27.05.2021

Hundekuss

Wie gefährlich ist es wirklich den Hund zu küssen?

Der Hund nimmt einen zentralen Platz im Leben seines Halters ein, schläft mit ihm in einem Bett und tauscht Körperlichkeiten aus – so eben auch den Hundekuss. Doch ist das ein riskantes Vergnügen oder ein aufrichtiger Liebesbeweis? Wie realistisch ist die Infektionsgefahr und wie ist mit Hundeküssen umzugehen?

Euer Hund leckt euer Gesicht ab – diese Bedeutung steckt hinter dem Hundekuss

Der Hund nutzt eine andere Körpersprache als der Mensch. Wenn der Hund seinen Halter küsst, drückt er damit also nicht immer Liebe aus.

Folgende Motive können dahinter stehen:

Küssen aus Instinkt: Das Lecken vererben Hunde als instinktives Reaktionsmuster über ihr genetisches Material. Bereits im Umgang mit Welpen ist zu sehen, dass sie der Mutter das Futter aus dem Maul lecken, um dadurch ihre Mahlzeiten zu konsumieren. Welpen nutzen ihre Zunge aber auch zum Lernen. Sie nehmen Geschmäcker wahr und erfassen Texturen. Übertragen auf den Mensch stellt der Hundekuss also eine Art der instinktiven Informationsgewinnung dar.

Freudiges Küssen: Hundeküsse bringen Glück. Zumindest beglücken sie den Hund, weil er beim Küssen einen Endorphinschub erfährt. Er setzt das Lecken deshalb gezielt in Situationen ein, in denen er sich freut (zum Beispiel bei der Heimkehr seines Halters) oder um negative Stimmungen – bei sich oder seinem Herrchen – zu kompensieren.

Geruchs- und Geschmacksinformation: Ihr wart auf dem Rummel und habt euch eine Currywurst gegönnt? Wieder zu Hause sucht euch der Hund nach Überresten ab und fährt euch dafür wild schlabbernd über den Mund. Der Grund für sein Verhalten sind Neugierde und Appetit. Der Hund kann aber auch unabhängig von vorangegangenen Mahlzeiten vernarrt in den Körpergeruch seines Halters sein. Auch dann bekommt er vom Küssen einfach nicht genug.

Lecken als Handlungsersatz: Die Küsse des Hundes können auch Übersprungshandlungen sein. Meistens zeigt der Hund solch ein Verhalten jedoch an sich selbst. Das Lecken soll einen Mangel (etwa ein Beschäftigungsdefizit) kompensieren und ist als Platzhalter für ein angemessenes Reaktionsmuster zu verstehen.

Wie gefährlich sind Hundeküsse?

Der Hundekuss steht im Verdacht gefährlich zu sein. Doch was ist dran?

Gesundheitliche Gefahren: Tatsächlich kann der Hundekuss sogar zum Tode führen. Zum Beispiel durch die Infektion mit Capnocytophaga canimorsus, einem Bakterium, dass neben der Katze auch der Hund überträgt. Im Hundemaul richtet das Bakterium keinen Schaden an, im menschlichen Körper nimmt es im Extremfall jedoch sogar einen tödlichen Verlauf. Betroffen sind besonders Personen, deren Gesundheitszustand – etwa aufgrund einer Immunschwäche – angeschlagen ist. Wenn es in die Blutbahn gelangt, kann sich der Hundehalter in lebensbedrohlicher Weise infizieren. Die Wahrscheinlichkeit für einen ernsten Krankheitsverlauf liegt jedoch nur bei eins zu einer Million. Wird die Infektion früh entdeckt und auf das entsprechende Bakterium zurückgeführt, ist sie gut behandelbar. Der Hund überträgt jedoch nicht nur Bakterien, er kann auch ein Parasitenträger sein. Obgleich viele Parasiten den Hund als Wirt bevorzugen, können einige von ihnen auch auf den Menschen übergehen (zum Beispiel Bandwürmer).

Der Hundekuss als natürliches Probiotikum: Demgegenüber kann der Hundekuss aber auch gesundheitsfördernd sind. Das legen zumindest wissenschaftliche Überlegungen nahe, die bislang jedoch rein hypothetisch sind. Allerdings scheint festzustehen, dass Kinder, die Kontakt zu Hunden haben, generell gesünder sind. Den Vermutungen nach hängt dieser positive Effekt auf unsere Gesundheit mit Mikroorganismen zusammen, die der Hund durch den Speichel auf den Menschen überträgt. Je nachdem um welche Mikroben es geht, sprechen sie das menschliche Immunsystem an und bewirken eine natürliche Resistenz.

