Getreidefreies Hundefutter liegt im Trend. Immer mehr Hundebesitzer greifen zu Produkten ohne Weizen, Mais und Co. – in der Annahme, ihrem Vierbeiner etwas Gutes zu tun. Doch ist getreidefrei wirklich gesünder? Oder handelt es sich vor allem um geschicktes Marketing? In diesem Artikel klären wir die Fakten.
🌾 Was bedeutet „getreidefrei“?
Getreidefreies Hundefutter verzichtet auf klassische Getreidesorten wie:
- Weizen
- Mais
- Gerste
- Roggen
- Hafer
- Reis (wird manchmal noch als glutenfreie Alternative verwendet)
Stattdessen werden als Kohlenhydratquellen häufig Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen, Linsen oder Tapioka eingesetzt. Wichtig zu wissen: Getreidefrei bedeutet nicht kohlenhydratfrei – die Kohlenhydrate stammen nur aus anderen Quellen.
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Hier wird es spannend: Der Haushund hat sich im Laufe der Domestikation an eine stärkehaltige Ernährung angepasst. Im Gegensatz zum Wolf besitzen Hunde mehr Kopien des Amylase-Gens, das für die Stärkeverdauung zuständig ist. Das bedeutet: Die meisten Hunde können Getreide problemlos verdauen.
Getreide liefert:
- Leicht verdauliche Kohlenhydrate als Energiequelle
- Ballaststoffe für eine gesunde Darmflora
- B-Vitamine und Mineralstoffe
- Essentielle Fettsäuren (z. B. in Hafer)
⚠️ Wann ist getreidefrei sinnvoll?
Getreidefrei zu füttern ist in bestimmten Situationen tatsächlich empfehlenswert:
Nachgewiesene Getreideallergie
Manche Hunde entwickeln eine Allergie oder Unverträglichkeit gegen bestimmte Getreidesorten – meist gegen Weizen. Symptome können sein:
- Juckreiz und Hautentzündungen
- Chronischer Durchfall oder Erbrechen
- Ohrenentzündungen
- Übermäßiges Pfotenlecken
Wichtig: Echte Getreideallergien sind bei Hunden selten (unter 10 % aller Futtermittelallergien). Die häufigsten Allergene sind Rind, Huhn und Milchprodukte – nicht Getreide!
Empfehlung vom Tierarzt
Wenn dein Tierarzt nach einer Ausschlussdiät eine Getreideunverträglichkeit diagnostiziert hat, ist getreidefreies Futter die richtige Wahl.
❌ Risiken von getreidefreiem Futter
Was viele nicht wissen: Getreidefreies Futter kann auch Nachteile haben.
DCM-Risiko (Dilatative Kardiomyopathie)
Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat einen möglichen Zusammenhang zwischen getreidefreiem Futter (besonders mit hohem Anteil an Hülsenfrüchten und Kartoffeln) und DCM – einer lebensbedrohlichen Herzerkrankung – untersucht. Obwohl die Forschung noch andauert, ist Vorsicht geboten.
Höherer Preis
Getreidefreies Futter ist in der Regel deutlich teurer als herkömmliches Hundefutter – oft ohne nachweisbaren gesundheitlichen Mehrwert für gesunde Hunde.
Nährstoffimbalancen
Manche getreidefreien Produkte ersetzen Getreide durch große Mengen Hülsenfrüchte oder Kartoffeln, die den Nährstoffhaushalt beeinflussen können.
💡 Worauf du beim Hundefutter achten solltest
Statt blind auf „getreidefrei“ zu setzen, achte lieber auf diese Qualitätsmerkmale:
- Hoher Fleischanteil: Fleisch sollte die erste Zutat auf der Liste sein (mindestens 50–70 %)
- Deklaration: Offene Deklaration aller Inhaltsstoffe – keine „tierischen Nebenerzeugnisse“ ohne weitere Angabe
- Kein Zucker: Zucker hat im Hundefutter nichts verloren
- Keine künstlichen Farb- und Konservierungsstoffe
- Ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis
📊 Getreidefrei vs. mit Getreide – Vergleich
| Kriterium | Mit Getreide | Getreidefrei |
|---|---|---|
| Preis (pro kg) | 3 – 8 € | 5 – 15 € |
| Für gesunde Hunde | ✅ Gut geeignet | ✅ Ebenfalls geeignet |
| Bei Getreideallergie | ❌ Nicht geeignet | ✅ Empfohlen |
| Verdaulichkeit | ✅ Gut | ✅ Gut |
| DCM-Risiko | Nicht erhöht | Wird untersucht |
🛡️ Futtermittelallergie erkennen und behandeln
Wenn du vermutest, dass dein Hund eine Futtermittelallergie hat, gehe so vor:
- Tierarzt aufsuchen: Lass andere Ursachen für die Symptome ausschließen
- Ausschlussdiät: Für 8–12 Wochen nur eine Protein- und eine Kohlenhydratquelle füttern, die dein Hund noch nie hatte
- Provokationstest: Nach der Ausschlussdiät einzelne Zutaten wieder einführen und beobachten
- Dauerhaftes Futter: Basierend auf den Ergebnissen das passende Futter wählen
Die Diagnostik einer Futtermittelallergie kann Tierarztkosten von 200 – 500 € verursachen. Eine Tierkrankenversicherung übernimmt diese Kosten.
❓ Häufig gestellte Fragen
Ist getreidefreies Hundefutter generell besser?
Nein, für gesunde Hunde ohne Getreideallergie bietet getreidefreies Futter keinen nachweisbaren Gesundheitsvorteil. Entscheidend ist die Gesamtqualität des Futters – hoher Fleischanteil, offene Deklaration und keine unnötigen Zusatzstoffe sind wichtiger als die Frage „mit oder ohne Getreide“.
Wie erkenne ich eine Getreideallergie bei meinem Hund?
Typische Symptome sind chronischer Juckreiz, wiederkehrende Ohrenentzündungen, Verdauungsprobleme und Hautrötungen. Eine sichere Diagnose ist nur über eine Ausschlussdiät beim Tierarzt möglich – Bluttests auf Futtermittelallergien sind unzuverlässig.
Welches Getreide vertragen Hunde am besten?
Reis und Hafer gelten als besonders gut verträglich. Weizen wird am häufigsten nicht vertragen. Hirse und Amaranth (Pseudogetreide) sind ebenfalls gute Alternativen. Grundsätzlich sollte Getreide im Futter immer gekocht sein, damit die Stärke für den Hund verdaulich ist.