Hunde, die bellen, beißen nicht? Die Körpersprache des Vierbeiners verstehen

,,Ach, der will doch nur spielen, der tut nichts“ – wie oft haben Spaziergänger diesen Satz von einem Hundebesitzer gehört, wenn sie vor Angst erstarrt vor einem Vierbeiner gestanden haben? So mancher Hundebesitzer weiß jedoch selbst gar nicht, die Körpersprache seines Begleiters zu interpretieren. Gerade wenn ein neuer Vierbeiner ins Haus einzieht, sollte sich die ganze Familie vorher mit dem Thema befassen. Ein wedelnder Schwanz zeigt längst nicht nur Freude!

Sie kennen kein schlechtes Gewissen: Die Gefühle eines Hundes

Die erste Lektion für den Menschen ist die Erkenntnis: Ein Hund darf nicht vermenschlicht werden! ,,Ach schau mal, der guckt, als ob er sich schämt“, ist oft eine Falschinterpretation der Körpersprache, nachdem der Welpe sein Hundegeschäft fälschlicherweise in der Wohnung verrichtet hat. Hunde können höhere menschliche Gefühle wie Scham oder Verachtung nicht empfinden – schämend guckend schon gar nicht.

Forscher haben herausgefunden, dass Hunde so intelligent wie zweijährige Kinder sind. Gefühle, die wir Menschen nach diesem Alter entwickeln, bleiben den Tieren verwehrt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hunde gar keine Gefühle haben. Freude, Traurigkeit, Angst und Erleichterung sind auch bei dem besten Freund des Menschen zu finden. Der Blick des Hundes nach der ,,falschen Toilette“ drückt in vielen Fällen eher Angst aus.

Jeder Hundebesitzer sollte daher die Emotionen seines Hundes kennen und verstehen können. Wer weiß, welche Anzeichen Angst, Freude und Frust ausdrücken, versteht seinen Vierbeiner deutlich besser und kann eine innigere Beziehung zu ihm aufbauen.

Hunde sprechen, ohne zu bellen: Die lautlosen Signale

Nicht nur Bellen und Knurren nutzen Hunde zur Verständigung. Gestiken spielen in der Körpersprache der Hunde ebenso eine wichtige Rolle. So haben sie mehrere Möglichkeiten, um sich mitzuteilen. Die Körpergröße beispielsweise zeigt an, ob der Hund selbstsicher oder Ängstlich ist. Ein großer, aufrechter Stand zeugt von Dominanz. Macht sich der Hund klein, ist er vielmehr unsicher und Ängstlich.

Will ein Hund spielen, so knickt er mit den Vorderpfoten ein und reckt sein Hinterteil in die Höhe. Eine geduckte Haltung des gesamten Köpers drückt Angst aus. Oft nehmen Hunde diese Stellung ein, wenn sie etwas falsch gemacht haben und Angst vor der Strafe fühlen. Ein Hund, der sich auf den Rücken legt, signalisiert Demut und Unterwerfung. In manchen Fällen gehört auch lecken und Pföteln dazu.

Auch die Kopfhaltung ist ein Signal in der Körpersprache. Frontale Haltung zeugt von Furchtlosigkeit, ein seitlich weggedrehter Kopf beweist, dass der Hund nicht aggressiv ist, vielmehr sogar Ängstlich. Auch die Rutenstellung ist ein wichtiges Signal. Ein wedelnder Schwanz wird oft als Freude interpretiert. Doch diese Geste drückt vielmehr Aufregung aus, die sowohl positiv, als auch negativ sein kann. Zornige Hunde stellen den Schwanz senkrecht auf, Ängstliche Tiere senken ihn. Liegt die Rute ruhig am Körper, ist der Vierbeiner entspannt.

In der Körpersprache des Hundes spielen die Ohren ebenso eine wichtige Rolle. Sind sie aufgerichtet, ist der Hund aufmerksam, selbstsicher und dominant. Zurückgelegte Ohren zeugen eher von Unsicherheit und sogar Unterwerfung. Jedoch ist es hier von Rasse zu Rasse schwer, diese Zeichen sicher zu interpretieren. Bei so manchem Vierbeiner sind die hängenden Ohren natürlich.

Er guckt so traurig: Die Mimik des Hundes

Neben der Gestik gehört auch die Mimik zur Körpersprache des besten Freundes. Hier haben Forscher die Tiere lange unterschätzt. Doch inzwischen wissen sie, dass Hunde sogar Mimik im Gesicht des Menschen interpretieren können – wie diese Studie beweist.

Daher sollten auch Hundebesitzer die Mimik ihres Vierbeiners kennen. Feine Bewegungen des Gesichtes können auch beim Hund viel ausdrücken. Der Blick beispielsweise ist ein Kommunikationsmittel. Verengte Pupillen drohen, ebenso wie ein starrer Blick geradeaus. Erweiterte Pupillen zeugen von Entspannung. Ein abgewendeter, seitlich schielender Blick kann Angst ausdrücken. Ob der ,,treue Hundeblick“ wirklich von ,,treuen Hunden“ häufiger eingesetzt wird, versuchen Forscher gerade zu analysieren. Dass große Augen bei Hunden für Menschen beliebter sind, ist bereits bewiesen.

Aber auch Mundwinkel, Augenbrauen und Zähnen können Hunde zur Kommunikation nutzen. Bei Unsicherheit zieht der Hund die Mundwinkel nach unten. Diese nach hinten gezogen entblößt die Zähne – der Hund droht. Zieht er die Mundwinkel nach vorn und die Lippe nach oben, zeigen sich die Eckzähne. In diesem Fall drückt der Vierbeiner Sicherheit aus.

Probleme? Fortbildung für den Menschen

Wem es schwer fällt, die Signale seines Hundes zu deuten, der sollte sich nicht nur ein dickes Ratgeberbuch kaufen. Vielmehr sind Hundeschulen die bessere Adresse. Denn hier lernen nicht nur Hunde, sondern auch ihre Besitzer. In speziellen Seminaren können sich die Halter wichtiges Wissen aneignen, im Teamtraining sogar lernen, wie sie ihren Liebling mit der eigenen Körpersprache lenken. Bei eingespielten Teams reicht sogar ein Blick des Halters, um den Hund zu einer Handlung zu bringen.

Das Filmen des Hundes ist ein weiteres Mittel. In Ruhe auf der Couch die Einzelbilder anzuschauen, kann viele verblüffende Erkenntnisse bringen. Das hilft nicht nur, den Hund und seine Körpersprache besser zu verstehen. Viele Hundebesitzer kommen ihrem Tier auf diesen Weg besonders nah.

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