Interview mit Heide Stephan vom Tierschutzverein HOPE4friends e.V.

HOPE4friends ist ein Tierschutzverein, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Tierschutz in Deutschland und Europa zu fördern. Durch die Hilfe von Hunden in Not und die Vermittlung von Hunden aus Portugal, sollen die Tierschützer vor Ort unterstützt und den Hunden aus Portugal die Chance auf ein liebevolles Zuhause gegeben werden. Gegründet wurde der Verein im Januar 2015 von 10 tierlieben Menschen, die schon seit längerem im Tierschutz tätig waren und mit HOPE4friends einen eigenen Tierschutzverein nach ihren Vorstellungen und Werten aufbauen wollten.

Entstanden ist die Idee bei einem gemeinsamen Helfereinsatz in Portugal, dort wurde die kleine Hündin Hope von den zukünftigen Vereinsmitgliedern gerettet. Tage und Nächtelang haben sie mit der kleinen Fellnase um ihr Überleben gezittert. Jetzt lebt sie bei Julia, einem weiteren Vereinsmitglied, in Dresden und ist ein fröhliches und aufgewecktes Hundemädchen. Ihre Geschichte dient den Mitgliedern als Motivation, noch vielen weiteren armen Hundeseelen eine schönere Zukunft zu bescheren.

Was genau im Verein gemacht wird, was die größten Probleme sind und wie ihr helfen könnt erfahrt ihr hier.

Interview mit Heide Stephan vom Tierschutzverein HOPE4friends e.V.

Heide Stephan wurde durch die Adoption Ihres Hundes Jerry aus Portugal vor drei Jahren mit den Zuständen in den portugiesischen Sheltern konfrontiert und ist seitdem ein aktiver Mitstreiter im Tierschutz. Im Januar 2015 hat sie gemeinsam mit anderen Helfern den Verein HOPE4friends e.V. gegründet. Sie ist Vorstand im Verein und kümmert sich um die Finanzen und um administrative Tätigkeiten wie die Organisation der Transporte sowie die Durchführung von Vor- und Nachkontrollen. Sie ist außerdem Ansprechpartner bei Problemen und fungiert als Kontaktperson für die portugiesischen Helfer. Mehr über ihre Tätigkeiten, den Verein und den Zustand der Hunde in Portugal erfahrt ihr in meinem Interview mit ihr.

Was genau machen die Mitglieder im Verein?

Der Schwerpunkt liegt darauf, für die Hunde aus Portugal ein neues Zuhause in Deutschland zu suchen. Außerdem werden die Helfer vor Ort unterstützt, indem Kastrationen, Operationen und medizinische Versorgung durchgeführt werden. Auch Sach- und Futterspenden werden gesammelt. Die Helfereinsätze zur Verbesserung der Situation vor Ort, bei der die Shelter, in denen die Hunde leben ausgebaut, Freiläufe eingerichtet und Elektro- & Heißwasser-Installationen durchgeführt werden sind sehr wichtig. Bei diesen Einsätzen wird außerdem dabei geholfen, die Grundversorgung der Hunde durch Fell-, Krallen- und Augenpflege zu gewährleisten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Aufklärung der Menschen in Portugal, welche wir erreichen, indem wir die Tierschützer vor Ort in Ihrer Arbeit unterstützen und aufzeigen, wie die Hunde bei uns in Deutschland leben.

Wie genau werden die Leute vor Ort aufgeklärt und warum ist die Aufklärung so wichtig?

Die Portugiesen haben eine andere Wertschätzung von Hunden als wir. Hier in Deutschland bezahlt man zum Beispiel viel Geld für einen Hundewelpen vom Züchter. In Portugal laufen Hundewelpen einfach auf der Straße herum, deshalb kann sich jeder einfach einen Welpen anschaffen, ohne dafür viel Geld zu bezahlen. Häufig werden die Hunde dann, wenn sie nicht mehr klein und süß sind, einfach wieder ausgesetzt oder in einer Tötungsstation abgegeben. Viele der Straßenhunde in Portugal sind Podencos. Das sind Jagdhunde, die oft nur für eine Jagdsaison behalten werden. Danach werden sie wieder abgegeben und ein neuer, jüngerer Jagdhund wird angeschafft. Viele Hundebesitzer in Portugal halten die Hunde an kurzen Leinen und gehen nicht mit ihnen spazieren. Auch die bei uns verbotene Kettenhaltung ist dort immer noch sehr weit verbreitet. Sie sind sich über die Grundbedürfnisse der Hunde nicht bewusst und haben eine andere Wertschätzung der Tiere.

