und Zitronige Katzenminze die Tiere wegen des geringen Gehalts der genannten Chemikalie vergleichsweise kalt.
Warum wirkt Katzenminze bei manchen Katzen nicht?
Auch wenn die Mehrheit aller Haus- und Wildkatzen schnell und intensiv auf Katzenminze anspricht, haben wissenschaftliche Experimente, Studien und Untersuchungen doch auch gezeigt, dass etwa ein Drittel der Katzen kaum oder gar nicht von Katzenminze beeinflusst wird. Dabei deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass Reaktion auf und Wirkung der Katzenminze erblich bedingt sind. Auch Alter und Gesundheitszustand der Tiere spielen offensichtlich eine Rolle. Die Wirkung von Katzenminze zeigt sich erst mit dem Erreichen der Geschlechtsreife ab ca. 6 Monaten. Sehr alte und/oder kranke Katzen sind zumeist an der Pflanze reichlich desinteressiert.

Was mögen Katzen an Katzenminze?

Nepetalacton, eines der ätherischen Öle der Katzenminze, gelangt in das Nasengewebe der Katze, wo es vermutlich an Proteinrezeptoren bindet, die die sensorischen Neuronen stimulieren. Diese Zellen lösen eine Reaktion in den Neuronen des „Riechkolbens“ aus, die auf mehrere Gehirnregionen projiziert werden, darunter speziell die Amygdala und der Hypothalamus, die „Hauptdrüse“ des Gehirns, die eine besondere Rolle bei der Regulierung von Hunger und Emotionen spielt. Die Amygdala integriert den Informationsfluss von den Zellen der Nase und leitet ihn an Bereiche weiter, die Verhaltensreaktionen steuern. Der Hypothalamus reguliert die neuroendokrinen Reaktionen über die Hypophyse und erzeugt eine „sexuelle Reaktion“. Das heißt, die Katze reagiert im Wesentlichen auf ein künstliches Pheromon.

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