19.05.2021

Hund frisst alles vom Boden

Warum tut er das?

Der Hund frisst alles vom Boden und lebt dadurch in einer sehr gefährlichen Welt, schließlich kann er sich auf diese Weise mit ansteckenden Krankheiten infizieren oder einem Giftanschlag zum Opfer fallen. Deshalb ist es wichtig, gezielt mit seinem Hund zu trainieren, denn im Ernstfall ist ebendieses Training ein essenzieller Überlebensschutz.

Der Welpe frisst alles, was er sieht – warum tut er das?

Für den Hundehalter, ergibt das Fressen von gefundener Nahrung einfach keinen Sinn, schließlich füttert er seinen Hund doch immer gut. Tatsächlich ist es jedoch so, dass Hunger in dieser Angelegenheit nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Dem Hund geht es eher um:

Überlebensinstinkt

Das Fressen von gefundenen Nahrungsmitteln steckt bereits im genetischen Material des Hundes. Für seine Vorfahren erhöhte sich durch Funde die Überlebenschance, besonders in Phasen, in denen sie mit der Jagd nicht sehr erfolgreich waren. Die Chance auf eine ergänzende Mahlzeit ließen sie sich nicht entgehen. Noch heute rufen unsere Hunde instinktive Überlebensstrategien ab, obgleich es in ihrer Situation an faktischem Nutzen fehlt. Im Umgang mit Tierschutzhunden kann die Verhaltensproblematik ausgeprägter sein, weil sie diese Art der Versorgung noch immer täglich praktizieren.

Fressverhalten und Appetit

Während wir Menschen unsere Nahrung, zwecks einer besseren Verdaulichkeit und Geschmacksentfaltung kauen, machen sich Hunde diese Mühe nicht. Sie zählen zu den Schlingfressern und würgen ihre Nahrung in großen Brocken hinab. Für euch als Halter, bleiben also nur wenige Sekunden Zeit, um den Vorgang effektiv zu stören. Je weiter der Hund von euch entfernt ist, desto schwieriger lässt sich das jedoch realisieren. Außerdem führt die Schlingtechnik zu einem weiteren Problem. Sie sorgt nämlich dafür, dass der Hund die giftigen Bitterstoffe erst im letzten Moment wahrnehmen kann. Oft ist es dann jedoch bereits zu spät. Gerade wenn sich der giftige Kern in einer leckeren Fleischwurst befindet, schöpft der Hund keinen Verdacht und erhält somit auch keine Gelegenheit, schützend auf die Gefahr zu reagieren.

Zudem hat es der Hund besonders schwer, das Gift an seinem Geschmack zu erkennen, weil der Hund, verglichen mit uns Menschen, deutlich weniger schmeckt. Menschen schmecken etwa fünfmal so viel und sind deshalb eher dazu in der Lage, gefährliche Geschmäcker auszumachen und sie von ungefährlichen Nahrungsmitteln zu differenzieren.

Beschäftigung

Manche Hunde wollen mit dem Fressen gefundener Objekte Langeweile kompensieren, andere heischen nach Aufmerksamkeit. Sie wissen, dass ihr Halter aufgeregt auf ihr Fressverhalten regiert und spielen diese Tatsache strategisch aus, wenn sie auf der Suche nach Zuneigung sind. Hat der Hund mit seiner Taktik Erfolg, wird er diese Methode auch in Zukunft immer wieder ausprobieren.

Der Hund frisst alles, was er findet – was tun, wenn er einen Gegenstand verschluckt?

Trotz Training und geschärftem Blick, kann es trotzdem einmal zu einem Unglück kommen. Doch was ist zu tun, wenn der Hund einen gefährlichen Gegenstand verschluckt?

Bei Erstickungsgefahr: Der Hund hat einen Fremdkörper aufgenommen, der nun seine Atemwege blockiert. Dadurch schwebt der Hund in akuter Lebensgefahr. Häufig löst ein Atemstillstand nämlich auch einen Herzstillstand aus, deshalb müsst ihr dazu in der Lage sein, beide Ausfälle zu therapieren.