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In vielen Ländern gibt es Straßenhunde. Warum hat sich der Verein entschieden, in Portugal aktiv zu werden?

Zu Portugal haben die meisten Vereinsmitglieder durch ihre eigenen Hunde einen direkten, persönlichen Bezug. Die Idee für die Gründung von HOPE4friends entstand bei einem gemeinsamen Helfereinsatz in Portugal und die persönlichen Beziehungen zu den Helfern vor Ort sind uns sehr wichtig, da gerade sie einen wesentlichen Teil unserer Arbeit leisten. Wir möchten langfristig an einem Ort zur Verbesserung der Situation für die Hunde beitragen. Alleine unsere Facebookgruppe, in der Pflegestellen und Adoptanten Informationen und Fotos zum neuen Leben ihrer neuen Schützlinge einstellen ist eine riesige Motivation für die Helfer in Portugal. Hier sehen sie wie „ihre“ Hunde ein schönes Hundeleben führen können, mit Auslauf auf grünen Wiesen und viel Liebe. Das gibt ihnen eine große Motivation für Ihre Arbeit, da sie ja nur die andere Seite – ausgesetzte, halbverhungerte, geschlagene und misshandelte Hunde – kennen.

Wo genau befinden sich die Stationen des Vereins?

Unsere Mitglieder und Helfer in Deutschland sind im ganzen Land verstreut – wobei wir momentan in Gütersloh, Berlin und München am meisten aktiv sind. In Portugal arbeiten wir mit Sheltern aus Fafe, Lissabon und Aveiro zusammen und unterstützen noch eine private Tierschützerin, die sich um Straßenhunde kümmert.

Wie viele Hunde und Mitarbeiter sind in Portugal vor Ort?

Es sind circa 500 Hunde und 15 Mitarbeiter, von denen die meisten ehrenamtlich arbeiten.

Wie ist die Situation der Hunde vor Ort?

Beim letzten Helfereinsatz in Fafe wurden zwei Videos gedreht, das die Situation der Hunde vor Ort zeigen soll.

Gegen Endes des zweiten Videos sieht man die alten Zwinger, die nach und nach renoviert werden sollen. Diese sind sehr baufällig und drohen jederzeit einzustürzen. Außerdem sind die Zäune kaputt, sodass große Verletzungsgefahr für die Hunde besteht. Leider reicht das Geld nicht, um alle Käfige auf einmal zu reparieren.

Was sind die größten Probleme vor Ort?

Zum einen die bereits beschriebene fehlende Aufklärung der Menschen vor Ort und die fehlende Wertschätzung für die Hunde. Die unkontrollierte Vermehrung der Hunde auf den Straßen Portugals ist der Ursprung dieses Problems. Die notwendigen Kastrationen sind teuer und werden durch die portugiesische Regierung kaum gefördert oder finanziell unterstützt. Diese fördern eher die Tötungsstationen, in denen die Hunde keine Perspektive haben. Jedoch gibt es einen Hoffnungsstreifen am Horizont: neue Gesetze und ein Umdenken in portugiesischen Tötungen sind im Entstehen. Dies ist nicht zuletzt durch den Einsatz der vielen Helfer im Inn- und Ausland möglich geworden.  Trotzdem sind die Bedingungen für streunende Hunde und die Haltungsbedingungen in den Sheltern sehr schlecht, denn die Hunde haben viel zu wenig Platz und kaum Auslauf. Häufig kommt es vor, dass Hunde attackiert und tot gebissen werden. Der Zustand der Hunde ist durch Mangelernährung, Parasiten und fehlende medizinische Versorgung sehr schlecht.

Woran fehlt es? Was wird am dringendsten benötigt?

Hauptsächlich fehlt es wie überall an Geld, um dieser riesigen Aufgabe gerecht zu werden. Kastrationen, die medizinische Versorgung der Hunde, Anschaffungen für den Shelter, tägliches Futter und die Reinigung der Käfige müssen finanziert werden. Nie ist genügend Geld da, um alles machen zu können. Gerade die Helfer vor Ort wenden viel Zeit auf, um in Kampagnen Futterspenden und Geld für alle Aufgaben zu sammeln. Dennoch fehlt es einfach immer an allem und ständig wird improvisiert.

Was sind die nächsten Pläne und Ziele, die umgesetzt werden sollen?

