30.09.2021

Scheue Katze

So helft ihr ängstlichen Katzen

Wenn die Katze scheu ist, deutet das zunächst einmal darauf hin, dass ihr Überlebensmodus aktiv ist und ihre Instinkte funktionieren. Im Zusammenleben mit den Menschen ist die Angst aber nicht nur nützlich, sondern auch sehr hinderlich.

Im Rahmen dieses Beitrags möchten wir euch über die Hintergründe informieren und euch einige Methoden vorschlagen, mit denen das gemeinsame Beisammensein wieder harmoniert.

Die neue Katze ist scheu – das könnten die Gründe sein

Dafür, dass die Katze scheu ist, gibt es keinen universellen Grund. Vielmehr kann die Angst vor dem Menschen aufgrund individueller Persönlichkeitsmerkmale oder durch verschiedene Erfahrungen entstehen:

Persönlichkeit:

Während einige Katzen von Natur aus selbstbewusst sind, sind manche nicht so souverän. Introvertierte Katzen brauchen tendenziell etwas länger, um aus sich herauszukommen und in ihrer Rolle aufzugehen.

Veränderung:

Viele Katzen brauchen eine Weile, um mit Veränderungen umzugehen. Je gravierender der Einschnitt (beispielsweise Renovierungsarbeiten in einem Zimmer oder der Umzug ins neue Heim), desto länger hält die Scheu. Sobald sich die Katze mit den neuen Gewohnheiten angefreundet und ein Sicherheitsgefühl erworben hat, kann sie wieder mutig mit ihrer Umwelt interagieren.

Negative Erfahrungen:

Einige Katzen haben bestimmte Erfahrungen gesammelt (Beispiel: eine schmerzhafte Behandlung beim Tierarzt oder der Schreck durch ein lautes Geräusch) und diese mit negativen Empfindungen verknüpft. Sie ziehen sich zurück, weil sie Angst davor haben, dass sich das jeweilige Erlebnis wiederholt. Bei Tierschutzkatzen ist das Risiko einer solchen Vorbelastung besonders groß.

Instinktive Vorsicht:

In der natürlichen Umgebung einer wilden Katze lauern überall Gefahren. Ihre Zurückhaltung gegenüber dem Unbekannten ist ein instinktiver Schutz, der sie vor möglichen Risiken bewahren soll. Das Misstrauen ist in den Genen gespeichert und damit bis zu einem gewissen Gerade angeboren.

Mangelnde Sozialisation:

In den ersten Lebenswochen der Katze werden die Weichen für ihr künftiges Sozialverhalten gestellt. Eine Katze, die in dieser Zeit gute Erfahrungen im Umgang mit Menschen und anderen Tieren sammeln kann, bleibt in der Regel auch als erwachsende Katze kontaktfreudig und sozial. Katzen, denen der Anschluss zu einem Sozialgefüge fehlt, fassen nur schwer Vertrauen. Das trifft auch auf Kitten zu, deren Mutter gegenüber Fremden sehr schreckhaft ist.

Plötzliche Verhaltensänderung:

Im Leben einer Katze kann es zu kommunikativen Missverständnissen oder traumatischen Erlebnissen (Beispiel: Wohnungseinbruch, starkes Gewitter, Katze entlaufen und nun traumatisiert) kommen, die zu plötzlichen Verhaltensänderungen führen. In solch einem Fall ist es wichtig, alle infrage kommenden Ursachen zu analysieren und das Vertrauen der Katze kleinschrittig wiederherzustellen.

Scheuer Kater – sind Kater generell distanzierter als Katzen?

Es gibt eine ganze Bandbreite an Faktoren, die auf das Zusammenleben von Mensch und Katze Einfluss nehmen.

Inwieweit das Geschlecht eine Rolle spielt, ist zwar noch nicht bis ins letzte Detail bekannt, trotzdem scheinen durchaus Wechselwirkungen zu bestehen:

  • In einer gleichgeschlechtlichen Katzengruppe gibt es seltener Streit
  • Kater sind im Vergleich zu Katzen eher distanziert
  • Katzen können sehr individualistisch sein, was das harmonische Beisammensein erschwert
  • Das Verhalten der Mutter (ängstlich oder aufgeschlossen) kann auf die Kitten übergehen

Ängstliche Katze – so lest ihr die Körpersprache eures Vierbeiners richtig

Wenn Katzen Angst verspüren, ist ihnen das anhand der Körpersprachen anzusehen.

Verängstigte Katzen

  • zittern
  • buckeln
  • machen sich groß
  • ducken sich weg
  • sträuben das Fell
  • reißen die Augen auf
  • haben geweitete Pupillen
  • knurren, fauchen, maunzen
  • frieren in der Bewegung ein
  • legen die Ohren an
  • ziehen sich zurück
  • atmen schnell
  • erbrechen sich
  • verlieren Urin oder Kot
  • ziehen den Schwanz ein

Katze Angst – eingewöhnen mit langsamem Vertrauensaufbau

Dass Katzen nach einem Ortswechsel eingeschüchtert sind, ist eine ganz gewöhnliche Schutzreaktion.