So geht ihr vor:

  1. Ruhe bewahren.
  2. Den Hund mittels Leine für den Fall einer Schockreaktion kontrollieren.
  3. Falls das Herz stillsteht, hat der Herzstillstand Priorität (Herz-Lungen-Wiederbelebung).
  4. Sofern ihr noch einen Puls ertasten könnt, widmet ihr euch nun der Atemtätigkeit, indem ihr den Fremdkörper aus dem Rachenraum entfernt (kleine Hunde über Kopf halten und von rechts nach links schwingen, bei großen Hunden hilft der Heimlich-Griff).
  5. Falls der Hund nicht mehr eigenständig atmen kann, müsst ihr das mit der Mund-zu-Nase-Beatmung für ihn übernehmen.
  6. Sobald der Hund stabil genug ist, um transportiert werden zu können, müsst ihr ihn zum Tierarzt bringen. Kündigt euch dort frühzeitig telefonisch an, damit er auf eure Ankunft vorbereitet ist.

Bei einer Vergiftung: Wenn die Aufnahme der giftigen Substanz nicht beobachtet worden ist, sind die Symptome einer Vergiftung leider nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Neben blutigem Stuhl und Erbrechen geben jedoch auch Zitteranfälle und Muskelkrämpfe einen ersten Hinweis darauf, dass möglicherweise ein Giftköder konsumiert worden ist. Ihr müsst euren Hund nun auf schnellstem Wege zum Tierarzt bringen.

Je nachdem, wie lange der Vorfall zurückliegt und in welcher körperlichen Verfassung der Hund gegenwärtig ist, kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Betracht. Die wichtigsten Schritte sind das Entleeren von Magen und Darm (beispielsweise durch Brechmittel, Magen- und/oder Darmspülung), das Verabreichen eines Gegenmittels und das Stabilisieren (etwa mittels einer Infusion oder Inkubation).

Der Hund frisst draußen alles – nicht nur Giftköder sind eine Gefahr

Dass der Hund mit Neugier auf seine Umwelt reagiert, ist erst einmal ganz normal.

Nichtsdestotrotz kann dieses Verhalten gesundheitsgefährdend und sogar tödlich sein, nämlich dann, wenn er diese Dinge konsumiert:

  • Müll kann zur Darmverstopfung führen
  • Spitze Knochen, etwa eines Vogels oder einer Maus, können innere Verletzungen bewirken
  • Verwestes Fleisch kann Vergiftungserscheinungen hervorrufen
  • Nägel, Splitter und Scherben schädigen den Hund von innen schwer
  • Kot kann Parasiten und Krankheitserreger übertragen
  • Lebensmittel, die für den Hund giftig sind, wie Schokolade und einige Sorten Obst, können lebensbedrohlich sein
  • Giftköder führen vielfach zu einem qualvollen Tod

Falls die Fundaufnahme eures Hundes zwanghaft ist, kann sie auch Symptom einer Krankheit oder Mangelernährung sein. Besteht dieser Verdacht, solltet ihr mit eurem Hund zum Tierarzt gehen.

Dem Hund das Allesfressen abgewöhnen – so funktioniert es

Ihr habt verschiedene Möglichkeiten, eurem Hund das Fressen auf dem Boden liegender Dinge abzutrainieren:

Konditionierung

Bietet eurem Hund ein lohnenswertes Alternativverhalten an. Damit sich der Hund für das neue Reaktionsmuster entscheidet, muss es aus seiner Sicht interessanter als das Fundobjekt sein. Ihr tauscht den Fund also beispielsweise gegen seine Leibspeise ein oder belohnt ihn für das Liegenlassen mit seiner liebsten Aktivität. Wichtig ist, dass ihr das Fressverbot schrittweise generalisiert. Ihr startet das Training erst bei euch zuhause und steigert allmählich die Intensität, indem ihr das Gelernte auch an anderen Orten übt. Je besser der Hund die neue Tauschpraktik anwenden kann, desto attraktiver kann der einzutauschende Gegenstand sein.

