18.05.2021

Katze an der Leine

Das richtige Katzengeschirr hilft beim Eingewöhnen

Während der angeleinte Hund fest zu unserem Gesellschaftsbild dazugehört, lösen Katzen an der Leine gemischte Reaktionen aus. Einige Katzenhalter möchten über Spaziergänge an der Leine die Wohnungshaltung den Bewegungsmangel kompensieren, wenn der Freigang nicht möglich ist.
Doch welche Katzen sind fürs Gassigehen geeignet und wie kann man sie trainieren? In diesem Artikel erfahrt ihr, wie ihr eure Katze an die Leine gewöhnt und worauf ihr achten solltet.

Ist das Führen einer Katze an der Leine verboten?

Laut aktueller Gesetzeslage ist das Führen von Katzen an der Leine erlaubt und wird mit Blick auf den Tierschutz sogar angestrebt. Der Freilauf hingegen stellt streng genommen eine EU-Rechtsverletzung dar, weil er das Artenreichtum bedroht. Tierschützer fordern im Zuge dessen sogar die Leinenpflicht! Wohlgemerkt ist hier der Tierschutz kleiner Wirbeltiere, beispielsweise von Vögeln und Nagern, gemeint.

Übrigens: Für Katzen im Außenbereich gilt vielerorts eine Impf-, Kastrations- und/oder Kennzeichnungspflicht!

Kann man mit jeder Katze an der Leine Gassi gehen?

Generell können alle Katzen lernen, an der Leine zu gehen. Sie verhalten sich dabei jedoch anders, als ein Hund. Hunde sind gelehrig und möchten die menschlichen Vorgaben adaptieren. Katzen haben jedoch einen eigenen Kopf und setzen diesen gelegentlich durch. Ihr solltet euch also an den Gedanken gewöhnen, dass die Katze beim Gassigehen selbst bestimmt wie schnell sie gehen will und welche Strecke zurückgelegt werden soll. Außerdem lernen einige Katzen das an der Leine laufen nicht so gut, weil sie beispielsweise generell sehr ängstlich sind oder sich aufgrund hohen Alters schwer damit tun, Veränderungen zu akzeptieren. Wenn ihr jedoch eine mutige und anhängliche Katze habt, die auch ohne Leine hinter euch her läuft, steht erfolgreichen Spaziergängen nichts im Wege.

Nimmt man besser ein Katzengeschirr oder ein Halsband?

Im Fachhandel findet ihr zweierlei: das Halsband und das Katzengeschirr. Ersteres ist für Spaziergänge jedoch nicht zu empfehlen, da es keinen praktischen Nutzen hat. Es ist eher ein Dekoaccessoire. Die Katze kann sich das Halsband abstreifen, wenn es nicht gut sitzt oder damit verunfallen und sich strangulieren. Wenn es unbedingt ein Halsband sein soll, dann eines mit Sicherheitsverschluss. Dieser öffnet sich von selbst, wenn die Katze mit ihrem Halsband an etwas hängen bleibt. Für Spaziergänge ist solch ein Halsband jedoch unbrauchbar, weil es nicht zuverlässig hält.

Ein Geschirr hingegen bietet mehr Sicherheit, da es sich an verschiedenen Stellen des Rumpfes zusammensetzen lässt. Die unterschiedlichen Verbindungspunkte an Rücken und Bauch bewirken außerdem, dass sich der Leinenzug flächiger verteilt. Das erhöht nicht nur den Tragekomfort, sondern ist auch schonender für Hals und Genick. Auch einige kleine Hundegschirre eignen sich für Katzen.

Gibt es ein kleineres Geschirr für Kitten?

Katzenwelpen sind für Standardgeschirre noch zu klein. Für die Wachstumsphase gibt es aber passende Übergangsgeschirre, die sich an den Körpermaßen der Kitten orientieren. Damit das Geschirr mitwachsen kann, ist es mit verstellbaren Gurten versehen. So sitzt es trotz der sich verändernden Statur jederzeit ideal – ein Punkt der für die Sicherheit der jungen Katze unverzichtbar ist. Achtet beim Kauf auf extra leichtes Material. Je nach Alter wiegen Kitten etwa 1 – 2 Kilo. Daher kann ein robustes Geschirr schnell zu schwer für das Kätzchen sein. In der Folge wird es von der Katze als lästig empfunden und abgelehnt.

Gibt es einen Unterschied zwischen einer Katzenleine und einer Hundeleine?

Hunde und Katzen gehen auf unterschiedliche Weise spazieren. Während Hunde gelehrig und gehorsam sein können, tun sich Katzen damit schwer. Sie legen gerne Schnüffelpausen ein und klettern, anders als Hunde, gerne auf Bäume. Die Leine hindert sie jedoch daran, auf Erkundungs- und Klettertour zu gehen.

Obwohl Hunde- und Katzengeschirre, Halsbänder und Leinen von der Machart her vergleichbar sind, gibt es Unterschiede in der Nutzbarkeit.

  • Schlepp- und Flexileinen sind vorzugsweise für offene Flächen oder breite Wege geeignet. Diese Modelle sind nämlich bis zu 8 Meter lang. Weil Leinen dieser Länge das Klettern nicht verhindern können, verkriechen sich manche Katzen in eine für ihren Halter unerreichbare Position. Die Befreiungsaktion kann anspruchsvoll sein, weil sich die Katze womöglich festkrallt oder gegen die Hilfe wehrt, außerdem verheddern sich lange Leinen eventuell im Geäst.
  • Führleinen (Leinen dieser Art sind in etwa 1 bis 1,5 Meter lang) sind eine sichere Alternative dazu. Sie schränken die Katze zwar in der freien Beweglichkeit ein, mindern aber das Fluchtrisiko.

