11.06.2021

Katzenaids

Der große Ratgeber zu FIV bei Katzen

Mit der Bezeichnung Aids schwirren einige Bilder in euren Köpfen. Diese Krankheit ist unter den Menschen nach wie vor stark vertreten. Fällt das Katzenaids unter die gleiche Kategorie? Die genaue Bezeichnung ist Felines Immundefizienzvirus (FIV). Zwischen der menschlichen Aidserkrankung und dem Krankheitsbild bei Katzen gibt es Ähnlichkeiten. Diese Aidsversion ist nur unter den katzenartigen Gattungen vertreten und kann nicht auf den Menschen oder andere Tierarten übertragen werden. Nachfolgend erfahrt ihr alles Wissenswertes über die Katzenaids Symptome und wie ihr damit umgehen könnt oder müsst.

Katzenaids oder auch FIV positiv

Diese Viruserkrankung ist unter zwei Namen bekannt. Medizinisch wird diese Krankheit als FIV positiv (Felines Immundefizienzvirus) bezeichnet. Umgangssprachlich ist die Bezeichnung Katzenaids weit verbreitet. Dieser Ausdruck ist unter den Tierärzten in der Regel nicht unbekannt. Vor allem der ähnliche Verlauf und die FIV Symptome wie bei einer menschlichen Aidserkrankung gab dieser Katzenkrankheit den Namen.

Katzenaids Ansteckung – wie geschieht die Übertragung?

Die Übertragung von dem FIV-Virus kann durch eine Bisswunde erfolgen. In der Katzenwelt ist es üblich sein Territorium durch Rangkämpfe zu verteidigen. Dieses Verhalten zeigen Großkatzen genauso wie eure Schmusekatze. Bei solchen Revierkämpfen wird der Kontrahent mit Bissen verletzt. Der infizierte Angreifer überträgt den Virus durch seinen Speichel in die Wunde seines Gegners. Von dort kann sich das Virus ungehindert durch die Blutbahn verbreiten. Die Katzenaids Ansteckung ist dadurch logischerweise hauptsächlich bei den männlichen Tieren verbreitet. Leider sind die Katzendamen vor dem Aidsvirus nicht gefeit. Beispielsweise beim Deckakt kann der Kater durch einen Biss in den Nacken das rollige Weibchen anstecken.

Dieser Nackenbiss gehört zum normalen Deckakt dazu und ist kein unnatürliches Verhalten. Je nach Katzenrasse und Temperament verteidigt die Katzendamenwelt das Futter (Beute) und die Jungen ebenfalls mit Zähnen und Krallen. Prozentual ist diese Möglichkeit geringer als bei Katern. Die Bedingung für die Ansteckung ist immer eine offene Wunde. Der FIV-Virus kann außerhalb des Katzenkörpers nicht überleben. Nach einigen Stunden wird er inaktiv und die Ansteckungsgefahr ist vorbei. Zum besseren Verständnis für euch: Ein Gerangel zwischen einem infizierten und einem unifizierten Tier bleibt ohne Folgen, wenn kein Blut fließt.

Katzenaids Symptome – wie ist der Infektionsverlauf?

Nach einer Ansteckung mit den FIV-Viren kann der Infektionsverlauf in fünf Abschnitte eingeteilt werden. Nachfolgend wird  der Ablauf der Katzenaids Stadien erläutert:

Phase 1

Diese ersten Erkrankungsanzeichen können möglicherweise unbemerkt von euch ablaufen. Das hängt vor allem von der Dauer oder von dem katzentypischen Verhalten bei Krankheiten ab. Die Länge dieser ersten Phase schwankt zwischen mehreren Tagen, Wochen oder Monaten. In diesem Stadium schwellen die Lymphknoten an. Durchfall und leichtes Fieber sind weitere äußerliche Anzeichen. Gleichzeitig treten Veränderungen im Blutbild auf.

Phase 2

Dieser symptomlose Abschnitt kann zwischen Monaten und Jahren dauern. In dieser Zeit wirkt eure Katze gesund.