Die grundlegenden beschriebenen Probleme müssen im jeweiligen Land gelöst werden aber wir wollen weiterhin die Tierschützer vor Ort aktiv bei Ihrer Arbeit unterstützen, indem wir Hunde vermitteln, Spenden sammeln und Helfereinsätze durchführen. Für 2016 haben wir uns vorgenommen Hundehütten mit Flachdach im Shelter von Aveiro zu bauen, in denen sich die Hunde zurückziehen können, damit sie einen Schutz in den kalten Winternächten haben und tagsüber auf den Dächern in der Sonne liegen können. Hierzu ist ein gemeinsamer Helfereinsatz geplant, dessen Vorbereitungsphase bereits angelaufen ist.
Außerdem ist eine Welpenstation im Shelter von Fafe unser großer Traum. Die Welpen müssten dann nicht mehr im Dreck und Müll leben und wären so viel besser vor Krankheiten geschützt. Die Sterblichkeitsrate von Welpen im Shelter liegt momentan bei über 80%.

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Wie läuft die Vermittlung eines Hundes bzw. die Adoption normalerweise ab?

Der Interessent meldet sich bei uns über die Homepage, per E-Mail oder Telefon. Im Anschluss erhält er von uns einen Selbstauskunftsbogen den er uns dann ausgefüllt zurückschickt. Spricht auf Basis dieser Selbstauskunft nichts gegen die Vermittlung des Hundes wird eine sogenannte Platzkontrolle organisiert, bei der der Verein prüft, ob das neue Zuhause für den Hund passt. Hierbei spielen beispielsweise Fakten wie Hundeerfahrung, ein Garten oder die Arbeitszeiten des neuen Besitzers eine Rolle. Auch versuchen wir einen Eindruck zu gewinnen, ob der ausgesuchte Hund tatsächlich zum Besitzer passen kann. Der zukünftige Besitzer holt sich auch die Einverständnis seines Vermieters zur Haltung eines Hundes in der Wohnung und legt diese vor. Wenn bei der Platzkontrolle alles passt, wird der Hund ausreisefertig gemacht. Er wird also medizinisch überprüft, kastriert (wenn er alt genug ist), gechipt, geimpft, entwurmt und gegen äußere Parasiten behandelt. daraufhin folgt die Organisation des Transports und der Erledigung aller Einreiseformalitäten. Die Hunde werden entweder mit dem Flugzeug oder per Landtransport nach Deutschland gebracht. Manche zukünftigen Besitzer holen ihre Hunde selbst in Portugal ab. Manchmal gibt es Flugpaten, also Personen die sowieso von Portugal nach Deutschland fliegen und sich bereit erklären, den Hund mitzunehmen. Für die Flugpaten sind damit keinerlei Kosten verbunden. Nun wird der Hund noch beim Veterinäramt angemeldet und der Transfer des Hundes innerhalb von Deutschland organisiert.

Welche Kosten entstehen für die zukünftigen Hundebesitzer bei so einer Adoption?

Der Hund an sich kostet nichts, jedoch fallen Kosten für die Ausreisevorbereitung und den Transport in Form der Auslagengebühr an. Das sind in den meisten Fällen 330-360 Euro. Dafür werden die Hunde gechipt, geimpft, kastriert (sofern altersmäßig möglich), entwurmt, gegen äußere Parasiten behandelt und nach Deutschland gebracht. Hierfür und insbesondere bei der Kastration haben wir bei den Tierärzten in Portugal Rahmenabkommen, die uns wesentlich günstigere Preise garantieren, als wir sie dann hier in Deutschland zahlen würden.

Was sollte man beachten, wenn man einen Hund aus Portugal adoptiert?

Ein halbes Jahr nach der Adoption sollte ein Bluttest auf Mittelmeerkrankheiten gemacht werden, um sicher zu gehen. Ansonsten natürliche all jene Dinge, die man immer beachten sollte, wenn man sich einen Hund anschafft. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein Hund Geld kostet (Hundesteuer, Hundehaftpflicht, Futter etc.) und man genug Zeit für den Hund hat.

Welche Erfahrungen hast du bis jetzt bei den Vermittlungen gemacht? 

Die meisten Hunde leben sich problemlos ein. Hierbei ist die Aufklärung der neuen Besitzer und die Platzkontrolle ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Jeder Hund braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit, die stark davon abhängig ist, was er bisher so alles erlebt hat. Die meisten Hunde binden sich sehr stark an Ihre neuen Menschen und haben sie erstmal Vertrauen aufgebaut, sind sie die dankbarsten Hunde die man sich vorstellen kann.