Auf diese Weise tragt ihr dazu bei, dass die Katze ihre Scheu überwinden kann:

  1. Richtet eine Ruhezone (zum Beispiel ein höhlenartiges Versteck oder einen erhöhter Aussichtspunkt) ein, die dem Neuankömmling vorbehalten ist.
  2. Alle elementaren Einrichtungselemente (Futter, Wasser, Katzenklo) müssen für die Katze zugänglich sein, ohne dass es dabei zur Begegnung mit einem anderen Mitbewohner kommt.
  3. Haltet den hektischen Alltag, laute Geräusche oder blinkende Lichtquellen zunächst von der Katze fern. Verzichtet in den ersten Tagen beispielsweise auf den Besuch von befreundeten Kindern und reduziert euren Fernsehkonsum.
  4. Respektiert die Tatsache, dass die Katze in der Anfangsphase keine körperliche Nähe will.
  5. Sprecht mit der Katze und bewahrt dabei einen ruhigen Ton.
  6. Meidet den direkten Blickkontakt.
  7. Bewegt euch in Sichtweite durch den Raum, sodass sich die Katze an eure Anwesenheit gewöhnen kann.
  8. Ihr könnt Spielzeuge oder Leckerlies in Richtung der Katze rollen lassen, wenn ihr die Distanz eigeninitiativ überbrücken wollt. Der erste Impuls zur körperlichen Annäherung (beispielsweise das Beschnuppern) sollte aber von der Katze kommen.
  9. Behaltet diese Verhaltensregeln für einige Tage bei, selbst wenn es bereits zu einer direkten Kontaktaufnahme gekommen ist. Die Bindung zwischen euch ist noch sehr empfindlich und muss sich schrittweise stabilisieren.

Katze hat Angst vor mir – die Beziehung wieder aufbauen

Wenn das Verhältnis der Katzen untereinander nicht stimmt oder sich die Katze euch gegenüber distanziert, könnt ihr versuchen, auf spielerische Weise mit ihr zu interagieren.

Diese Vorteile hat das gemeinsame Spiel:

  • Spielen stärkt die Beziehung zwischen Katze und Mensch, gute Spielerfahrungen schaffen Vertrauen.
  • Im Wege des täglichen Spielens vermindert sich das Aggressionspotenzial, weil die aufgestaute Energie in einem geregelten Rahmen abfließen kann.
  • Das Imitieren einer Jagdsequenz (beispielsweise mit einer Katzenangel) fördert das Selbstvertrauen.

Katze hat Angst vor anderen Katzen – wenn die Spielkameraden keine Freude bringen

Genauso wie es Kontaktprobleme zum Menschen geben kann, können Katzen auch gegenüber ihren Artgenossen verschlossen oder ängstlich sein.

Die häufigsten Gründe dafür sind:

  • Fehlende Sozialisation (das ist häufig bei Handaufzuchten der Fall)
  • Charakterliche Differenzen zwischen den Tieren
  • Negative Erlebnisse, beispielsweise Bedrängnis oder körperlicher Streit

Damit die Emotionen zwischen den Katzen nicht hochkochen oder die extrovertierte Katze ihren introvertierten Gegenpart nicht permanent in Bedrängnis bringt, solltet ihr getrennte Ruhezonen etablieren. Generell sollten die Wohnräume so beschaffen sein, dass es immer einen Fluchtweg gibt (Beispiel: Wenn das Katzenklo in einem kleinen Abstellraum oder einer Nische steht, sind stressige Auseinandersetzungen kaum zu umgehen). Außerdem hilft es, getrennt mit den Katzen zu spielen (siehe auch Unterpunkt „Katze hat Angst vor mir – die Beziehung wieder aufbauen“)

Katze ängstlich – nichts hilft, was nun?

Einige Katzen leben nach der Eingewöhnungsphase recht schnell auf, bei anderen haben sich die prägenden Erlebnisse zu einer unbesiegbaren Angst manifestiert. Doch selbst wenn es keine Fortschritte zu geben scheint oder der Prozess ab einem bestimmten Punkt stagniert, solltet ihr nicht aufgeben, sondern die Alternativen durchprobieren:

  • Ihr solltet den Rückzug der Katze respektieren.
  • Überprüft, ob die Wohnräume katzengerecht gestaltet sind.
  • Da es zwischen den Verhaltensweisen einer ängstlichen Katze und organischen Ursachen bestimmte Überschneidungen gibt, sollte der Tierarzt den körperlichen Zustand eurer Katze kontrollieren.
  • Homöopathie kann eine alternative/ergänzende Behandlungsform sein.
  • Katzenpheromone können bestimmte Sensoren der Katze stimulieren und ihr während der Eingewöhnungsphase behilflich sein.
  • Ein Tierpsychologe kann den mentalen Zustand der Katze beurteilen und das problematische Verhalten durch gezielte Handlungsanweisungen korrigieren.

Habt ihr auch Erfahrungen mit einer scheuen Katze gemacht? Schreibt eure Gedanken in die Kommentare!

 

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