Phase 3

Dieser Krankheitsabschnitt kann Wochen bis Monate dauern. Typisch dafür sind:

  • Anschwellung der Lymphknoten
  • Gelenkentzündungen
  • Verweigerung der Nahrung
  • Gewichtsabnahme
  • Fieberschübe

Phase 4

Dieser Abschnitt wird als ARC (Aids-Related Complex) bezeichnet. Die Verschlechterung des Krankheitsbildes kann mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern. Die Erkrankungen (Atemwege, Verdauungssystem) werden chronisch. Durch die anhaltende Immunschwäche können bakterielle Infektionen nicht mehr abgewehrt werden. Die Gewichtsabnahme wird drastisch. Der chronische Durchfall, Entzündungen im Maulbereich und die vermehrte Futterverweigerung forcieren diese Gewichtsabnahme. Die Lymphknotenschwellung ist dauerhaft. Bei manchen Patienten treten Verhaltensstörungen auf und der Verlust des Augenlichtes.

Phase 5

Dieses Endstadium wird als aquired immunodeficiency syndrome bezeichnet. Diese Phase kann mehrere Monate andauern. Das Krankheitsbild ist identisch mit der ARC-Phase.

Katzenaids ausgebrochen: Symptome

Ein Verdacht auf Katzenaids ist meistens nicht unbegründet. Eine Kombination von verschiedenen Faktoren erhärtet die Befürchtungen. Eure Mieze muss auf jeden Fall ein Freigänger sein und nur über die Blutbahn kann die Ansteckung erfolgt sein.

Symptome:

  • Lymphknotenschwellung
  • vermehrter Durchfall
  • erhöhte Temperatur (leichtes bis mittelschweres Fieber)
  • ungepflegtes Äußeres
  • Gewichtsverlust
  • Appetitlosigkeit
  • Tumorbildung
  • erhöhte Infektionsanfälligkeit

Katze FIV positiv – wie wird das diagnostiziert?

Sieht eure freiheitsliebende Katze (Freigänger) ungepflegt und krank aus, ist ein Verdacht auf FIV nicht unbegründet. Besonders, wenn sich dieses Erscheinungsbild nach ausgiebigen Ruhephasen nicht ändert. Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Verdacht auf FIV Positiv zu bekräftigen oder auszuschließen. Euer Tierarzt wird die nötigen Schritte unternehmen.

Blutuntersuchung

Bei dieser Möglichkeit können die Werte der Erythrozyten (rote Blutkörperchen), der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und Thrombozyten (Blutplättchen) kontrolliert werden. Sinken die Werte unter den Normalwert und steigt gleichzeitig das Globulin Eiweiß (Konzentration), dann ist der Verdacht auf Katzenaids berechtigt.

Antikörper Messung

Diese Methode wird als indirekter Nachweis bezeichnet. Durch einen ELISA-Test oder das Western-Blut-Verfahren werden spezifische Antikörper gemessen. Diese Methode ist kein 100 %iger Nachweis, dass eure Katze mit FIV infiziert ist. Trotz positivem Ergebnis solltet ihr das Resultat mit einem weiteren Test überprüfen lassen.

PCR-Verfahren

Eine weitere Möglichkeit für den Nachweis ist das PCR-Verfahren. Für diesen Test werden eurer Katze Blut- oder Gewebeproben entnommen. Die Proben werden an spezielle Labors verschickt und dort untersucht. Dieses Verfahren wird häufig zur Bestätigung der Ergebnisse bei der Antikörper Messung verwendet.

FIV positive Katzen – welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlungsmöglichkeiten für FIV positive Katzen beschränken sich hauptsächlich auf die Bekämpfung der Sekundärinfektionen. Durch die Gabe von Antibiotika sollen diese auf ein Minimum reduziert werden und eine weitere Belastung des Organismus gestoppt werden. Die Stärkung des Immunsystems ist umstritten. Zum einen wird das Immunsystem durch bestimmte Substanzen gestärkt und zum anderen besteht die Gefahr, die Verbreitung des FIV-Virus anzuregen. Die Gegner begründen diese Befürchtung damit, dass dieses Virus hauptsächlich Immunzellen befällt.

Eine direkte Therapie gegen dieses Virus gibt es nicht. Diese Erkrankung ist nach wie vor nicht heilbar. Der Einsatz von antiviralen Chemotherapeutika könnte ein Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Egal welche Behandlung bei eurer Katze durchgeführt wird, das psychische Gleichgewicht eures Stubentigers solltet ihr nicht unterschätzen. Die gewohnte Umgebung mit wenig Stress ist ein wichtiger Faktor. FIV positive Katzen sollten keinen Freigang bekommen. Dies ist nicht nur als Schutz für andere Katzen gedacht, sondern bringt ebenfalls Ruhe und Geborgenheit in das Leben eurer kranken Katze.