Beispiel: Zu Beginn soll der Hund Trockenfutter liegen lassen. Das fällt ihm noch einigermaßen leicht. Später könnt ihr mit etwas besonders Leckerem, zum Beispiel einem Stückchen Käse trainieren, das ihr auf eurer Gassi-Route versteckt. Diese Leckerei nicht hinunterzuschlingen, wird für den Hund eine Herausforderung sein, es bereitet ihn aber optimal auf den Ernstfall (einen schmackhaft gemachten Giftköder) vor.

Den Giftköder als Feind deklarieren

Legt an einer ruhigen Stelle Futter aus und geht mit eurem Hund genau an dieser Stelle lang. Sobald der Hund den Fund entdeckt, stürmt ihr wütend darauf los. Ihr schimpft und trampelt wild auf dem Futterstück herum, vielleicht schlagt ihr auch mit einem Stock drauf ein. Der Hund muss erkennen, dass herumliegende Speisen schrecklich sind. Wichtig ist, dass die Wut an das Objekt, nicht jedoch an euren Hund gerichtet ist. Dieser wird von euch gestreichelt und gelobt. Wenn ihr einen sensiblen oder besonders ängstlichen Hund habt, solltet ihr eine andere Trainingsmethode wählen. Er könnte sonst einen tief sitzenden Schreck bekommen.

Signalarbeit

Je besser euer Hund die Grundlagen kennt, desto besser wird er auf euch hören. Kommandos wie „Nein“ und „Aus“ lassen sich außerdem super in das Giftködertraining integrieren, weil sie eine solide Grundlage sind. In Kombination mit dem Rückruf „Komm“ habt ihr eine starke Technik, um euren Hund zu kontrollieren.

Vorstehertraining

Ihr könnt eurem Hund beibringen, euch über den Fund zu informieren. Das kann durch Sichtkontakt oder eine bestimmte Körperhaltung, wie Sitz oder Platz, geschehen. Beginnt das Vorstehertraining, indem ihr eine Leckerei auf den Boden legt. Deckt das Leckerchen mit einer beschwerten Schüssel oder einem Nudelsieb ab, sodass der Hund das Futter zwar riechen, aber nicht drankommen kann. Er wird sich absetzen oder seinem Halter fragend in die Augen sehen, wenn er in seinem Versuch erfolglos bleibt. Der Moment des Absitzens oder des Blicksuchens wird belohnt, weil es das Verhalten ist, das der Hund künftig zeigen soll, wenn er auf eine ungeplante Nahrungsquelle trifft.

Selbst bei gelehrigen Hunden kann viel Zeit vergehen, bis sie Giftköder zuverlässig anzeigen oder ignorieren. Gerade bei Hunden, die ein starkes Jagdinteresse haben oder Tierschutzhunde, für die der Verzehr von Fundfressen eine feste Gewohnheit war, kommt es eventuell nie zu einem 100%igen Trainingserfolg.

Mit folgenden Kompromissen könnt ihr aber auch diesen Hunden bestimmte Freiheiten gewähren:

Sofortschutz durch den Maulkorb

Obwohl sich viele Hundehalter gegen die Verwendung von Maulkörben sperren, können sie überlebenswichtig sein. Voraussetzung ist, dass der Maulkorb gut sitzt und dass der Hund den Giftköder durch die Vergitterung hindurch nicht aufnehmen kann. Der Maulkorb darf für den Hund nicht unangenehm zu tragen sein und dessen Atmung nicht blockieren. Wichtig ist auch, dass er gut hecheln kann, um an heißen Tagen seine Körpertemperatur zu regulieren. Maulkörbe aus Stoff, die die Schnauze fest zusammenschnüren, erfüllen diese Anforderungen nicht und sind deshalb nicht für Spaziergänge gedacht.

Risikominderung mit der Schleppleine

Falls der Rückruf bei eurem Hund noch nicht sicher klappt, er aus dem Tierschutz kommt oder bereits einige Jagderfolge zu verbuchen hat, ist die Schleppleine ein guter Kompromiss. Der Hund erhält einen großzügigen Bewegungsradius und bleibt in eurem Sicht- und Wirkungskreis.

Frisst euer Hund auch gerne Dinge vom Boden? Wie habt ihr es ihm angewöhnt? Wir freuen uns über euer Erfahrungen und Tipps in den Kommentaren!

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