30.12.2018

Mit deinem Hund entspannt ins neue Jahr!

Experten Tipps von Dr. med. vet. Kathrin Minck

Zu Silvester verabschiedet man traditionell das alte Jahr mit zahllosen Böller und Raketen. Was eigentlich die bösen Geister vertreiben soll, wirkt auch bei unseren Vierbeinern. Für viele Hunde ist es ein Abend voller Angst. Ihr fühlt euch in dieser Situation auch hilflos und wisst nicht, was ihr für euren Hund tun könnt? Wir haben für euch bei Tierärztin Dr. med. vet. Kathrin Minck nachgefragt. Mit ihren Tipps könnt ihr und euer Hund entspannt ins neue Jahr rutschen.

Leiden Hunde wirklich so stark unter der Silvesternacht wie man glaubt?

Ja, aber nicht alle! Es gibt durchaus Hunde, denen das Knallen an Silvester nichts ausmacht und die Silvester verschlafen. Diese Hunde sind dann auch bei anderen Schussgeräuschen unempfindlich. Aber sehr viele haben Angst. Die Bandbreite zwischen leichten Angstsymptomen bis hin zu Panikattacken ist sehr groß.

Warum leiden speziell Hunde so sehr?

Nicht nur Hunde leiden sehr unter dem Lärm der Silvesternacht. Auch alle anderen Tiere wie Katzen, Pferde und alle Wildtiere. Da unsere Hunde eher die Nähe zum Menschen suchen, sind wir an seiner Angst näher dran. Katzen verkriechen sich lieber in eine ruhige Ecke. Die Angst der Wildtiere bekommen wir gar nicht mit.

Kommen viel Hundehalter zu Ihnen, weil sie sich Sorgen machen?

Die Wochen vor Weihnachten sind deutlich geprägt von der Angst des Hundehalters vor der Silvesternacht. Regelmäßig kommen Besitzer in die Praxis, um sich beraten zulassen. Im Gespräch kläre ich, wie groß die Angst des Hundes ist und welche Medikamente gegen die Angst eingesetzt werden können. Gerade bei älteren Hunden, die schon häufiger die Erfahrung des Silvesterknallens gemacht haben, bedarf es einer gewissen Vorbereitung.

Oft heißt es, dass Hundebesitzer durch übertriebene Sorge ihren Schützlingen erst die Angst vor den Böllern antrainieren. Stimmt das?
Ja und nein. Der Hund orientiert sich stark am Verhalten des Menschen. Hat dieser Angst, wird auch der Hund verunsichert. Wenn der Hund natürlich stark zittert und hechelt und dafür noch durch Streicheln „belohnt“ wird, verstärkt sich die Angst des Hundes umso mehr. Er „lernt“, dass seine Angst vor dem Knallen berechtigt ist. Seid entspannt und geht eurem gewöhnlichen Abendritual nach. Macht eurem Hund durch euer Verhalten klar, dass ihr alles im Griff habt und er sich keine Sorgen machen muss. Das wird ihm sicherlich nicht die ganze Angst nehmen, aber ihn etwas beruhigen.

Oft knallt es schon an den Tagen vor Silvester. Sollte man Spaziergänge und Ausläufe einschränken?
Für einen Angsthund gilt an diesen Tagen strikte Leinenpflicht! Ein Hund, der in völliger Panik ist, hört nichts mehr um sich herum. Jedes Jahr entlaufen massig Hunde schon vor der Silvesternacht, weil sie panisch sind. Viele werden leider nicht mehr gefunden oder verunglücken. Bei sehr panischen Hunden empfiehlt sich sogar ein sogenanntes Panikgeschirr, aus dem sie nicht wie bei einem Halsband herausschlüpfen können. Die Spaziergänge sollten so weit möglich in ruhigeren Gebieten und nicht in den Abendstunden stattfinden.

Wie kann ich meinen Hund helfen?
Ihr könnt sehr viel tun. Mittlerweile werden spezielle Hundetrainingskurse für Angsthunde an Silvester in Hundeschulen angeboten. Dort lernt ihr und euer Hund, mit Stresssituationen umzugehen. Ihr könnt für euch und euren Hund zudem ein ruhiges Umfeld schaffen. Für große Partys sind Angsthunde nicht gemacht. Trainiert euren Hund mit speziellen Konditionierungsprogrammen im Vorfeld. Es gibt Geräusch-CDs und mittlerweile Entspannungsmusik für Hunde. Dabei lernt euer Hunde, sich beim Erklingen der Musik zu entspannen. Schließt vor Mitternacht die Rollläden und macht Musik oder das Radio an. Entspannt euch und euren Hund!

