17.09.2022

Elektrohalsband für Hunde

Gute Erziehungshilfe oder zurecht verboten?

Das Elektrohalsband für den Hund ist ein Hilfsmittel, das bei seiner Erziehung helfen und ihn disziplinieren soll. Während Stromhalsbänder in Deutschland verboten sind, sind sie in anderen Teilen der Welt erlaubt. Doch wie kommt es, dass der deutsche Gesetzgeber ein gesetzliches Verbot verankert, während andere Hundehalter auf die Stromimpulse schwören?

Wie funktioniert ein Elektrohalsband?

Elektrohalsbänder – auch Ferntrainer genannt – sind aus zwei Komponenten (nämlich dem Halsband selbst und einer Fernbedienung) zusammengesetzt.
Das Halsband verfügt über eine integrierte Energiequelle, mit deren Hilfe es verschiedene Impulse (Vibration, hörbares Signal oder Stromschlag) erzeugen kann.
Die Fernbedienung löst die elektrischen Impulse über hohe Distanzen per Knopfdruck aus. Der Halter kann aber nicht nur den Zeitpunkt bestimmen, sondern auch entscheiden, in welcher Stärke und wie lange der Impuls erfolgen soll.

Einige Produkte haben weitere Funktionen. So lassen sich beispielsweise mehrere Halsbänder an eine Fernbedienung koppeln (interessant für die Mehrhundehaltung), außerdem haben manche Halsbänder ein integriertes WLAN- oder GPS-Gerät.
Die Funktionsweise der Elektroreizgeräte ist also so konzipiert, dass sie das Fehlverhalten des Hundes mit sofortiger Wirkung unterbrechen können. Dabei kann der Störreiz auch akustisch erfolgen und muss demnach nicht zwangsläufig schmerzhaft sein.

Warum ein Elektrohalsband?

Stromhalsbänder für Hunde werden bei unerwünschtem Verhalten eingesetzt.
Diese exemplarischen Verhaltensweisen lassen sich mithilfe eines Elektrohalsbandes korrigieren:

  • Den Rückruf verbessern
  • Den Freilauf trainieren
  • Den Jagdtrieb kontrollieren
  • Übermäßiges Bellen abgewöhnen
  • Grenzbereiche etablieren

Elektrohalsband Hund – weitere Anwendungsfelder:

  • Wenn der Hund ausbüxt, kann das extrem gefährlich für ihn sein. Mögliche Gefahren: Sachbeschädigung und Hundehalterhaftung, Verlust des Hundes, tödliche Schüsse durch einen Jäger, Unfälle im Straßenverkehr oder eine Beißerei mit einem fremden Hund. Das Elektrohalsband ist also ein universelles und weitreichendes (bis zu 1,5 km) Sicherungssystem.
  • Stromhalsbänder für Hunde haben viele praktische Funktionen. So habt ihr beispielsweise die Möglichkeit, die Impulsstärke und/oder -art zu wählen. Zudem gibt es Modelle, bei denen ihre mehrere Halsbänder mit einer Fernbedienung steuern könnt.
  • Die meisten Hunde verstehen nicht, dass die Strafe vom Hundehalter kommt. Der Vorteil besteht darin, dass die Beziehung zwischen dem Hund und seinem Menschen bei der richtigen Anwendung des Halsbandes nicht angegriffen wird.
  • Stromhalsbänder werden häufig bei schwer verhaltensgestörten Individuen oder bei Hunden, die extrem verlässlich sein müssen (Beispiel: Berufshunde), eingesetzt.

Wann wird ein Elektrohalsband eingesetzt werden?

Auch in den Ländern, in denen Elektrohalsbänder noch Verwendung finden, sollten sie nicht willkürlich zum Einsatz kommen.
Wenn der Hundehalter schon zu dieser rabiaten Erziehungstechnik greift, sollte er zumindest sicherstellen, dass:

  • sein Hund einen festen Charakter, also keine Ängste oder eine Bindungsstörung, hat.
  • er das Halsband ausschließlich für das Training von Junghunden (mindestens 10 Monate) oder adulten Individuen benutzt.
  • er umsichtig handelt und eine leichte Stärke für die Stromimpulse wählt.

Tipp: Um sicherzustellen, dass das Halsband nicht zu schmerzhaft ist, könnt ihr es auch selbst mal anprobieren. Das kann ein augenöffnender Punkt für den Umgang mit solch einem Halsband sein.

Ist ein Elektrohalsband für Hunde erlaubt?

