09.07.2019

Juckreiz beim Hund

Was könnte die Ursache sein und wie könnt ihr eurem Hund helfen?

Euer Hund kratzt sich ständig, knabbert an den Pfoten oder schrubbt sich an Gegenständen? Juckreiz bei Hunden kann sehr lästig sein und ist nicht immer auf Flöhe oder anderes Ungeziefer zurückzuführen. Wir stellen euch die häufigsten Auslöser vor und zeigen euch, wie ihr eurem Hund helfen könnt.

Wie macht sich Juckreiz beim Hund bemerkbar?

Juckreiz beim Hund ist in der Regel leicht zu erkennen. Meist kratzt der Hund verschiedene Körperregionen mit den Hinter- oder Vorderpfoten. Auch das Beknabbern oder häufige Lecken von bestimmten Hautstellen kann auf Juckreiz zurückzuführen sein. Wenn der Hund den Kopf heftig schüttelt, deutet das auf einen Juckreiz an den Ohren hin. Bei schlecht erreichbaren Körperteilen beginnen die Hunde sich an der Wand oder am Boden zu reiben. Durch das häufige Kratzen und Reizen der Haut geht der Juckreiz meist mit Folgeerscheinungen einher. Die gereizte Haut wird durch das Kratzen stärker gereizt, was zu Hautrötungen und -reizungen sowie Haarausfall und kahlen Stellen führt. Die Haut kann sich entzünden und schuppig oder nässend sein, was zu unangenehmem Geruch des Fells führt.

Mögliche Ursachen für Juckreiz

Juckreiz ist eine der häufigsten Ursachen für einen Tierarztbesuch mit dem Hund. Es gibt viele verschiedene Auslöser des Symptoms. Wir möchten euch die wichtigsten Ursachen vorstellen. Generell unterscheiden Tierärzte zwischen primärem und sekundärem Juckreiz. Bei primären Auslösern ist zuerst ein Juckreiz vorhanden und durch das Kratzen entstehen Hautveränderungen. Bei sekundären Ursachen hingegen entstehen zuerst Veränderungen auf der Haut, die anschließend zu einem Juckreiz führen.

1. Parasitenbefall

Häufig sorgt ein Befall mit Parasiten beim Hund für Juckreiz, wobei Flohbefall eine der häufigsten Ursachen ist. Starken Flohbefall könnt ihr einfach selber feststellen. Die Parasiten sind im Fell des Hundes mit bloßem Auge sichtbar. Außerdem könnt ihr mithilfe eines Flohkamms krümeligen, schwarzbraunen Flohkot finden. Um festzustellen, ob es sich um Flohkot handelt, könnt ihr ihn auf ein weißes Taschentuch legen und anfeuchten. Er sollte sich auflösen und in einen rötlichen Fleck verwandeln. Einige Hunde reagieren zudem allergisch auf Flohspeichel, was den Juckreiz in diesem Fall verschlimmert. Der Hund bildet bisweilen an der betroffenen Stelle auf der Haut sogar einen Hot Spot. Manchmal juckt hingegen nur ein einzelner Insektenstich oder eine festgesaugte Zecke.

Übrigens: Tipps zum Entfernen von Zecken findet ihr im Magazin.

Neben Zecken und Flöhen können verschiedene Milbenarten der Auslöser für juckende Haut sein. Raubmilben (Cheyletiellen) siedeln sich beispielsweise oberflächlich auf der Haut des Hundes an und ernähren sich von Gewebsflüssigkeit. Meist beschränkt sich der Juckreiz hierbei auf die Schultern und den Rücken. Typisch ist eine Bildung von schuppiger Haut am Rücken. Einen besonders starken Juckreiz lösen Räudemilben (Sarkoptes) aus. Die auch als Grabmilbe bekannte Art gräbt sich Tunnel in die Haut des Hundes. Anfangs tritt der Juckreiz dabei vor allem an den Ohren, Gelenken, am Bauch und an der Brust auf. Andere Milbenarten, die Juckreiz auslösen können, sind die Herbstgrasmilbe (Trombicula autumnalis) und die Ohrmilbe (Otodectes cynotis).

Ein Sonderfall ist die Demodikose, bei der die Milben keine allergische Reaktion hervorrufen und somit nicht zu Juckreiz führen. Der Juckreiz tritt erst auf, wenn sich in der veränderten Hautpartie zusätzlich Bakterien oder Hefepilze ansiedeln.

2. Allergisch bedingter Juckreiz

Immer mehr Hunde leiden heute an Allergien und Unverträglichkeiten. Im Gegensatz zu uns Menschen leiden die Tiere selten an tränenden Augen oder eine laufenden Nase. Vielmehr ist Juckreiz eines der häufigsten Symptome einer Allergie. Leider gibt es für Hunde keinen sicheren Allergietest, mit dem ihr die Allergie schnell identifizieren lassen könnt. Es hilft daher nur strukturiert vorzugehen und die allergischen Reaktionen des Hundes genau zu beobachten. Wenn der Juckreiz nur saisonal auftritt, spricht das für eine Allergie gegen bestimmte Umweltallergene. Bei einer Futtermittelallergie hingegen kommt es zu einer allergischen Reaktion auf bestimmte Bestandteile der Nahrung. Dies können tierische Proteine und bestimmte Kohlenhydrate, aber auch künstliche Zusätze sein. Es ist wichtig mithilfe einer Ausschlussdiät herauszufinden, worauf der Hund reagiert und gegebenenfalls auf ein Hundefutter für Allergiker umzusteigen. Der Juckreiz lässt meist nicht sofort nach und es dauert eine Weile bis sich der Körper des Hundes beruhigt.