Wie werden der Verein und dessen Projekte finanziert?

Alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich für den Verein. Die Projekte werden durch Spenden, viel aber auch privat durch die Mitglieder des Vereins finanziert. Die Sanierung der Shelter wird durch Aktionen vor Ort wie Flohmärkte, Infostände, Aufklärungskampagnen usw. finanziert und in ehrenamtlichen Helfereinsätzen umgesetzt. Es ist außerdem möglich, Patenschaften für Hunde zu übernehmen, um deren Versorgung finanziell zu unterstützen. Die Kosten, die anfallen, um einen Hund ausreisefertig zu machen (Impfungen, Kastration etc.) werden durch den Verein vorfinanziert und in Form der Auslagengebühr bei der Adoption zurückerstattet.

Wie kann man den Verein und seine Arbeit unterstützen?

Hilfe ist auf so viele unterschiedliche Arten möglich. Über Geld- und Sachspenden, Patenschaften, als Flugpate, durch Adoption oder auch durch das Teilen der Beiträge auf Facebook, in denen die Hunde vermittelt werden. Es ist außerdem möglich, sich als Pflegestelle eintragen zu lassen. Solche Pflegestellen nehmen Hunde in Deutschland so lange auf, bis sie weiter vermittelt werden. Eine ganz einfache Lösung zu helfen ist der Einkauf über Gooding. Dabei könnt ihr den Verein bei eurem Online-Shopping (z.B. über Amazon) ganz einfach unterstützen, ohne dass es euch etwas kostet. Einfach bei Gooding anmelden, HOPE4Friends auswählen und die Toolbar installieren. Auch bei Einkäufen im Tierschutz-Shop könnt ihr HOPE4friends unterstützen. Wenn ihr dort Futter oder Zubehör für eure eigenen Vierbeiner kauft, könnt ihr am Ende HOPE4friends aufwählen und der Tierschutz-Shop spendet dann 10% eurer Einkaufssumme an den Verein.

Auch mit wenig Zeit findet sich immer etwas, wobei man helfen kann und hat man erstmal unsere wundervollen Hunde kennengelernt, dann weiß man warum man das alles tut. Futter und Sachspenden werden auch sehr gerne entgegengenommen – bei Futterspenden sind jedoch die Transportkosten und die Tatsache, dass es sinnvoller ist, den Hunden immer das gleiche Futter zu geben, zu beachten. Sachspenden in Form von Decken, Handtüchern, Geschirren, Halsbändern, Plastikhundekörbchen, Transportboxen, Leinen oder medizinischen Dingen wie Entwurmungen, Augentropfen, Desinfektionsmittel, Wundsalben, Schmerzmitteln, Einweghandschuhen, Plastikspritzen usw. sind immer herzlich willkommen und werden von unseren Helfern gesammelt.

Eine weitere tolle Sache ist der HOPE4friends Flohmarkt. Das ist eine Facebook Gruppe, in der tierliebe Leute Artikel kaufen und Verkaufen können, die sie nicht mehr brauchen oder selbst gemacht haben. Ein Teil des Kaufpreises wird dann immer an HOPE4friends gespendet. Natürlich könnt ihr auch selbst Mitglied im Verein werden.

Wie kann man Mitglied werden?

Es gibt aktive und passive Mitglieder im Verein. Wenn ihr Mitglied werden wollt, könnt ihr einfach Kontakt zum Verein aufnehmen und die aktiven Mitglieder kennen lernen oder bei einer Aktion mitmachen. Da wir in ganz Deutschland verteilt sind, kommunizieren wir hauptsächlich über Telefon, Facebook und Whats App miteinander. Es gibt so viele Aufgaben und jeder kann seine persönlichen Eignungen und Stärken einbringen, sei es die Betreuung von Vermittlungsportalen, die Organisation von Vorkontrollen, der aktiven Betreuung unserer Pflegestellen und Adoptanten oder indem ihr zum Beispiel bei einem Helfereinsatz gemeinsam mit den anderen Helfern Hütten baut, Zäune setzt, Elektroinstallationen einrichtet, Hunde versorgt oder ähnliches. Ihr könnt auch Flyer erstellen und verteilen, die Facebook Seite teilen & Freunde einladen, Hunde die ein Zuhause suchen auf Facebook teilen uvm. Es ist alles erlaubt was unseren Hunden hilft und die Vereinsziele unterstützt! Wir freuen uns über Jeden, der helfen möchte.

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