Gemäß § 3 S. 1 Nr. 11 Tierschutzgesetz sind Elektrohalsbänder in der Hundeerziehung nicht erlaubt. Das hängt damit zusammen, dass schmerzhafte Strafen (zu denen auch die Stromimpulse zählen) zur Ausbildung eines Hundes generell verboten sind. Dieses gesetzliche Verbot gilt sowohl in privater Hinsicht als auch im beruflichen Rahmen, was bedeutet, dass der Gesetzgeber für K9- oder andere Wach- und Schutzhunde keine Ausnahme von diesen Regelungen macht.

Wer trotzdem Elektrohalsbänder einsetzt, muss sich einem Bußgeldverfahren stellen. Auf den Hundehalter kommt in der Regel also eine finanzielle Strafe zu. Bei schweren Misshandlungen droht sogar eine Freiheitsstrafe, der Verlust des Hundes (Entzug) und ein dauerhaftes Tierhaltungsverbot.

Warum sind Stromhalsbänder verboten?

Von Elektrohalsbändern wird unter anderem deshalb abgeraten, weil sie die Erziehung des Hundes nicht ersetzen können.
Hunde unterscheiden sich im Lernverhalten und benötigen deshalb einen Trainingsplan, der individuell zu ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten passt.
Außerdem wurde bereits festgestellt, dass das Lernen über Erfolge am effektivsten ist. Hunde lernen also besser, wenn sie positive Erfahrungen machen und für richtiges Verhalten Lob bekommen.

Strafen wirken sich hingegen schlecht auf die Bindung zwischen Hund und Halter aus. Dabei ist ein vertrauensvolles Verhältnis die Voraussetzung dafür, dass die Erziehungsmethoden funktionieren. Die Verhaltenswissenschaft über Hunde ist heutzutage so weit vorangeschritten, dass es für jedes Verhaltensproblem Techniken gibt, mit denen der Hundehalter zu einer (straffreien) Lösung kommen kann.

Beispiel: Für jagdtriebige Hunde gibt es spielerische Alternativbeschäftigungen. Zudem könnt ihr mit der Schleppleine arbeiten sowie Ruhe- und Impulsübungen in euren Alltag integrieren. Der Besuch einer Hundeschule ist ebenfalls ein guter Tipp, weil die Trainer eine etwaige Verhaltensproblematik erkennen, analysieren und den Halter erzieherisch begleiten können.

Folgen von Elektrohalsbändern

Das Verbot von Elektrohalsbändern ist damit begründet, dass sie den Hund einschüchtern, ängstigen und Verhaltensstörungen begünstigen können. Gerade bei Hunden, die ohnehin schon unsicher sind, besteht durch den Einsatz eines Ferntrainers eine erhöhte Aggressions- und Fluchtgefahr.
Das sind die hauptsächlichen Fehlerquellen:

  • Sofern der Hund versteht, dass sein Halter die Stromstöße steuert, wird das Vertrauensverhältnis zwischen ihnen grundlegend zerstört.
  • Der Hund kann die Strafe außerdem nicht als Folge seiner Handlungen einordnen, wenn sie zeitversetzt erfolgt. Demnach stünde er unter ständiger Anspannung, wenn er den Grund für den (seiner Meinung nach willkürlichen) Stromschlag nicht versteht.
  • Die Stromschläge können unverhältnismäßig stark und extrem schmerzhaft sein. Da der Mensch das Halsband in der Regel nicht selbst austestet, hat er auch ein Gespür dafür.
    Obgleich das Elektrohalsband auch körperliche Symptome, wie Schmerzen oder Verbrennungen am Hals, auslösen kann, sind die Folgen hauptsächlich psychischer Natur.
    Merke: Sobald das Stromhalsband unsachgemäß verwendet wird, blockiert es die Erziehung eher, als dass es eine Hilfe ist.

Fazit

Da Elektrohalsbänder für die Hundeerziehung in Deutschland nicht zugelassen sind, ist dieser Artikel als informatorische Grundlage – und nicht als Kaufempfehlung – zu verstehen.
Trotzdem gibt es Arbeitsbereiche und Länder, in denen Stromhalsbänder nach wie vor zum Einsatz kommen. Meist geht es darum, ein bestimmtes Störverhalten des Hundes abzubauen oder seinen Gehorsam für den beruflichen Einsatz zu perfektionieren.

Obgleich diese Personengruppe das Elektrohalsband für ihre schnellen Trainingserfolge zu schätzen weiß, birgt der Einsatz das Risiko einer verhaltensbedingten Verschlechterung. Auch wenn es mehr Geduld erfordert, wird deshalb dazu geraten, die Erziehung des Hundes auf positiven Trainingsmethoden aufzubauen.

 

Habt ihr in der Vergangenheit schon mal ein sogenanntes Elektrohalsband bei eurem Vierbeiner benutzt? Erzählt uns mehr über eure Erfahrungen in den Kommentaren!

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