3. Infektionen & Verletzungen

Wenn euer Hund gerötete Hautstellen, Ausschlag, Pickel oder Haarausfall hat, spricht das meist für eine Hauterkrankung. Das kann zum Einen eine Pilzinfektion (Dermatophyten) sein, zum Anderen sind bakterielle Infektionen häufig ursächlich. Es sind auch Krankheiten wie Hypothyreose und Morbus Cushing (Hyperadrenokortizismus) sowie autoimmune Krankheiten möglich. Die genaue Ursache kann in diesem Fall nur eine tierärztliche Untersuchung bestätigen. Lasst daher bei Verdacht auf eine Krankheit eine umfassende Blutuntersuchung vornehmen. Auch entzündete Wunden oder heilende Verletzungen können zu Juckreiz führen.

Wann muss ich mit meinem Hund zum Tierarzt?

Es ist kein Grund zur Sorge, wenn euer Hund sich ab und zu kratzt oder am Fell knabbert. Das ist eine gewöhnliche Prozedur bei der Fellpflege oder zum Stressabbau in unangenehmen Situationen. Wenn sich euer Hund in Ruhe kratzt und aufhört sobald er abgelenkt wird, spricht das für echten Juckreiz. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Hunde sich von einem besonders starken Juckreiz immer schwerer ablenken lassen. Fängt euer Hund jedoch an, sich zu kratzen, sobald ihr etwas von ihm verlangt, spricht das eher für eine Übersprungsreaktion.

Die Grenze zwischen gelegentlichem Kratzen und krankhaftem Kratzen ist fließend. Es gibt keine genaue Regel, ab wann der Juckreiz bei Hunden als krankhaft gilt. Generell lässt sich jedoch sagen, dass er sich nicht so heftig kratzen sollte, dass kahle oder blutige Stellen entstehen. In diesem Fall solltet ihr umgehend den Tierarzt zu Rate ziehen. Je früher ihr dem Juckreiz auf den Grund geht, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Ist das Jucken einmal chronisch, wird die Behandlung deutlich langwieriger.

Ihr könnt die Diagnose des Tierarztes schneller vorantreiben, indem ihr euch vorab folgende Fragen stellt:

  • Wie häufig kratzt sich euer Hund?
  • Welche Stellen sind betroffen?
  • Wann tritt der Juckreiz auf? In bestimmten Situationen? Saisonal? Dauerhaft?
  • Hatte euer Hund schon einmal Probleme mit Juckreiz?
  • Sind andere Tiere im Umfeld eures Hundes auch betroffen?

Wie kann ich Juckreiz beim Hund lindern?

Damit euer Hund die juckende Stelle nicht durch Kratzen schlimmer macht, ist es wichtig, den Juckreiz schnell zu lindern. Leichten Juckreiz könnt ihr zunächst mit einfachen Hausmitteln behandeln. Bei extremem Juckreiz führt hingegen kein Weg an einer medikamentösen Behandlung vorbei. Am Besten ist es, nicht nur den Juckreiz, sondern den Auslöser zu bekämpfen.

Hausmittel gegen Juckreiz

Bei leichtem Juckreiz könnt ihr euren Hund mit einfachen Hausmitteln unterstützen. Das wichtigste ist es, dem Hund nicht bei jedem Kratzen die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Für den Hund ist jede Reaktion eine positive Bestärkung, wodurch er sich eher noch öfter kratzt, als aufzuhören. Wenn euer Hund sich eine Stelle auf der Haut aufgekratzt hat, könnt ihr sie mit unterstützenden Hautpflegemitteln wie Aloe-Vera-Gel behandeln. Bei trockener Haut hilft es, alle paar Tage etwas kaltgepresstes Kokosöl auf die Haut des Hundes zu geben. Außerdem ist ein umfassender Ungezieferschutz vor Zecken, Flöhen und Milben wichtig. Auch die Gabe von Nahrungsergänzungen wie Olivenöl oder Leinsamenöl unterstützt die Hautgesundheit des Hundes. Außerdem solltet ihr euren Hund nicht zu oft baden und wenn es nicht anders geht, ein spezielles Hundeshampoo verwenden.

Tierärztliche Behandlung

Bei Juckreiz wegen Krankheiten oder Parasitenbefall helfen Medikamente und Salben vom Tierarzt. Gegen den Juckreiz selbst verschreiben Tierärzte oft kortisonhaltige Medikamente. Sie sorgen effektiv dafür, dass der Juckreiz aufhört, behandeln jedoch die Ursache nicht. Eine dauerhafte Behandlung mit diesen Medikamenten kann zudem starke Nebenwirkungen haben. Im schlimmsten Fall führen sie sogar zum Enstehen der Hautkrankheit „Morbus Cushing“. Setzt den Fokus bei einer medikamentösen Behandlung daher immer auf die Behandlung des Juckreiz-Auslösers. Bei Ektoparasiten hilft beispielsweise die Gabe eines Antiparasitikums. Bei einem Pilzbefall solltet ihr Salben mit Antimykotika nutzen und bei bakteriellen Infektionen helfen Antibiotika. Nehmt diese Behandlungen jedoch niemals ohne Absprache mit dem Tierarzt vor!

Hatte euer Hund auch schon einmal starken Juckreiz? Woran lag es bei eurem Vierbeiner? Wie konntet ihr ihm helfen? Wir freuen uns über eure Kommentare! 

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Alle Kommentare (1)

Tamara
09.07.2019 11:03 Uhr

Unser Lenny ist jedes Jahr in den warmen Monaten geplagt von Juckreiz. Hier sind Milben der Auslöser! Wir geben ihm spezielle Allergie-tabletten die ganz gut wirken seine Pfoten schleckt er teilweise wund und Kahl! Zudem hat er auch noch eine Futtermittelallergie und ist gegen Hausstab allergisch!

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