Was halten Sie von kurzfristigen Maßnahmen wie Beruhigungsmitteln?
Es gibt mittlerweile einige Mittel und Medikamente, mit denen ihr die Angst eures Hundes mildern könnt. Angefangen bei homöopathischen Mitteln wie beispielsweise Passiflora oder Rescue-Tropfen. Angeboten werden auch Aminosäurepräparate zur Beruhigung. Pheromonsprays oder auch Pheromonhalsbänder sollen die Angst reduzieren. Hierbei kann keine generelle Empfehlung gegeben werden. Jeder Hund spricht verschieden auf die jeweiligen Mittel an und es muss individuell entschieden werden. Bei ausgeprägten Angsthunden solltet ihr auf medikamentöse Unterstützung zurückgreifen. Es gibt mittlerweile sehr gute angstlösende und beruhigende Medikamente, die vom Hund gut vertragen werden. Von Schlafmitteln solltet ihr jedoch Abstand nehmen, da sie euren Hund nur Ruhigstellen, ihm aber nicht die Angst nehmen. Euer Tierarzt berät euch sicher gerne.

Gibt es Möglichkeiten, Hunde an den Lärm der Silvesternacht zu gewöhnen?
Ja. Mit Hilfe sogenannter Konditionierungsprogramme könnt ihr euren Hund bewusst entspannen lassen. Im Handel gibt es CDs zu diesem Thema. Außerdem gibt es Geräusch-CDs, die Silvesterlärm, aber auch Sirenen etc. im Programm haben. Auch damit könnt ihr euren Hund trainieren. Entscheidend ist, dass ihr frühzeitig und regelmäßig trainiert.

Was sollten Hundebesitzer auf keinen Fall tun?
Selber in Panik geraten. Bleibt ein gutes Beispiel für euren Hund und seid entspannt. Außerdem: Nehmt euren Hund bitte nicht auf dem Arm mit auf die Straße. Die Gefahr von Verletzungen und einer panischen Flucht ist viel zu groß!

Nicht immer können Hundebesitzer in der Nacht bei ihren Hunden sein. Darf man sie alleine lassen?
Bei Angsthunden – nein! Die Gefahr, dass euer Hund sich bei einer Panikattacke verletzt, ist viel zu groß. Es sind tatsächlich Hunde schon durch Glastüren oder -fenster gesprungen. Bei allen anderen Tieren gilt. Rollläden runterlassen, etwas Licht brennen und Musik oder Radio laufen lassen.

Sind Böllerreste am Tag danach eine Gefahr für Tiere?
Auf alle Fälle! Vielfach liegen noch Blindgänger herum, die plötzlich explodieren könnten und somit eine Verletzungsgefahr darstellen. Das Fressen von Bestandteilen der Böller kann zu Vergiftungssymptomen und Reizungen führen.

So könnt ihr die Zeit mit eurem Vierbeiner noch unbeschwerter genießen

Eure vierbeinigen Weggefährten sind treue Freunde und zuverlässige Seelentröster. Dank ihnen seid ihr ausgeglichener, gesünder und glücklicher. Kurzum: Sie machen euer Leben doppelt so schön. Daran können auch kleine Missgeschicke nichts ändern. Die entspannten Stunden beim Herumtollen solltet ihr unbeschwert genießen können. Hierbei hilft eine Tierhalterhaftpflicht-Versicherung (THV) der Haftpflichtkasse. Falls doch mal etwas passieren sollte, kümmert sie sich um die finanziellen Folgen. Denn als Tierhalter haftet ihr auch, wenn euch keine Schuld trifft. Wenn jemand von euch Schadenersatz fordert, steht sie euch zur Seite. Ist die Forderung berechtigt, leistet sie Schadenersatz. Ist sie unberechtigt, wehrt sie die Ansprüche gegen euch ab. Notfalls auch vor Gericht. Der Schutz erstreckt sich auf alle Personen-, Sach- und Vermögensschäden.

Mehr zum THV-Angebot der Haftpflichtkasse

 

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