Katzenaids Lebenserwartung: Wie alt kann eure Katze werden?

Der FIV-Virus hat die Angewohnheit häufig jahrelang inaktiv zu bleiben. Der Angriff dieses Virus erfolgt auf das Immunsystem eurer Katze. Aufgrund dessen kann eure Katze vermehrt Probleme mit Tumorbildung oder anderen Begleiterkrankungen bekommen. Die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten steigt. Bei guter Pflege und Fürsorge sinkt die Katzenaids Lebenserwartung nicht drastisch. Generell ist die Lebenserwartung ähnlich wie bei gesunden Katzen. Erfolgte die Infektion in jungen Jahren kann der Krankheitsverlauf aggressiver als bei ausgewachsenen Katzen sein.

FIV positive Katze zu gesunden Katzen – Ist das möglich?

Theoretisch ist das Zusammenleben zwischen einer FIV positiven Katze zu gesunden Katzen möglich. Dabei solltet ihr aber beachten, dass das Sozialverhalten zwischen den Vierbeinern in Ordnung ist. Die Rangordnung ist geklärt und es gibt keine körperlichen Auseinandersetzungen. Ein „neuer“ Tiger würde das Risiko der Katzenaids Ansteckung für das neue Familienmitglied deutlich erhöhen. Andererseits ist das Auseinanderreißen von bewährten Lebensgemeinschaften für den kranken Stubentiger eine psychische Belastung, die die Verschlechterung des Krankheitsverlaufs beschleunigen kann.

Da das FIV-Virus außerhalb des Körpers kaum überlebensfähig ist, ist die Gefahr einer Ansteckung durch Gegenstände (Futterbehälter, Trinknapf, Liegeflächen) relativ gering. Zusätzliche Hygienemaßnahmen eurerseits verringern das Risiko noch weiter. Vor allem die Katzentoilette ist ein Risikofaktor, den ihr in den Griff bekommen müsst. Die ausgeschiedenen Körperflüssigkeiten sind infektiös.

Gibt es eine FIV Impfung?

Die Problematik ist, dass es verschiedene Stämme der Trägerviren gibt. Bereits 2012 konnte in den USA eine Impfung gegen einen bestimmten FIV-Virus gefunden werden. Diese FIV Impfung ist in Deutschland nicht zugelassen. Weitere Forschungen bezüglich des Katzen FIV haben noch keine weiteren konkreten Impfmöglichkeiten ergeben.

FIV positive Katze: Kosten für die Behandlung?

Die Kosten für eine Behandlung einer an Katzenaids erkrankten Katze wird über die Gebührenordnung für Tierärzte abgerechnet. Die finanzielle Belastung durch die FIV positive Katze Kosten sind für euch schwer abzuschätzen. Bei Verdacht einer solchen Erkrankung wird zuerst eine allgemeine Untersuchung und eine Blutabnahme in einer Tierarztpraxis durchgeführt. Möglicherweise sind noch weitere Labortests notwendig. Katzenaids ist nicht heilbar. Vor allem treten bei dieser Immunerkrankung weitere Begleitbeschwerden auf. Diese können mit Medikamenten behandelt werden. Je nach Schwere der Symptome ist ein Aufenthalt in einer Tierklinik notwendig. Der Krankheitsverlauf ist individuell und kann in mehreren Schüben erfolgen. Auf jeden Fall sind regelmäßige Tierarztbesuche zur Überwachung des Gesundheitszustandes eurer FIV Katze notwendig.

Innerhalb der Behandlung der auftretenden Beschwerden wird zusätzlich versucht, das Immunsystem zu stärken. Alle diese Maßnahmen sind notwendig, um eurer Katze so gut wie möglich zu helfen. Die Belastung eures Geldbeutels ist auf jeden Fall höher als Routineuntersuchungen bei einer gesunden Katze. Die Gebührenordnung für Tierärzte hat mehrere Stufen. Teilweise sind Tierärzte in solchen Fällen bereit, die tierärztliche Behandlung der erkrankten Katze mit der untersten Stufe abzurechnen. Die Kosten für notwendige Medikamente können nicht reduziert werden.

Hattet ihr schon mal eine FIV positive Katze? Wie seid ihr mit der Krankheit umgegangen? Wir sind gespannt auf eure Ratschläge in den Kommentaren!

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