Den Hund küssen – birgt es Gefahren, wenn ich meinem Hund einen Kuss gebe?

Trotz dem der Hundekuss gefährlich sein kann, könnt ihr das Risiko mit folgenden Praxistipps minimieren:

  • Haltet Wunden bei Hundekontakt bedeckt, weil sich Bakterien und Keime bei geöffneter Hautbarriere schneller übertragen können. Falls ihr Bedenken habt, weil es zu einem Direktkontakt oder gar einem Biss gekommen ist, solltet ihr diese mit eurem Hausarzt klären. Er kann Infektionen erkennen und frühzeitig mit Antibiotika therapieren.
  • Infektionen übertragen sich zwar unter anderem über den Speichel, Maul und Mund, doch auch das bloße Streicheln kann ansteckend sein. Haltet eure eigenen Hunde stets gesund (Impfungen, parasitärer Schutz, Vorsorgeuntersuchungen) und bleibt gegenüber fremden Hunden auf Distanz. Nach dem Streicheln eines Hundes hilft gründliches Händewaschen und antibakterielle Händedesinfektion.
  • Lasst euren Hund bei Spaziergängen nicht allein. Selbst wenn ihr regelmäßig zu Vorsorgezwecken zum Tierarzt geht, kann er sich bei der Gassirunde mit Krankheitserregern (zum Beispiel über Kadaver und Tierkot) infizieren. Gegen Würmer gibt es ohnehin keinen präventiven Schutz. Wurmkuren greifen nämlich erst im akuten Krankheitsfall.
  • Wenn ihr aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen einer gefährdeten Zielgruppe angehört (Beispiel: geschwächtes Immunsysten und/oder Schwangerschaft), solltet ihr keine Hundeküsse tolerieren. Das trifft erst recht auf fremde Hunde zu. Auch im Umgang mit Neugeborenen und kleinen Kindern ist der Körperkontakt unbedingt zu reduzieren, da ihr körpereigenes Abwehrsystem noch nicht so zuverlässig arbeitet, wie das einer erwachsenen Person.
  • Mit genereller Reinlichkeit schließt ihr die Übertragung von Krankheiten zwar nicht gänzlich aus, ihr mindert jedoch die Ansteckungsgefahr. Bezieht die Reinigung der Bettwäsche und der Hundenäpfe fest in eure Pflegeroutine ein. Wascht alle Utensilien, die sowohl durch den Hund als auch durch euch in Benutzung sind, regelmäßig und bei mindestens 60 Grad.

Verstehen Hunde Küsse eines Menschen?

Menschen haben das Bedürfnis, ihren geliebten Hund mit Küssen zu übersäen, um ihrer Zuneigung Ausdruck zu verleihen. Doch während wir Menschen küssen und kuscheln, um unsere Liebe zu kommunizieren, drücken Hunde ihre Zugewandtheit anders aus.

Einige Hunde fühlen sich durch die körperliche Nähe bedroht. Gerade wenn der Kuss von oben oder in Begleitung einer festen Umarmung kommt, fühlen sich die Hunde häufig nicht wohl. Achtet darauf, wie der Hund auf eure Annäherungen reagiert. Wenn er die Ohren anlegt, sich wegduckt, knurrt oder erstarrt, kündigt er sein Missfallen an. Im schlimmsten Fall könnte er sich mit körperlichen Aggressionen gegen die aufgezwungene Nähe wehren. Genauso wie der Hund die menschliche Zuneigung missverstehen kann, kann Selbiges auch in Bezug auf dessen Ablehnung geschehen. Bietet eurem Hund, statt ihn komplett zurückzuweisen, eine Alternative an. Gebt ihm beispielweise statt einem Kuss ins Gesicht einen Kuss auf die Hand. Wenn ihr es schafft Kompromisse zu finden, könnt ihr eure gegenseitige Liebe also wunderbar zelebrieren!

Küsst ihr eure Hunde oder lasst ihr es lieber bleiben? Wir sind gespannt auf eure Sichtweise in den Kommentaren!

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