Im Gegensatz zu Hundeleinen sind Katzenleinen vergleichsweise zart. Schließlich muss die Katze das zusätzliche Gewicht problemlos schleppen können. Außerdem kann bei ihrer geringen Körpermasse kein starker Zug entstehen, sodass die Leine ruhig aus leichten Materialien hergestellt werden kann.

Katzengeschirr mit Leine – das ist zu beachten

Im Gegensatz zu Hunden sind Katzen rasseübergreifend in etwa identisch groß. Deswegen ist grundsätzlich davon auszugehen, dass das Katzengeschirr in jedem Falle passt. Bei außergewöhnlich großen Katzen müsst ihr zwangsläufig ein maßgeschneidertes Katzengeschirr oder ein Geschirr für kleine Hunderassen nehmen. Viele Geschirre sind so konstruiert, dass man die Größe entsprechend der Katze einstellen kann. Weil Katzen sehr wendig sind, sollte das Geschirr passgenau eingerichtet sein.

Richtwert: Ihr solltet einen Finger unter das Geschirr schieben können, dann sitzt es eng genug.

Außerdem kommen manche Katzen nicht gut mit Modellen klar, die man ihnen über den Kopf ziehen muss. Weicht in einem solchen Fall besser auf eine Variante mit einer anderen Verschlusstechnik, wie Schnallen am Rücken aus.

Die Katze an die Leine gewöhnen – so geht’s

Damit die Katze Geschirr und Leine toleriert, sollte sie sich schon früh – im Idealfall als Kitten – daran gewöhnen:

  • Geschirr und Leine zeigen, beschnuppern lassen.
  • Das Lieblingsleckerchen von außen durch das Geschirr strecken, sodass die Katze dazu motiviert wird, es von innen entgegenzunehmen. Sie geht also freiwillig einen Schritt auf das Geschirr zu und steckt womöglich sogar ihren Kopf hinein.
  • Geschirr bei schönen Aktivitäten (Streicheln, Fressen, Spielen) anlegen.
  • Nun kommt die Leine hinzu. Übt die ersten Schritte auf bekanntem Terrain, also im eigenen Garten oder im Haus. Dabei solltet ihr zunächst die Katze selbst bestimmen lassen, wo es lang geht und nur im Notfall an der Leine ziehen.
  • Sucht für den ersten Spaziergang eine ruhige Ecke aus und tastet euch, schrittweise in ablenkungsreichere Gebiete vor. Besonders geeignet sind kleine Pfade und Wege im Wald, denen viele Katzen schon instinktiv folgen.

Wichtig ist, dass ihr das Anleinen durch Lob und Leckereien positiv verstärkt. Achtet außerdem darauf, kleinschrittig vorzugehen. Besonders gut eignet sich auch ein Clickertraining für Katzen.

Der erste Spaziergang mit der Katze an der Leine – das müsst ihr beachten

In freier Natur lauern allerlei Gefahren, die es beim Gassigehen auszuschließen beziehungsweise zu kontrollieren gilt:

  • Mit Katzenrucksack: Der erste Ausflug beginnt im Katzenrucksack. Stellt diesen mitsamt der Katze auf dem Boden ab. Die Katze tastet sich dann entsprechend ihrer eigenen Geschwindigkeit langsam nach draußen vor. Falls ihr die Umgebung nicht geheuer ist, hat sie durch die Tasche einen sicheren Zufluchtsort. Besonders wenn ihr auf Hunde trefft, kann ein Rückzugsort sehr hiflreich sein.
  • Stör- und Gefahrenquellen minimieren: Wählt für euren ersten Spaziergang eine ruhige Zone aus. Am besten eignet sich ein Ort, an dem die Katze nicht mit Fahrradfahrern, Autos oder Hunden zusammentrifft. Bei einer Konfrontation könnte die Katze ängstlich reagieren. Je nachdem, wie einschneidend das Erlebnis für sie war, möchte sie danach womöglich nicht mehr raus. Darüber hinaus besteht akute Verletzungsgefahr, wenn die Katze panisch flüchten will oder sich mit ihren Krallen wehrt. Am besten eignen sich ruhige Pfade in der Natur, die die Katze ganz in Ruhe erkunden kann.
  • Eine weitere Person mitnehmen: Am wohlsten fühlen Katzen, wenn sie von vertrauten Personen umgeben sind. Nehmt euch für den ersten Spaziergang daher eine zweite Person mit, die Voraus läuft, während ihr mit der Leine hinter der Katze lauft.
  • Auf die Körpersprache der Katze achten: Während des ersten Spaziergangs solltet ihr eure Katze ganz genau im Auge behalten und ihr Verhalten deuten. Ist der Schwanz freudig nach oben gerichtet oder peitscht er nervös? Läuft die Katze selbstbewusst aufgerichtet oder läuft sie geduckt?

Fazit

Mit der Katze an der Leine Spazieren zu gehen kann eine artgerechte Beschäftigung sein, wenn ihr euch nach den Bedürfnissen der Katze richtet. Es ist wichtig, die Katze vor den ersten Spaziergängen gut zu kennen, um ihre Reaktionen richtig deuten zu können. Gewöhnt sie langsam an Geschirr und Leine und seid nicht gleich enttäuscht, wenn es nicht sofort klappt. Das Stichwort ist Geduld. Es ist von Katze zu Katze unterschiedlich und einige besonders ängstliche Katzen werden sich vermutlich ohne Spaziergänge immer wohler fühlen.

Seid ihr schon mal mit eurer Katze spazieren gegangen? Wie sind eure Erfahrungen? Berichtet uns in den Kommentaren!

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